Jubiläum vor der Haustür:: Jenkner will bei 100. Grand Prix siegen
zuletzt aktualisiert: 24.07.2003 - 09:47Hohenstein-Ernstthal (rpo). Mit seinem 100. Motorrad-Grand-Prix den zweiten Sieg in der Karriere klar machen, davon träumt Steve Jenkner vor dem Rennen auf dem Sachsenring.
Das Jubiläumsrennen soll zur Triumphfahrt werden: Wenn Steve Jenkner am Sonntag zum 100. Motorrad-Grand-Prix seiner Karriere auf dem heimischen Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal auf seine Aprilia steigt, fiebern rund 100 000 mit dem kleinen Sachsen.
Und er selbst gibt unumwunden zu: "Ja, ich will meinen zweiten Grand-Prix-Sieg." Nachdem ihm vor vier Wochen in Assen erstmals der große Wurf gelang, hat Jenkner Selbstbewusstsein getankt. Von besonderem Druck, der ihn in den vergangenen Jahren förmlich zu erdrücken schien, merkt man bei dem 27-Jährigen nichts mehr.
Verwöhnt, verspottet - am Ende aber doch gefeiert: Die Karriere des Steve Jenkner in der Motorrad-Weltmeisterschaft entspricht so gar nicht der eines erfolgreichen Piloten. Doch nach Jahren der Enttäuschungen ist der "Rennfloh" aus Hohenstein-Ernstthal nicht nur der beste deutsche Pilot der Gegenwart, sondern auch ein Anwärter auf den WM-Titel in der 125 ccm-Klasse. Platz 2 hinter Daniel Pedrosa mit 26 Punkten Rückstand sind durchaus aufzuholen.
Seit 1997 fährt der gelernte Klempner bereits in der WM. Sein Entdecker Harald Eckl setzte damals auf den Sachsen, obwohl dieser keinerlei Erfahrungen aus der deutschen Meisterschaft oder Europameisterschaft vorweisen konnte. Gemeinsam mit dem ADAC Sachsen und potenten Sponsoren sollte "Little Stevie" zu einem Top-Piloten aufgebaut werden.
Dabei wurde er aber mehr verwöhnt als gefordert. Im Jahr 2001 schien die Karriere bereits beendet zu sein, da keiner dem Mann vom Sachsenring mehr den Durchbruch zutraute und ihm ein Team anbot. Nur UGT-Chef Ralf Schindler glaubte an Jenkner. Er integrierte ihn in seinem Team und gab ihm einen streng leistungsbezogenen Vertrag. "Hausgemachten Druck habe ich erst bei UGT gespürt. Dafür bin ich Ralf Schindler sehr dankbar.
Er hat erkannt, wie man mich nehmen muss", so Jenkner, der zudem mit den italienischen Mechanikern sehr gut klar kam. Die damit einhergehende Leistungsexplosion (WM-Fünfter 2002) führte schließlich dazu, dass ihn Aprilia ins Exalt Cycle-Team transferierte, wo der Vater des zweijährigen Moritz den abgewanderten Weltmeister Arnaud Vincent ersetzen sollte.
"Ich habe gehofft und erwartet, dass er diese Entwicklung nimmt. Er hat bei uns einen neuen Weg beschritten und jetzt auch das Kämpferherz entdeckt. Es war alles richtig, so wie es gekommen ist, und deshalb werden weitere Siege folgen. Am Sachsenring aber eher nicht, da hat er viel zu viel Trubel und Schulterklopfer um sich", prophezeit Schindler.
Im Schatten Jenkners will eine ganze deutsche Nachwuchs-Gilde auf sich aufmerksam machen. Vor allem Alexander Hofmann (Bochum) traut man auf Kawasaki in der MotoGP-Klasse einen Platz in den Punkterängen zu. Aber auch Dirk Heidolf will vor eigenem Publikum in der Viertelliter-Klasse sein wahres Können demonstrieren. Für die anderen neun Deutschen, die außer Katja Poensgen (Heppenheim) alle eine Wild Card erhielten, heißt es in erster Linie Erfahrungen sammeln. Der Auftritt vor den 200 000 an den drei Grand-Prix-Tagen zu erwartenden Fans sollte einigen von ihnen jedoch Flügel verleihen.
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