Formel 1 in Südkorea: In Yeongam regiert das Chaos
zuletzt aktualisiert: 25.10.2010 - 12:48Yeongam (RPO). Michael Schumacher wartete mit heruntergelassenem Rennoverall in der Box, Sebastian Vettel stand unter einem Regenschirm und diskutierte mit seinen Mechanikern. Der Dauerregen in Yeongam und der nahende Sonnenuntergang sorgten rund um die Strecke für Hektik und Abbruch-Forderungen.
Das erste Formel-1-Rennen in Südkorea erlebte nach all dem Chaos auch einen unvergesslichen Renn-Sonntag mit insgesamt 24 Safety-Car-Runden. Vor Wochen hätte das Rennen nach den Regeln abgesagt, nun beinahe abgebrochen werden müssen. Nicht nur wegen des Regens, sondern auch wegen der Dunkelheit, die wenige Minuten nach dem Zieleinlauf einbrach.
"Das sind die schlimmsten Bedingungen, die ich je erlebt habe", sagte der zweimalige Weltmeister und spätere Sieger Fernando Alonso nach den ersten Umläufen hinter dem vom Deutschen Bernd Mayländer gesteuerten Safety Car. Und der deutsche Virgin-Pilot Timo Glock befürchtete bereits eine komplette Absage: "Das ist absoluter Blindflug. Im Moment sehe ich keine Chance, das Rennen zu fahren." Auch Titelverteidiger Jenson Button erklärte: "Unter diesen Bedingungen kann man kein Rennen fahren. Das ist viel zu gefährlich. "
Um 16.05 Uhr Ortszeit (9.05 MEZ) wurde der Lauf dann doch wieder gestartet, wieder hinter dem Safety Car und unter ähnlich irregulären Bedingungen. "Es ist ein bisschen besser als zuvor, aber es ist immer noch unheimlich viel Wasser auf der Strecke", sagte Vettel über Boxenfunk. Erst vor Beginn der 18. Runde ging das Safety Car von der Strecke, und das Rennen begann richtig. Übrigens: 2007 in Fuji hatten die Fahrer noch zwei Runden mehr hinter dem Safety Car verbracht.
Die Unterbrechung hatten sämtliche Beteiligten begrüßt. "Es war die richtige Entscheidung", sagte Vettels Teamchef Christian Horner: "Sebastian konnte nicht einmal das Safety-Car vor sich sehen." Auch Mercedes-Pilot Nico Rosberg erklärte: "Aquaplaning ist nicht das große Problem, sondern die Sicht." Rosbergs Teamkollege Schumacher berichtete, man sehe "die Hand vor Augen nicht". Mit Kehrmaschinen versuchten die Organisatoren, die Strecke von den Wassermassen zu befreien.
Auch wenn die Koreaner für die Wetter-Kapriolen nichts konnten: Der turbulente Sonntag passte zu den Geschehnissen im Vorfeld. Erst vor zwei Wochen - und nicht wie eigentlich vorgesehen 90 Tage vor dem geplanten Termin - war die Strecke abgenommen worden. Bis zum Samstag hatten Hunderte Arbeiter selbst unter Mithilfe des Militärs versucht, die Strecke und vor allem das Umfeld Formel-1-tauglich zu gestalten. Dennoch wirkte auch am Renntag vieles noch unvollendet. Als Krönung waren Mechaniker und weitere Teammitglieder in schäbigen Stundenhotels untergebracht worden.
Die Strecke hatte nach den Bedenken schnell Lob von vielen Fahrern erhalten, vor allem wegen des vom Aachener Architekten Hermann Tilke entworfenen Profils. Der Asphalt hielt entgegen erster Befürchtungen, doch die Strecke war schmutzig und teilweise spiegelglatt. Das Graining beurteilte Force-India-Pilot Adrian Sutil mit Galgenhumor: "Am Freitag war es katastrophal, am Samstag dann deutlich besser, nämlich nur noch ganz schlimm."
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