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Formel 1 in Belgien
Erst platzt Vettel der Reifen, dann der Kragen

Pressestimmen: "Rosberg verspielt Siegchancen am Start"
Pressestimmen: "Rosberg verspielt Siegchancen am Start" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO
Spa-Francorchamps. Sebastian Vettel schimpft nach dem Formel-1-Rennen in den Ardennen auf Hersteller Pirelli. Der Kampf um den Titel ist endgültig zum Zweikampf geworden zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg geworden. Von Eckhard Czekalla

Lewis Hamilton kletterte aus seinem Rennwagen, streichelte das Chassis und küsste es zärtlich. Es war ein perfektes Wochenende für den Formel-1-Fahrer - wieder einmal. Am Samstag hatte er in Spa-Fancorchamps zum zehnten Mal in dieser Saison den ersten Startplatz erobert. Gestern feierte er beim Großen Preis von Belgien seinen sechsten Saisonsieg. Nach elf der 19 Rennen führt Hamilton mit 227 Punkten vor seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg (199), der den zweiten Platz belegte.

Der Kampf um den Titel ist endgültig zum Zweikampf geworden, da Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel (160) in der vorletzten Runde der rechte Hinterreifen platzte und der Heppenheimer wenig später heftige Kritik an Hersteller Pirelli übte. Im Duell mit Verfolger Romain Grosjean noch Dritter, wurde er letztlich auf Rang zwölf gewertet und blieb ohne WM-Punkt, während der Franzose mit seinem Lotus erstmals seit 31 Rennen wieder einen Podestplatz erreichte.

Für Hamilton war es ein Rennen, in dem der Blick in den Rückspiegel nicht den Adrenalinspiegel steigen ließ. "Ich war nie in einer Situation, nervös zu werden", sagte der 30-Jährige. "Mein Vorsprung war stets komfortabel. Ich hatte immer die Kontrolle", ergänzte der Brite, der schnurstracks seinem dritten Titelgewinn entgegenfährt. Die Entscheidung in Spa war schon beim Start gefallen. "Den habe ich versemmelt", gab Nico Rosberg zu. Die Rolle des Herausforderers konnte der werdende Vater nicht spielen. Von Platz zwei auf Rang fünf nach der ersten Kurve zurückgefallen - das war nicht gut. Erstmals mussten die Fahrer am Start ohne Hilfe von der Box auskommen. "Ich habe zwar viel geübt, aber es hat offensichtlich nicht gereicht", gab der Vizeweltmeister zu. Im Qualifying - im vergangenen Jahr noch seine Stärke - liegt Rosberg mit 1:10 zurück, im Rennen lautet die Bilanz nun 3:8.

Das Thema nach dem Rennen war aber nicht Rosbergs schlechter Start. Auch nicht das Pech von Nico Hülkenberg. Der Mercedes-Antrieb im Force India des Emmerichers hatte schon in der Einführungsrunde nicht die volle Leistung gebracht. Dennoch versuchte das Team den Start, bei dem Hülkenberg aber erst gar nicht in Schwung kam. Was möglich gewesen wäre, zeigte Teamkollege Sergio Perez. Der Mexikaner wurde Fünfter.

Für Gesprächsstoff sorgte Vettels Ausfall. Der Heppenheimer, der sich sein 150. WM-Rennen anders vorgestellt hatte, nahm sich Reifenlieferant Pirelli zur Brust. Dabei ärgerten ihn zwar auch der Ausfall und damit der Verlust von einem Podestplatz und Punkten, doch entsetzt war er über etwas anderes. "Wenn das 200 Meter vorher passiert, knalle ich mit Tempo 300 in die Wand. Dann würde ich jetzt nicht hier stehen. Ich weiß wirklich nicht, wie so etwas sein kann. Die Qualität der Reifen ist miserabel", giftete der viermalige Champion. Die Scuderia bestritt in Spa ihren 900. Grand Prix, hatte aber keinen Grund zu feiern. Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen blieb als Siebter eher unauffällig.

Reifenlieferant Pirelli schob den Schwarzen Peter an Ferrari zurück. Man habe den Teams gesagt, dass Spa ein Rennen für zwei oder drei Stopps sei, betonte Pirelli-Sportchef Paul Hembery. "Ferrari hat es mit einem Stopp versucht, doch das Risiko hat sich nicht ausgezahlt. Wenn es klappt, ist es genial. Diesmal sind sie leider zu weit gegangen."

Die Antwort lässt Vettel nicht gelten. "Man hat uns gesagt, der Reifen hält 40 Runden. Wir waren, glaube ich, knapp 30 Runden damit unterwegs", sagte der viermalige Champion. "Ich war nicht neben der Strecke. Der Reifen ist ohne Vorwarnung geplatzt. Das ist jetzt das zweite Mal dieses Wochenende passiert. Bei Nico war es auch so", meinte Vettel.

Bei Rosberg war am Freitagnachmittag ebenfalls wie aus dem Nichts der rechte Hinterreifen "explodiert". Der Mercedes-Fahrer kann Vettels Kritik verstehen. "Wir haben beide Riesenglück gehabt. Das darf nicht passieren, dass die Reifen ohne Vorwarnung platzen", betonte der 30-Jährige. Auf Schuldzuweisungen verzichtete er aber.

Nico Rosberg wollte nur weg aus Belgien. Das hatte aber nichts mit der erneuten Niederlage zu tun. "Wir erwarten unser erstes Kind jeden Moment", sagte er und machte sich auf zu Ehefrau Vivien nach Monte Carlo. Gerade noch rechtzeitig, ehe es in den Ardennen zu regnen begann.

Quelle: RP
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