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Breiter, schneller, aggressiver
Formel 1 verschreibt Vettel und Co. eine Macho-Kur

Fotos: Vettel setzt bei Testfahrten die erste Bestzeit
Fotos: Vettel setzt bei Testfahrten die erste Bestzeit FOTO: dpa, jbu nic
Hamburg. Die Formel 1 will wieder spektakulärer werden und verordnet sich für die Saison 2017 eine Macho-Kur.

Breiter, schneller, aggressiver: Die Formel 1 verordnet sich in der Krise eine Macho-Kur und will dadurch wieder spektakulärer werden. Für die Saison 2017 beschloss die Königsklasse zahlreiche Regeländerungen, um die Fans mit "aufregenderen Autos" wieder mehr zu begeistern, wie der Automobil-Weltverband FIA mitteilte.

Um die Show zu verbessern, werden die Boliden von Ferrari-Star Sebastian Vettel und Co. ab dem nächsten Jahr deutlich breiter - zwei anstatt der bisherigen 1,80 Meter. Der Heckflügel soll 20, der Frontflügel 15 Zentimeter wuchtiger werden. Zudem soll Einheitslieferant Pirelli deutlich spektakulärere Reifen produzieren. Die Pneus wachsen in der Breite hinten auf 40,5 Zentimeter (bisher 32,5) und vorne auf 30,5 anstatt 24,5 Zentimeter an. Zudem wird der Heckflügel um 15 Zentimeter abgesenkt.

All das soll zu einem deutlich aggressiveren Look führen und die Autos um drei bis vier Sekunden pro Runde schneller machen, obwohl das Mindestgewicht der Rennwagen von 702 auf 722 Kilogramm steigt. Zudem tüftelt eine Arbeitsgruppe weiter daran, dass die Hybrid-Motoren deutlich lauter werden.

Damit hat sich offenbar Vettels Rennstall Ferrari in den zentralen Streitpunkten um die Zukunft der Formel 1 durchgesetzt. "Eine einfache Evolution ist nicht genug", hatte Teamchef Maurizio Arrivabene schon im vergangenen Jahr gefordert und mit einer entsprechenden Designstudie für Aufsehen gesorgt, "wir brauchen eine echte Revolution mit radikalen Neuerungen: mehr Power und höhere Geschwindigkeit."

"Wie eine Heavy-Metal-Band"

Der 58-Jährige will wieder "Autos sehen, mit denen man die Fans gewinnen kann. Autos, die eine Lautstärke produzieren, die Gänsehaut verursacht. Wie bei einer Heavy-Metal-Band." Endgültig beschlossen werden soll das sportliche und technische Reglement für 2017 von der Formel-1-Kommission bis zum 30. April, der FIA-Weltrat muss die Entscheidungen dann noch absegnen.

Dass der PS-Zirkus in der Krise steckt und Veränderungen im Kampf um die Gunst der Zuschauer dringend notwendig sind, machte gerade erst Chefpromoter Bernie Ecclestone deutlich. "Die Formel 1 ist so schlecht wie nie zuvor", sagte der 85-Jährige unter der Woche und giftete weiter: "Die Formel 1 ist voraussehbar. Ich würde mein Geld nicht ausgeben, um mit meiner Familie ein Rennen anzusehen - ausgeschlossen."

Alle im Fahrerlager sind sich eigentlich einig, dass die Formel 1 Veränderungen braucht - nur bei der Umsetzung gibt es natürlich Streit. Und wie immer in der Formel 1 geht es dabei um Macht und Eitelkeiten. So monierte Weltmeister Lewis Hamilton, dass die Fahrer bei Reformen zu wenig angehört würden. "Nur wir wissen, wie es sich im Auto anfühlt, was funktioniert und was nicht", sagte der Mercedes-Star und wünscht sich die guten alten Zeiten mit ordentlich Lärm, Gestank und bebendem Asphalt zurück. "Mir gefallen die aktuellen Autos nicht", sagte Hamilton laut des Fachmagazins "auto, motor und sport", er "habe kürzlich ein Foto von einem alten Rennwagen gesehen, ich glaube es war ein Ferrari der 80er Jahre. Niedrige Seitenkästen, Zwölfzylinder, fette Schlappen. Das war's."

(ems/sid)
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