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Formel 1
Vettel schimpft über Quali-Modus: "Das ist Quark"

Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister
Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister FOTO: dpa, pst jai nic
Sakhir. Im Eiltempo hat sich die Formel 1 mit ihrem jüngsten Schlingerkurs unter Druck gesetzt. Das Hin und Her in Sachen Qualifikationsmodus dürfte den Fahrern nicht gefallen haben – das Ergebnis noch weniger: In Bahrain wird wieder im ungeliebten Format gefahren.

Sebastian Vettel versuchte es mit einem interessanten Vergleich. "Es ist, als ob man Eis verkauft, Vanilleeis. Jeder, der in deinen Laden kommt, fragt aber nach Schokoeiscreme. Am nächsten Tag machst du den Laden wieder auf, verkaufst aber weiter kein Schokoeis, sondern wieder Vanille", sagte der Star des italienischen Ferrari-Teams am Donnerstag im Motorhome seines Arbeitgebers. Was Vettel launig formulierte, war nichts anderes als das pure Unverständnis vor allem der Hauptdarsteller, sprich Fahrer, für den erneuten Versuch mit dem eigentlich bereits durchgefallenen neuen Qualifikationsmodus in der Formel 1.

"Wenn alle gegen etwas sind, es aber dann doch beibehalten wird, läuft irgendwas nicht richtig", betonte der viermalige Weltmeister. Das neue Format, das in Melbourne statt für große Action in den Schlussminuten für Langeweile gesorgt hatte, sei "Quark", so der 28-Jährige vor dem Großen Preis von Bahrain.

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Auf dem Kurs in der Wüste von Sakhir trägt die Motorsport-Königsklasse ihre K.o.-Runden am Samstag auf Bewährung aus. "Unser Sport steht diesbezüglich unter Beobachtung", betonte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Das bedeutet: Sind wieder keine Fahrer genau dann auf der Strecke, wenn es eigentlich am spannendsten sein sollte, dürfte das neue Format nach zwei Versuchen wieder Geschichte sein.

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"So ist die Formel 1: Es gibt keinen klaren Weg. Es geht mal so, mal so", meinte Dreifach-Champion Lewis Hamilton von Mercedes. Noch in Melbourne hatten sich die Teams für die Rückkehr zum alten Modus ausgesprochen. Mercedes-Teamaufseher Niki Lauda nannte die Neuerung kurzerhand einen "Griff ins Klo". Red-Bull-Teamchef Christian Horner entschuldigte gar sich für die Farce, als in den letzten drei Minuten keiner der vier noch übrig gebliebenen Fahrer Hamilton, Nico Rosberg (beide Mercedes), Vettel und Kimi Räikkönen (beide Ferrari) mehr auf die Strecke in Melbourne fuhr.

Das Problem am neuen Modus: "Wenn man mehr Reifen zur Verfügung hätte, würde man auch mehr auf der Strecke sein", erklärte Hamilton. Frische Gummis fürs Rennen sind demnach wichtiger als Platz 1 oder 2 in der Startaufstellung. Beim Flutlichtspektakel in Bahrain wird das erst recht nicht anders sein. Der Kurs in der Wüste von Sakhir gilt als äußert strapaziös für die Reifen. Hinzu kommt der Sand, der auf den Kurs geweht wird, und den sogenannten Grip beeinträchtigt. Wer also mit den Reifen schlecht haushaltet, wird Probleme bekommen. Egal, ob mit altem oder neuem Qualifikationsformat.

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Spannend ist die Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass es nach der Posse von Melbourne doch noch einen Versuch gibt. "Es war ziemlicher Mist", hatte Bernie Ecclestone zunächst gesagt. Nach der Sitzung der F1-Kommission teilte der Formel-1-Geschäftsführer dann aber mit: "Sie werden meinem Vorschlag folgen." Sprich: Noch mal dasselbe, bitte.

Danach solle der Ablauf erneut analysiert und dann entschieden werden, ob es das richtige oder das falsche Format sei, ob es noch einmal modifiziert oder wieder "verschrottet" werden müsste, meinte Ecclestone. Bis zum nächsten Rennen - dem Großen Preis von China - sind dann wieder zwei Wochen Zeit.

Bei der jüngsten Kommissions-Sitzung soll einem Bericht des Magazins "auto, motor und sport" zufolge der Weltverband den Teams das Verbleiben beim neuen oder ein wieder leicht modifiziertes Format angeboten haben. Daraufhin sollen Red Bull, Toro Rosso, McLaren und Williams aus Prinzip gegen eine Abkehr vom neuen Modus gestimmt haben. Das Quali-Format von 2015 soll gar nicht zur Auswahl gestanden haben.

 

(areh/dpa)
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