| 07.09 Uhr

Formel 1
Ferrari lässt Vettel erneut im Stich

Großer Preis von Japan 2017: das Rennen
Großer Preis von Japan 2017: das Rennen FOTO: afp
Suzuka . Den wohl entscheidenden Triumphzug von Lewis Hamilton wollte Sebastian Vettel nicht mit ansehen. Schon wieder geschlagen vom eigenen Ferrari, saß der Deutsche längst im Hotel, als sein Rivale den Sieg beim Großen Preis von Japan andächtig feierte.

Hamilton ging vor seinem Mercedes auf die Knie, streichelte den Boliden und legte seine Stirn darauf. Er wusste in diesem Moment, dass der Titel ihm kaum noch zu nehmen ist. Schon in zwei Wochen beim Grand Prix in Austin kann Hamilton sich zum Weltmeister krönen: "Ich konnte nur davon träumen, in dieser Saisonphase so einen Vorsprung in der WM-Wertung zu haben."

Grund dafür ist Vettels schier unglaubliche Pechsträhne der vergangenen drei Wochen. In Suzuka musste er seinen Ferrari nun schon in der vierten Runde abstellen, ein Problem mit der Zündkerze brachte ihn dieses Mal um jede Chance. "Die Enttäuschung ist riesengroß", sagte der 30-Jährige: "Wir haben alles Mögliche versucht, das Auto aufzuwecken, aber es ging nicht."

Auf den Tag genau 17 Jahre nach Michael Schumachers erstem Titelgewinn mit Ferrari am 8. Oktober 2000 litt die Scuderia an längst überwunden geglaubten Problemen. Die Unzuverlässigkeit des roten Autos entscheidet in diesem Jahr den WM-Kampf.

Hamilton gewann vor dem Red-Bull-Duo Max Verstappen (Niederlande) und Daniel Ricciardo (Australien), der Brite geht mit einem Vorsprung von 59 Punkten auf Vettel in die letzten vier Saisonrennen. Holt er in den USA 16 Punkte mehr als der Ferrari-Pilot, dann ist der Titelkampf entschieden.

Auch für die übrigen Deutschen war es ein verlorener Tag. Nico Hülkenberg (Emmerich) im Renault schied ebenfalls aus, Sauber-Pilot Pascal Wehrlein (Worndorf) wurde 15. und damit Letzter.

Trost für Vettel kam vor allem vom Gegner. "Ich rechne immer mit ihm und Ferrari. Gewonnen ist erst, wenn man den Titel in der Hand hat", sagte etwa Niki Lauda, Aufsichtsratschef beim Mercedes-Team. Für die italienische Presse ist das WM-Jahr dagegen gelaufen. "Ferrari hat sich in Asien verloren", schrieb der Corriere della Sera: "Der WM-Traum ist endgültig auf 2018 verschoben."

Asientour wird zum Albtraum

In der Tat machte sich Ferrari auf der Asientour alles kaputt, was sich der Rennstall zuvor mühsam und beachtlich aufgebaut hatte. In Singapur war Vettel vor drei Wochen als Pole-Setter durch einen unnötigen Startunfall ausgeschieden - dieses Rennen hätte er wohl gewonnen. Vor einer Woche warfen ihn in Malaysia Antriebsprobleme im Qualifying ans Ende des Feldes zurück - auch in Sepang hätte Vettel gewinnen können.

Wie in Suzuka, wo der Hesse auf dem zweiten Startplatz hinter Hamilton stand - und schon wieder brach Hektik bei der Scuderia aus. Kurz vor Rennbeginn wurde gewerkelt, die Zündkerze, ein Zuliefererteil, war das Problem. "Schon am Start hatte ich keine Leistung, sonst wäre ich vorbeigekommen", sagte Vettel. Auf der ersten Runde hatte er dann keine Chance, die Verfolger um Verstappen hinter sich zu halten. Auf den Geraden fehlte Geschwindigkeit, die Konkurrenz zog locker vorbei, und bald kam die Anweisung über Funk: "Sebastian, es geht nicht mehr weiter."

Noch eine ganze Weile saß der Deutsche anschließend resignierend in seinem Boliden, während das Team bereits die Motorabdeckung des SF70H entfernte. Anschließend redete Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene auf Vettel ein, umarmte ihn, doch der gefallene Mitfavorit zuckte nur mit den Schultern. "Wir sind alle am Limit, manchmal gehen Dinge halt kaputt", sagte er wenig später.

Über Konsequenzen innerhalb des Teams wollte Vettel in Suzuka noch nicht sprechen: "Das ist Quark, die Jungs sind alle voll motiviert. Aber manchmal trifft es einen halt." Manchmal trifft es einen auch dreimal in Folge. Und dann sind die WM-Chancen schnell dahin.

(can/sid)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Großer Preis von Japan 2017: Sebastian Vettel vom Ferrari im Stich gelassen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.