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Formel-1-Fahrer
"Vereinigte Windbeutel" wollen mehr Mitsprache

Formel 1: "Vereinigte Windbeutel" wollen mehr Mitsprache
Die Fahrer vereint beim Abendessen FOTO: Twitter/Pascal WEhrlein
Die Formel-1-Piloten haben von der Krise der Rennserie genug und wollen künftig mehr mitentscheiden. Bernie Ecclestone nervt das.

Nur als es ans Bezahlen ging, war es kurz mit der neuen Solidarität der Formel-1-Piloten vorbei. "Am Ende hatten wir 17 Rechnungen. Das war das Lächerlichste, was ich je gesehen habe", spottete Weltmeister Lewis Hamilton am Donnerstag nach dem gemeinsamen Abendessen der Fahrer in Shanghai. Der Brite hatte das Treffen vor dem Großen Preis von China organisiert, die prominente Runde setzte damit auch ein weiteres Zeichen der Einheit im Ringen um mehr Mitbestimmung in der dauerkriselnden Rennserie.

"Die vereinigten Windbeutel", twitterte WM-Spitzenreiter Nico Rosberg in Anspielung auf eine abwertende Äußerung von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone nach dem jüngsten Aufbegehren der Steuerkünstler. Der Rechtevermarkter mag es überhaupt nicht, dass die Fahrer sich plötzlich energisch in die Debatte um die zukünftige Richtung des rasenden Zirkus einschalten. "Man sollte ihnen nicht mal erlauben zu reden", hatte Ecclestone jüngst gepoltert.

Formel 1: Die Quali-Duelle 2016 FOTO: afp, ww/DD/ia

Doch die aktuelle Piloten-Generation um ihre Klassensprecher Sebastian Vettel und Jenson Button will sich den Mund nicht verbieten lassen. Ferrari-Star Vettel kritisiert schon lange, dass politische Ränkespiele und ein hochkomplexes Regelwerk dem Sport Schaden zufügen würden. "Wir sollten die Formel 1 einfacher machen, roher und wilder", forderte der Hesse. Tollkühne Männer in spektakulären Maschinen - darauf würde Vettel die Formel 1 am liebsten reduziert sehen. "Wenn man zurückschaut, sollte klar sein, was man beibehalten oder wohin man zurückkehren muss", sagte Vettel.

Lewis Hamilton: Doppel-Weltmeister, Scherzinger-Freund, Mercedes-Pilot FOTO: dpa, Thomas Frey

Das jüngste Debakel um das neue Format der Qualifikation bewies das Gegenteil. Und als nach dem Saisonauftakt in Australien schnell klar war, dass der veränderte Modus nicht funktionierte, brauchte es wegen einiger Machtspiele noch einmal ein Rennen, ehe die Rückkehr zum alten Format beschlossen wurde.

Dass nun am Samstag in China wieder mit dem Vorjahressystem gefahren wird, verbuchte Rosberg auch als kleinen Sieg der Fahrer. "Am Ende fahren wir die Autos, und wir wissen am besten, was wir brauchen, um es noch aufregender zu machen", betonte der 30-Jährige. Bernie Ecclestone darf sich demnach auf weitere Einmischung der Piloten ins Tagesgeschäft wie jüngst bei einem offenen Brief der Fahrervereinigung gefasst machen.

"Der Brief hat gezeigt, dass wir alle zusammenstehen, uns Veränderungen wünschen und Druck machen", sagte Formel-1-Neuling Pascal Wehrlein. Von Ecclestones Hohn will sich auch der gerade erst in die Motorsport-Elite aufgestiegene Manor-Pilot nicht beirren lassen. "Ich glaube schon, dass wir weitere Aktionen und Treffen organisieren werden", sagte Wehrlein. Es wirkt gerade so, als wollten die Piloten der Formel 1 sich ihren Arbeitsplatz der Zukunft nicht mehr von alten Männern diktieren lassen.

Nach seiner Zwangspause in Bahrain erhielt McLaren-Pilot Fernando Alonso für das Rennen in China derweil eine vorläufige Starterlaubnis von den Rennärzten. Die Mediziner gaben nach einer Untersuchung in Shanghai am Donnerstag Grünes Licht für eine Teilnahme des Spaniers am Grand-Prix-Wochenende, forderten aber weitere Tests nach dem Auftakttraining am Freitag. Alonso hatte bei einem spektakulären Crash beim Saisonauftakt in Melbourne einen Rippenbruch erlitten und deshalb beim Rennen in Bahrain vor knapp zwei Wochen aussetzen müssen. Anstelle des zweimaligen Weltmeisters fuhr dort der Belgier Stoffel Vandoorne und wurde Zehnter.

(are/seeg/dpa)
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