| 11.47 Uhr

GP von Australien
Vettel durfte nur rund 20 Runden vom Coup träumen

Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister
Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister FOTO: dpa, pst jai nic
Melbourne . Sebastian Vettel und Ferrari hatten in Melbourne fast schon den Sieg vor Augen, doch eine falsche Entscheidung bei der Reifenwahl spielte Gegner Mercedes in die Karten. Dennoch machte das Rennen auch Hoffnung.

Sebastian Vettel schien ganz kurz zu überlegen, dann gab er der kleinen Trophäe auf dem Podium von Melbourne doch einen flüchtigen Kuss. Der Ferrari-Pilot freundete sich mit dem dritten Platz beim Saisonauftakt an, doch Wehmut war trotzdem angesagt. Mit einer falschen Taktik hatte Ferrari beim Großen Preis von Australien die Chance auf den Sensationssieg vor Mercedes weggeworfen.

"Wenn du den Sieg schon riechen kannst", sagte Vettel später schmunzelnd, "dann ist es natürlich sehr bitter." Zumindest über 20 Runden roch es in der Tat nach einer Überraschung, Ferrari hatte nach einem schwachen Start des Mercedes-Duos Lewis Hamilton und Nico Rosberg eine Doppelführung inne.

Vettel und sein Teamkollege Kimi Räikkönen "konnten die Geschwindigkeit vorgeben. Das waren doch sehr gute Nachrichten", sagte Vettel. Mercedes hatte in dieser Phase kein Mittel gegen die Roten. Dann kam jedoch ein schwerer Unfall von Fernando Alonso im McLaren und Haas-Pilot Esteban Gutierrez dazwischen, bei dem beide unverletzt blieben.

Das Rennen musste für Aufräumarbeiten unterbrochen werden, der Vorsprung war dahin, und es folgte ein verhängnisvolle Entscheidung: Vettel blieb auf den schnell abbauenden Supersoft-Reifen, Verfolger Rosberg zog harte Mediums auf und konnte ohne weiteren Stopp durchfahren. Vettels Pneus gaben bald auf, beim folgenden Boxenstopp fiel er hinter die Silberpfeile zurück.

"Rückblickend hätten wir wohl eine andere Strategie wählen sollen", sagte Vettel, "aber im Nachhinein ist es immer einfach. Zu dem Zeitpunkt waren wir davon überzeugt. Die Reifen sind früher eingebrochen als erwartet."

Ärger also über die vergebene Chance, aber auch Verwunderung darüber, dass diese sich überhaupt aufgetan hatte - darum ging es nach dem Rennen auch in den großen italienischen Zeitungen. "In Australien dominieren die Mercedes-Boliden, doch der Wind hat sich gedreht", schrieb der Corriere dello Sport: "Ferrari hat einen deutlichen Schritt gemacht, aber die Kluft zu Mercedes ist alles andere als überwunden."

Für Tuttosport ist "die Mercedes-Dominanz gebrochen. Vor wenigen Monaten wäre das noch undenkbar gewesen: Ferrari hat die ersten Runden voll dominiert." Dass Mercedes nun als Branchenführer abgelöst wird, davon geht auch in Italien niemand aus, aber das Rennen in Melbourne wird als positives Signal gewertet - Sebastian Vettel erklärte, warum das so ist.

"Melbourne war noch letztes Jahr eine unserer schlechtesten Strecken, und jetzt konnten wir uns wirklich sehen lassen", sagte der 28-Jährige: "Das Auto ist noch nicht ganz da, wo wir es haben wollen. Aber es bietet uns viel Potenzial." Man darf gespannt sein auf die kommenden Rennen.

(sid)
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