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Formel-1-WM / Ralf übersteht schweren Unfall: Indianapolis: Schumis achter Streich

zuletzt aktualisiert: 20.06.2004 - 20:48

Indianapolis (rpo). Michael Schumachers Freude über den achten Saisonsieg wurde von einem schweren Unfall seines Bruders Ralf in Indianapolis überschattet. Der BMW-Williams-Pilot hatte in der 10. von 73 Runden bei Tempo 300 in der Steilkurve vor der Zielgeraden die Kontrolle über sein Auto verloren und war mit dem Heck voran zweimal in die Begrenzungsmauer gekracht.

Die Ärzte brauchten rund acht Minuten, um den 28-Jährigen aus dem arg zerstörten Fahrzeug zu bergen. Eine erste Untersuchung im Medical Center ergab, dass Ralf Schumacher keine Brüche erlitt und lediglich über Schmerzen im unteren Rückenbereich klagte. "Ich war bei ihm, Ralf war bei Bewusstsein und konnte alles bewegen. Zur Sicherheit wird er zu einer Computertomografie ins Krankenhaus gebracht", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Michael Schumacher musste bange Minuten wegen seines Bruders überstehen, bis die Entwarnung kam. "Als ich Ralf sah und er solange im Auto blieb, da habe ich mir schon Gedanken gemacht. Das war meine große Sorge", gestand der 35-Jährige offen. Das Team habe ihm sofort über Funk mitgeteilt, dass es wohl nicht so schlimm sei. Schumacher: "Darauf kann man sich allerdings nicht verlassen, das habe ich schon oft erlebt. Ich habe nur gehofft: Gott, lass nichts Schlimmeres passiert sein."

Michael Schumacher, der vor mehr als 120.000 Zuschauern seinen dritten Erfolg beim US-Grand-Prix nach 2000 und 2003 verbuchte, war in Gedanken bei seinem Bruder. Über Funk wurde er von Ferrari über alles informiert. Gleich neunmal fuhr der Rekord-Weltmeister hinter dem Safety Car an der Unfallstelle vorbei, während "Schumi II" von den Ärzten aus dem zerstörten Fahrzeug geborgen wurde.

Michael Schumacher verwies Teamkollege Rubens Barrichello, der auf der Pole Position stand, auf den zweiten Platz. Der Brasilianer machte damit den bereits sechsten Ferrari-Doppelsieg in diesem Jahr perfekt. In der Gesamtwertung führt Schumacher nach neun Rennen und damit zur Halbzeit" mit 80 Punkten vor Barrichello (62).

Platz drei belegte der Japaner Takuma Sato im BAR-Honda. Für McLaren-Mercedes gab es WM-Punkte: der Finne Kimi Räikkönen wurde Sechster, Teamkollege David Coulthard aus Schottland landete auf Position sieben. Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld musste seinen Jordan-Ford in Runde 45 mit einem technischen Defekt abstellen.

Knüppeldick kommt es derzeit für BMW-Williams. Nachdem vor einer Woche in Montreal beide Fahrer nachträglich aus der Wertung genommen wurden, gab es auch in Indianapolis nichts zu holen. Während Ralf Schumacher im Krankenhaus behandelt werden musste, wurde Teamkollege Juan Pablo Montoya erneut disqualifiziert. Weil er vor dem Start zu spät ins Ersatzauto gewechselt war, wurde der Kolumbianer 16 Runden vor Schluss aus dem Rennen geholt.

Mercedes hofft auf neues Auto

Mercedes setzt die Hoffnungen für die zweite Saisonhälfe auf ein neues Auto. Sollten die Testfahrten ab Dienstag im spanischen Jerez nach Wunsch verlaufen, könnte der komplett überarbeitete neue Silberpfeil MP4-19B schon beim Großen Preis von Frankreich am 4. Juli in Magny-Cours zum Einsatz kommen.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug hält sich mit Prognosen über das Debüt des neuen Autos allerdings noch zurück. "Ich warte erst auf die Fakten bezüglich Rundenzeiten und Zuverlässigkeit. Erst danach werden wir gemeinsam eine Entscheidung treffen", sagte Haug in Indianapolis dem Sport-Informations-Dienst (sid).

"Unser Paket war nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten", erklärte McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh und gab zu, dass "Plan B" schon vor dem ersten Rennen des Jahres in Melbourne auf dem Weg war. "Wir haben einige der Probleme mit dem 19A in der dritten Januar-Woche in Barcelona erkannt. Zu diesem Zeitpunkt zu sagen, wir schreiben die WM für dieses Jahr ab und nehmen einen neuen Anlauf in der nächsten Saison, wäre aber für ein Team wie unseres inakzeptabel gewesen", sagte der Engländer.

Die "Königsklasse" wird voraussichtlich auch in den kommenden zwei Jahren Station in Indianapolis machen. Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone überlässt es allein Indy-Boss Tony George, ob die Amerikaner nach Ablauf ihres ersten Fünfjahresvertrages die vereinbarte Option auf eine Verlängerung bis 2007 ziehen wollen.

"Ich habe Tony gesagt, wenn ihr zufrieden seid, sind wir es auch, und wenn wir um zwei Jahre verlängern sollen, dann tun wir es", sagte Ecclestone der Zeitung Indianapolis Star: "Wir sollten weitermachen, ich überlasse es ihm." George wird die Option ziehen: "Es ist unsere Absicht, weiterzumachen."

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Formel 1, Großer Preis der USA, 9. von 18 Läufen zur Weltmeisterschaft in Indianapolis, Endstand nach 73 Runden (306,016 km): 1. Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari 1:40:29,914 Stunden, 2. Rubens Barrichello (Brasilien) Ferrari 0:02,950 Minuten zurück, 3. Takuma Sato (Japan) BAR-Honda 0:22,036, 4. Jarno Trulli (Italien) Renault 0:34,544, 5. Olivier Panis (Frankreich) Toyota 0:37,534, eine Runde zurück: 6. Kimi Räikkönen (Finnnland) McLaren-Mercedes, 7. David Coulthard (Schottland) McLaren-Mercedes, drei Runden zurück: 8. Zsolt Baumgartner (Ungarn) Minardi-Cosworth, acht Runden zurück: 9. Giancarlo Fisichella (Italien) Sauber-Petronas

Schnellste Rennrunde: Rubens Barrichello 1:10,399 Minuten (7. Runde)

Ausgeschieden: Ralf Schumacher (Kerpen) BMW-Williams, Nick Heidfeld (Mönchengladbach) Jordan-Ford, Jenson Button (England) BAR-Honda, Fernando Alonso (Spanien) Renault, Mark Webber (Australien) Jaguar-Cosworth, Cristiano da Matta (Brasilien) Toyota, Christian Klien (Österreich) Jaguar-Cosworth, Felipe Massa (Brasilien) Sauber-Petronas, Giorgio Pantano (Italien) Jordan-Ford, Gianmaria Bruni (Italien) Minardi-Cosworth

Disqualifiziert: Juan Pablo Montoya (Kolumbien) BMW-Williams


 
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