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Formel-1-Frust in Italien
Vettel oder Ferrari – wer ist schuld?

Vettel schießt Rosberg nach dem Start in Malaysia ab
Vettel schießt Rosberg nach dem Start in Malaysia ab FOTO: afp
Sepang. Die Kollision mit Nico Rosberg und das frühe Aus in der ersten Kurve in Malaysia passen ins eher bescheidene Bild, das der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel und Ferrari in dieser Saison abgeben. In Italien werden die kritischen Stimmen immer lauter.

Am Tag danach gingen die italienischen Medien hart mit Sebastian Vettel ins Gericht. "Fest steht, dass Ferrari dringend einen erfolgreichen Piloten braucht", schrieb der "Corriere della Sera". Der "Corriere dello Sport" stellte ernüchtert fest, dass der viermalige Weltmeister einen Fehler nach dem anderen begehe: "Am Ende des Rennens sucht er dann Entschuldigungen, und das macht es noch schlimmer."

Keine Frage, dem einstigen Strahlemann der Formel 1 ist sein berühmtes Grinsen vergangen. "Sebastian lacht nicht mehr", titelte "La Repubblica" und stellte gleich mal die Schuldfrage: "Versenkt Maranello den bestbezahlten Piloten der Ferrari-Geschichte, oder hat Vettel sein Talent und seine Geschwindigkeit verloren?"

"Vettel ist verrückt"

In Sepang war diese Frage sehr eindeutig zu beantworten. Im Anflug auf die erste Kurve nach dem Start löste Vettel bei dem Versuch, Red-Bull-Youngster Max Verstappen mitten im Pulk erst außen und dann innen zu überholen, eine durchaus vorhersehbare Kettenreaktion aus, der er am Ende selbst zum Opfer fiel. "Vettel ist verrückt. Er ist in Rosberg reingeknallt wie ein Idiot", schimpfte der allerdings auch nicht gerade für seine rücksichtsvolle Fahrweise bekannte Verstappen.

Die Rennkommissare brummten Vettel als dem Verursacher der Kollision für den nächsten Grand Prix in Suzuka (Sonntag 7 Uhr MESZ/Live-Ticker) eine sogenannte Grid-Strafe auf, das heißt, der Heppenheimer wird unabhängig vom Ergebnis der Qualifikation in der Startaufstellung um drei Plätze nach hinten versetzt. Nur Vettel selbst sah die Schuldfrage nicht so eindeutig geklärt. Rosberg sei natürlich zu Recht auf seiner Linie geblieben, sei dann aber "leider früher auf der Bremse gewesen als wir dahinter".

Vettel fällt es häufig schwer, eigene Fehler öffentlich einzugestehen und Lehren daraus zu ziehen. Den Vorwurf, er könne nur mit Erfolg, nicht aber mit Misserfolg umgehen, hat er in dieser Saison jedenfalls einige Male bestätigt. "Es ist traurig zu sehen, dass er nicht die Verantwortung für seine Fehler übernimmt", schrieb der "Corriere dello Sport", und für "La Repubblica" ist Vettel "nicht wiederzuerkennen". 22 Grand Prix in Folge ohne Sieg seit September 2015 in Singapur - eine lange Durststrecke für einen, der die Formel 1 vier Jahre lang nach Belieben beherrschte.

Immerhin entschuldigte sich Vettel noch am Sonntagabend bei Rosberg, den die ungestüme Aktion mit einiger Sicherheit den Sieg gekostet hatte. "Sebastian hat mich angerufen und sich bei mir entschuldigt", berichtete Rosberg wenige Stunden nach dem Rennen in seiner obligatorischen Videobotschaft: "Das bringt mir zwar nicht die Punkte zurück, aber das war nett."

Große Fußstapfen

Sebastian Vettel hat bei der Scuderia noch einen Vertrag bis Ende 2017. Das ist nicht mehr allzu viel Zeit, um zu beweisen, dass er vielleicht doch der rechtmäßige Erbe des großen Michael Schumacher sein kann. Die Italiener haben ihren "Michele" geliebt, kein Wunder, brachte dieser doch einst mit deutscher Gründlichkeit den lange vermissten Erfolg zurück nach Maranello. Allerdings: Auch Schumacher musste erst vier erfolglose Jahre mit Ferrari überstehen, ehe er 2000 seinen ersten von fünf WM-Titeln in Rot gewann.

Fraglich ist, ob Vettel diese Zeitgutschrift auch bekommt. "Je mehr Red Bull wächst, desto grauer wird Sebastian", schrieb der "Corriere della Sera". Wo "Sebastian" draufsteht, ist halt nicht "Michele" drin.

(sid)
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