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Wieder größeres Fahrerfeld?
Formel 1 sucht mitten in der Krise nach neuen Rennställen

GP von Monaco 2015: die Grid-Girls und ein Mann
GP von Monaco 2015: die Grid-Girls und ein Mann FOTO: dpa
Montreal. Viele Rennställe kämpfen ums finanzielle Überleben, trotzdem sucht die Formel 1 überraschend nach neuen Teams. Die Diskussion um reine Kundenteams erhält dadurch neues Futter.

Unter 100 Millionen Euro pro Saison geht gar nichts. Mit einem Bewerberverfahren öffnet sich die kriselnde Formel 1 etwas überraschend zwar für ein weiteres Team, doch die Anzahl der Kandidaten mit den nötigen Ressourcen ist mehr als überschaubar. Im Schatten der Branchenriesen Mercedes und Ferrari kämpfen die kleinen Rennställe schon jetzt ums nackte Überleben, trotzdem wünscht sich die Königsklasse des Motorsports wieder ein größeres Starterfeld.

"Mit Blick auf die Nachhaltigkeit und den künftigen Erfolg der Formel-1-WM hat die FIA einen neuen Selektionsprozess eröffnet, um einen Kandidaten für die Teilnahme ab 2016 oder 2017 zu finden", heißt es in einer Pressemitteilung vor dem Großen Preis von Kanada am Sonntag: "Die langfristigen Interessen der Meisterschaft werden darüber entscheiden, welcher Kandidat ausgewählt wird."

Weiteren Teams droht das Aus

Nach dem Ausstieg von Caterham im Vorjahr sind aktuell nur noch zehn Teams mit 20 Autos am Start, weiteren Hinterbänklern droht der finanzielle Kollaps. Lotus, Force India, Sauber oder auch Manor befinden sich fast schon traditionell in unterschiedlich großen Schwierigkeiten. Experten halten ein mehr oder weniger schnelles Aus für durchaus möglich - damit würde das Feld im Rückspiegel von Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Co. noch mehr schrumpfen und das Ansehen der Formel 1 weiter sinken.

Immerhin stoßen im kommenden Jahr die Amerikaner von Haas F1 neu dazu, doch das allein scheint dem Automobil-Weltverband nicht zu reichen. Die FIA fordert Interessenten auf, sich bis zum 1. September um eine Teilnahme zu bewerben. Wer den Zuschlag für den PS-Zirkus erhält, soll bis zum 30. September entschieden werden.

Die Hürden sind enorm hoch. Außer der Verfügbarkeit von technischen Mitteln und erfahrenem Personal muss nachgewiesen werden, ob die Investitionen ausreichen, um langfristig konkurrenzfähig zu sein. Das kann eigentlich nur ein Automobil-Hersteller leisten - oder ein motorsportverrückter Milliardär wie Gene Haas. Zumindest bei den Konstrukteuren scheint es keinerlei Ambitionen zu geben. Audi-Chef Rupert Stadler hat beispielsweise unlängst erklärt, mit seinem Unternehmen nicht einsteigen zu wollen.

Pressestimmen: "Das war mal Alonsos Rennwagen" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Gerade bis zur kommenden Saison ist es ohnehin völlig unmöglich, einen Rennstall aus dem Boden zu stampfen. Zur Entwicklung eines eigenen Wagens bleibt keine Zeit, außerdem ist allein eine dreistellige Millionensumme nötig, um die Infrastruktur zu schaffen. Frühestens 2017 scheint das realistisch.

Deswegen rücken die Kundenteams wieder in den Fokus. Bislang widersprach es dem Naturell der Formel 1, dass führende Hersteller wie Mercedes oder Ferrari einzelnen Teams ganze Autos zur Verfügung stellen. Die Rennserie zeichnete sich stets durch jeweils selbst entwickelte Wagen aus.

Nun gibt es wilde Spekulationen, dass sich das womöglich ändern könnte. Das französische GP2-Team ART Grand Prix soll Interesse an einem Einstieg haben und könnte laut Insidern als B-Team von McLaren-Honda mit deren Technik an den Start gehen. Das wurde jedoch umgehend dementiert. "Wir haben keine derartigen Pläne, und es gab auch keinerlei Diskussionen darüber", sagte ein McLaren-Sprecher britischen Medien.

Sollte sich kein geeigneter Interessent finden, wird sich ohnehin gar nichts ändern. "Für den Fall, dass es Interessenten gibt, müssen wir aber die notwendigen Prozeduren schaffen. Das haben wir getan", sagte Weltverbands-Sprecher Matteo Bonciani bei auto, motor und sport: "Die FIA ist froh über neue Teams."

(sid)
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