Der Wert der Formel-1-Testfahrten: Ist Schumachers Silberpfeil zu langsam?
zuletzt aktualisiert: 06.02.2010 - 09:30Valencia (RPO). Befindet sich Michael Schumacher nun auf Augenhöhe mit Ferrari? Oder ist der neu geborene Silberpfeil zu langsam für den Weltmeistertitel? Gerade mal ein paar Testtage sind absolviert – und die Experten streiten eifrig über die Zeiten von Valencia.
Nach den ersten Kilometern eines Werks-Silberpfeils seit 55 Jahren sieht Mercedes-Sportchef Norbert Haug sein Team jedenfalls auf einem guten Weg. Den Fahrplan, um zu den bei den ersten Tests in Valencia dominanten Ferrari aufzuschließen, hat "Superhirn" Ross Brawn schon im Kopf und will ihn mit der großen Erfahrung des in die Formel 1 zurückgekehrten Rekordweltmeisters einhalten.
"Es gibt geplante Entwicklungsschritte, der nächste wird für die Testfahrten nächste Woche in Jerez umgesetzt - business as usual, wie in jedem Jahr mit jedem neuen Formel-1-Auto, nichts Ungewöhnliches", sagte Haug mit Blick auf die zweite Testrunde ab dem kommenden Mittwoch.
Mehr als 1100 Testkilometer bezeichnete Haug als "sehr erfreulichen Auftakt". "Ich denke, unsere Zeiten unter Rennbedingungen sahen nicht schlecht aus. Aber klar ist, dass wir uns heute nicht in der Rolle des Dauersiegers von morgen sehen - und auch ganz bewusst nicht sehen wollen", sagte er.
Testfahrt in Valencia
Michael Schumacher hat am dritten und letzten Formel-1-Testtag in Valencia trotz vorzeitigen Feierabends den dritten Platz belegt. Dem 41 Jahre alten Kerpener, der wegen eines Hydrauliklecks seinen Mercedes eine Stunde vor Testende abstellen musste, fehlte eine knappe Sekunde auf die Bestzeit von Fernando Alonso. Unter dem Jubel von rund 15.000 Fans setzte der Spanier bei seinen ersten Kilometern im Ferrari F10 die Dominanz der Scuderia fort. An den ersten beiden Tagen war jeweils Alonsos Teamkollege Felipe Massa der Schnellste gewesen. Vor Schumacher lag auch Pedro de la Rosa im Sauber. Jenson Button dagegen war bei seinem ersten Arbeitstag im McLaren eine halbe Sekunde langsamer als der Rekordchampion.
Schumacher hatte erklärt, dass es nicht wichtig sei, gleich die ersten Rennen zu gewinnen. Mit Zuverlässigkeit zunächst gut punkten, dann später in der Saison siegen - so sieht die WM-Rechnung des 41-Jährigen aus.
Auch Teamchef Brawn, der Schumacher zu sieben WM-Titeln führte und im vorigen Jahr mit seinem eigenen Team, dem Vorgänger des Mercedes-Werksteams, Fahrer- und Konstrukteursweltmeister war, bezeichnete die ersten Runden von Schumacher und Nico Rosberg als "extrem nützlich".
Auf die Frage, ob es aufregend wird, wenn Michael erstmals auf der Strecke auf Titelverteidiger Jenson Button und den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso trifft, meinte Brawn: "Beim Testen geht es um Arbeitsprogramme. Ich denke nicht, dass er sich darüber Gedanken macht. Für uns ist das kein Thema, so etwas könnte das Testprogramm stören. Aufregend wird es erst beim ersten Rennen."
Balance-Probleme
"Es ist immer schwierig, so früh schon das Tempo einzuschätzen. Aber wir scheinen in einer annehmbaren Position zu sein. Das Auto verhält sich ziemlich so, wie wir es erwartet hatten, mit einigen kleineren Ansatzpunkten, die man immer bei den ersten Tests hat."
Unter anderem handelte es sich dabei um Probleme mit der Balance des Silberpfeils. "Wir haben die Bereiche identifiziert, in denen wir Verbesserungen vornehmen können, und die werden für Jerez in der nächsten Woche fertig sein", sagte Brawn.
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