Formel-1-Saisonfinale in Brasilien: Hamilton in der Ferrari-Zange
zuletzt aktualisiert: 20.10.2007 - 19:00Interlagos (RPO). Ferrari-Pilot Felipe Massa steht beim Formel-1-Saisonfinale in Brasilien auf der Pole Position. Von Startplatz zwei startet der WM-Führende Lewis Hamilton (McLaren), dahinter stehen die beiden anderen WM-Kandidaten Kimi Räikkönen (Ferrari) und Fernando Alonso (McLaren).
Hamilton reicht am Sonntag (18 Uhr MESZ/LIVE!-Ticker) bereits ein zweiter Rang, um sich zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten zu krönen. Die letzte Pole Position des Jahres sicherte sich Lokalmatador Felipe Massa (Brasilien). Der Ferrari-Pilot verwies Hamilton unter dem Jubel seiner Landsleute um einen Wimpernschlag auf den zweiten Platz.
Der Finne Kimi Räikkönen wurde im Ferrari Dritter, Weltmeister Fernando Alonso (Spanien) musste sich im McLaren-Mercedes mit Platz vier zufrieden geben. Hamilton führt die WM-Wertung mit vier Punkten Vorsprung vor seinem Teamkollegen Alonso an. Räikkönen geht bei sieben Zählern Rückstand auf den Briten als Außenseiter in das spannendste Finale seit 21 Jahren.
Um ein Haar wäre Hamiltons Traum vom Titel schon vor dem großen Showdown geplatzt. Wegen eines Regelverstoßes im freien Training, in dem der Brite mit einem Satz Regenreifen zuviel gefahren war, wurde McLaren zu einer Geldstrafe von 15.000 Euro verurteilt. Zudem steht Hamilton am Wochenende ein Satz Reifen weniger zur Verfügung. Damit sind die Silberpfeile nochmal mit einem blauen Auge davongekommen. Schmimmstenfals hätte Hamilton um zehn Startplätze zurückversetzt werden können.
"Solche Dinge passieren halt", sagte Hamilton. Aber wie konnte es überhaupt zu dieser Reifenpanne kommen? "Wir sind rausgefahren, damit ich die Strecke studieren kann, denn ich war zuvor noch nie hier, und dabei ist uns ein kleiner Fehler unterlaufen: Wir haben den ersten Satz Regenreifen abgenommen, einen anderen montiert und sind wieder rausgefahren. Das kann schnell mal passieren." Nicht auszudenken, wenn dem Team dieser Fehler bei Alonso unterlaufen wäre, dann hätten viele sofort Absicht unterstellt.
Hinter den Kulissen reißen die Spekulationen um Alonsos Zukunft nicht ab. Der Vertrag des Spaniers bei McLaren-Mercedes läuft noch bis zum Saisonende 2009, der Spanier scheint nach seinem Verhalten in der Spionage-Affäre aber nicht länger tragbar. Nachdem er ein Traumangebot von Toyota über angeblich 40 Millionen US-Dollar pro Saison abgelehnt hat, gilt eine Rückkehr zu Renault als sicher.
Alonso selbst schürte die Gerüchte in Sao Paulo weiter: "Meine erste Option ist es, bei McLaren zu bleiben, denn ich habe ja einen Vertrag", sagte der 26-Jährige dem italienischen Fernsehsender Sky. Angeblich prüfen die Anwälte aber seit Wochen Möglichkeiten einer vorzeitigen Vertragsauflösung.
Sollte Alonsos Teamkollege Hamilton am Sonntag Weltmeister werden, scheint der Abschied des Spaniers beschlossen, dann wäre er auch offiziell nur die Nummer zwei des Teams und hätte wohl keine Zukunft mehr.
Schnellster der fünf deutschen Fahrer war der Mönchengladbacher Nick Heidfeld auf Rang sechs. Der BMW-Sauber-Pilot steht als Fünfter der WM-Wertung schon vor dem Finale als "Best of the Rest" fest - also als erster Verfolger des Spitzen-Quartetts von Ferrari und McLaren-Mercedes. Nico Rosberg (Wiesbaden) belegte im Williams Position zehn.
Sebastian Vettel (Heppenheim), der zuletzt mit dem vierten Rang in Schanghai für Furore gesorgt hatte, fuhr im Toro-Rosso-Ferrari auf Position 13. Ralf Schumacher steht im Abschiedsrennen für Toyota nur auf dem 15. Platz. Der Kerpener glaubt weiter an seine Zukunft in der Königsklasse, was inzwischen von vielen Experten bezweifelt wird. "Warum will er sich das antun? Er hat genug Geld verdient", sagte der ehemalige Formel-1-Pilot Marc Surer am Premiere-Mikrofon.
Adrian Sutil aus Gräfelfing kam im Spyker-Ferrari nicht über den 21. und vorletzten Platz hinaus. Der Rennstall wird 2008 unter einem anderen Namen fahren: Force India F1. Das war nach dem Verkauf durch den niederländischen Sportwagenbauer Spyker an ein Konsortium der Familie des ehemaligen Spyker-Geschäftsführers Michiel Mol und den indischen Milliardär Vijay Mallya erwartet worden.
Dadurch soll der indische Einfluss im Team gestärkt werden. Spyker gilt nach wie vor auch als eine mögliche Alternative für Ralf Schumacher, der in Sao Paulo sein letztes Rennen für Toyota fährt.
Formel 1, Großer Preis von Brasilien, 17. und letzter Lauf zur Weltmeisterschaft in Sao Paulo, Startaufstellung (eine Runde = 4, 309 km):
1. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 1:11,931 Minuten
2. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1:12,082
3. Kimi Räikkönen Räikkönen (Finnland) Ferrari 1:12,322
4. Fernando Alonso (Spanien) McLaren-Mercedes 1:12,356
5. Mark Webber (Australien) Red-Bull-Renault 1:12,928
6. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) BMW-Sauber 1:13,081
7. Robert Kubica (Polen) BMW-Sauber 1:13,129
8. Jarno Trulli (Italien) Toyota 1:13,195
9. David Coulthard (Großbritannien) Red-Bull-Renault 1:13,272
10. Nico Rosberg (Wiesbaden) Williams-Toyota 1:13,477
11. Rubens Barrichello (Brasilien) Honda 1:12,932
12. Giancarlo Fisichella (Italien) Renault 1:12,968
13. Sebastian Vettel (Heppenheim) Toro-Rosso-Ferrari 1:13,058
14. Vitantonio Liuzzi (Italien) Toro-Rosso-Ferrari 1:13,251
15. Ralf Schumacher (Kerpen) Toyota 1:13,315
16. Jenson Button (Großbritannien) Honda 1:13,469
17. Heikki Kovalainen (Finnland) Renault 1:14,078
18. Takuma Sato (Japan) Aguri-Honda 1:14,098
19. Kazuki Nakajima (Japan) Williams-Toyota 1:14,417
20. Anthony Davidson (Großbritannien) Aguri-Honda 1:14,596
21. Adrian Sutil (Gräfelfing) Spyker-Ferrari 1:15,217
22. Sakon Yamamoto (Japan) Spyker-Ferrari 1:15,487
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