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Formel 1
Bianchis Tod erschüttert den Motorsport

Fotos: Jules Bianchi – Bilder aus dem Leben des Formel-1-Fahrers
Fotos: Jules Bianchi – Bilder aus dem Leben des Formel-1-Fahrers FOTO: dpa
Düsseldorf. Nach 285 Tagen im Koma stirbt der Formel-1-Fahrer aus Frankreich in einem Krankenhaus seiner Geburtsstadt Nizza. Der 25-Jährige war am 5. Oktober 2014 beim WM-Lauf in Suzuka mit seinem Auto gegen ein Bergefahrzeug gerast. Von Eckhard Czekalla

Rennfahrer sind sich der Gefahr bewusst, der sie sich aussetzen. "Wenn du eine Eintrittskarte kaufst, dann steht darauf der Satz 'motor racing is dangerous'" (Motorsport ist gefährlich, Anm. d. Red.), sagt der ehemalige Formel-1-Pilot David Coulthard, "und das steht dort aus einem guten Grund." Das Risiko zu minimieren war seit dem schwarzen Wochenende 1994 in Imola die Pflicht. Damals verunglückten am Samstag der Österreicher Roland Ratzenberger (33) im Training und tags darauf die Formel-1-Ikone Ayrton Senna (34/Brasilien) im Rennen tödlich. Seit der WM-Premiere 1950 überlebten 31 Piloten ihre Unfälle bei Rennen, Trainings oder Testfahrten nicht.

In der Nacht zum vergangenen Samstag starb Jules Bianchi an den Folgen seiner Kopfverletzungen. Der Franzose wachte nicht mehr aus dem künstlichen Koma auf, in das er am 5. Oktober nach dem Unfall beim WM-Lauf in Suzuka versetzt worden war. "Es war schlimmer, als wenn er direkt gestorben wäre. Es ist eine Qual", hatte Jules' Vater Philippe noch vor wenigen Tagen gesagt, als sich der Zustand seines Sohnes verschlechterte. "Jules hat bis zum Ende gekämpft, wie er es immer getan hat. Aber heute hat dieser Kampf geendet", schrieb die Familie nun auf Facebook.

Stimmen: So reagiert das Netz auf den Tod von Jules Bianchi

Bianchi hatte sich seit seinem Formel-1-Einstieg im März 2013 durch seine Art, Rennen zu fahren, und durch sein Auftreten abseits der Pisten viel Anerkennung erworben. "Er hat eine unauslöschliche Spur in unser aller Leben hinterlassen und wird für immer Teil dessen sein, was wir erreicht haben", betonte John Booth. Der Engländer ist Chef des Manor-Rennstalls. Dieser ist aus Bianchis letztem Team Marussia hervorgegangen, für das der Franzose im vergangenen Jahr mit Platz neun in Monte Carlo die einzigen WM-Punkte holte.

In Suzuka sorgten starker Regen und die Dämmerung für schwierige Bedingungen. Bianchi verlor die Kontrolle über sein Auto und prallte gegen den Bergekran, der den Sauber des eine Runde zuvor verunglückten Adrian Sutil (Gräfelfing) beiseiteschaffen wollte. Die ganze linke Seite des Marussia wurde abgerissen. Bianchi erlitt eine diffus axonale Hirnverletzung, die zu den schwersten gehört.

Das Risiko im Motorsport ganz auszuschließen, war, ist und wird nicht möglich sein. Es gehört zur DNA dieser Wettkampfform. Das wissen die Fahrer und die Zuschauer an den Strecken. Seit dem 1. Mai 1994 war bis zu Bianchis Tod kein Formel-1-Fahrer mehr an den Folgen eines Rennunfalls gestorben (im Gegensatz zu anderen Motorsportserien). Dies war ein Ergebnis umfangreicher Verbesserungen der Sicherheit und Qualität bei Autos, Rennstrecken, Overalls, Helmen und Rettungssystemen. Auch nach Suzuka wurde reagiert. Neue Kopfschutzmaßnahmen, die Start-Vorverlegung einiger Rennen und eine neue Regelung der Gelbphasen während aktiver Rettungsarbeiten sind unmittelbare Konsequenzen.

Diese Piloten verunglückten tödlich

Aber auch der Faktor Glück spielt eine große Rolle wie 2012 im belgischen Spa. Nach einem Startcrash verfehlte der Lotus von Romain Grosjean nur knapp den Kopf von Ferrari-Fahrer Fernando Alonso.

Tote gab es dennoch bei der Formel 1. In Monza (2000) und Melbourne (2001) starb jeweils ein Streckenposten. Sie wurden nach Unfällen von herumfliegenden Reifen getroffen. In Montreal (2013) starb ein Marshall, der während der Bergung von Unfallautos von einem Streckenfahrzeug überrollt wurde.

Bernie Ecclestone (84), Chef der Formel 1, sagte, was ein Chef in dieser Situation sagt: "Wir dürfen so etwas nie wieder passieren lassen." Die Fahrergewerkschaft (GPDA) stellte realistischer fest: "In Zeiten wie diesen werden wir auf brutale Weise daran erinnert, wie gefährlich der Rennsport noch immer ist."

Quelle: RP
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