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Ecclestone knallhart
Vettel droht auch sein zweites "Heimspiel" zu verlieren

Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister
Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister FOTO: dpa, pst jai nic
Die Traditionsrennen in der Königsklasse sterben aus: Nun steht auch das Ferrari-Heimrennen in Monza auf der Kippe.

Im Kampf um Macht und Millionen droht Ferrari-Star Sebastian Vettel auch sein zweites "Heimspiel" zu verlieren. Nach der Absage des Großen Preises von Deutschland kündigte Formel-1-Chefpromoter Bernie Ecclestone auch das Aus für die italienische Traditionsrennstrecke Monza an.

"Wir haben kein Abkommen, es ist ungefähr wie die Situation in Deutschland. Niemand ist unersetzlich. Wir haben prima andere Rennen, die da einspringen können", sagte Ecclestone und schockte damit die Tifosi. Zudem setzte der 84-Jährige die Veranstalter des Ferrari-Heimrennens im Millionen-Poker um eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages gehörig unter Druck.

"Monza muss die gleichen Anforderungen erfüllen wie jeder andere Grand Prix", sagte Ecclestone. Doch die Betreiber des Traditionsrennens können und wollen die von Ecclestone eingeforderte Antrittsgage von etwa 20 Millionen Euro nicht mehr zahlen. Damit könnten Vettel und Co. in diesem Jahr am 6. September zum vorerst letzten Mal ihre Runden auf dem Autodromo im Königlichen Park von Monza drehen.

Das ist Bernie Ecclestone FOTO: AFP

In Italien ist der drohende Verlust des Rennens längst zum Politikum geworden - hinter den Kulissen wird um eine Lösung gerungen. "Ich habe über dieses Thema mit den hochrangigsten Vertretern des Landes, angefangen bei Ministerpräsident Matteo Renzi, gesprochen", sagte Giovanni Malago, Präsident des Olympischen Komitees von Italien (CONI): "Ich kann mir eine Formel 1 nicht vorstellen, die ihre Traditionsrennstrecken verliert."

Doch das Sterben der historischen Rennen innerhalb der Formel 1 ist schon lange Realität geworden. In Frankreich wird schon seit Jahren nicht gefahren, in dieser Saison auch nicht in Deutschland. Auch Silverstone in England oder das belgische Spa haben immer wieder Probleme, die hohen Kosten zu refinanzieren. Dafür bringt Ecclestone den PS-Zirkus in Länder wie Bahrain, Abu Dhabi, Singapur oder wie zuletzt für kurze Zeit nach Indien. Da gibt es zwar kaum Motorsport-Fans, aber dafür umso mehr Geld zu verdienen. 2016 findet erstmals ein Rennen in Aserbaidschan statt. Auch mit Katar laufen bereits Verhandlungen.

In Monza hat man die Hoffnungen dennoch (noch) nicht verloren. "Bisher hat Ecclestone nicht wirklich begriffen, wie wichtig Monza ist. Wir werden dafür sorgen, dass er es begreift", sagte Ivan Capelli, Aufsichtsratmitglied der Betreibergesellschaft SIAS und gab sich kämpferisch.

Formel 1: Der Rennkalender 2015 FOTO: AP, AP

Doch Ecclestone hat für Gefühlsduseleien nicht viel übrig - für den milliardenschweren ehemaligen Gebrauchtwagenhändler zählen nur die Einnahmen. "Man bezahlt für die Formel 1. Wieso sollte ich Monza bessere Konditionen bieten als zum Beispiel Spa. Jeder bezahlt gleich viel", sagte der Brite.

Bei vielen Teamchefs wird Ecclestone für seinen harten Verhandlungsstil bewundert, schließlich sorgt "Mr. E" so für die sprudelnden Millionen. Doch die Stimmen der Kritik mehren sich. "Man muss die Geschichte respektieren", sagte etwa Ex-Weltmeister und Rennlegende Jackie Stewart zuletzt. Traditionsstrecken sollten "immer im Kalender sein".

(sid)
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