Schumacher hinter Barrichello: Kanada: Ferrari im ersten Training vorne
zuletzt aktualisiert: 07.06.2002 - 18:46Montreal (rpo). Die roten Ferrari-Renner geben auch in Kanada den Ton an: Michael Schumacher hat sich beim Auftakt zum Großen Preis von Kanada im Freien Training ein knappes Duell mit Teamkollege Rubens Barrichello geliefert.
Die Ferrari-Piloten konnten die stark eingeschätzten Williams-BMW-Konkurrenten Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya klar in Schach gehalten. Der viermalige Formel-1- Weltmeister aus Kerpen belegte am Freitag im ersten Durchgang des Freien Trainings in Montreal mit 61/1000 Sekunden Rückstand auf den Brasilianer den zweiten Platz. Wegen einer leichten Berührung mit der Mauer eingangs der Start-Ziel-Geraden konnte Schumacher am Schluss nicht mehr fahren.
Allerdings hatte der souveräne WM-Spitzenreiter im Familien internen Duell die Nase klar vorne: In 1:16,991 Minuten ließ er Ralf Schumacher auf Rang 16 vorerst um 2,201 Sekunden hinter sich. "Schumi II" hatte im Vorjahr auf dem Circuit Gilles Villeneuve beim historischen ersten Doppelerfolg eines Bruderpaars in der Geschichte der Formel 1 vor "Schumi I" triumphiert.
Frentzen auf Platz sechs
Heinz-Harald Frentzen (Mönchengladbach) belegte im Arrows-Cosworth in 1:18,340 Minuten den sechsten Platz, Sauber-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) kam mit 1,869 Sekunden Rückstand auf Rang 13. Das McLaren-Mercedes-Duo David Coulthard (Großbritannien) und Kimi Räikkönen (Finnland) belegte hinter dem überraschend starken Italiener Giancarlo Fisichella die Plätze vier und fünf.
"Es ist schön, nach Montreal zurückzukommen", erinnerte Ralf Schumacher mit breitem Grinsen an seinen Vorjahressieg. Dank des etwa 30 PS stärkeren BMW-Motors und der besser haftenden Michelin-Reifen dürften die Weiß-Blauen auf der Powerstrecke trotz der Trainingsniederlage erneut Vorteile gegenüber den roten Rennern haben. "Dem entsprechend groß ist die Hoffnung, wieder zu gewinnen." Zu denken gibt Ralf Schumacher allerdings, dass Ferrari auf der vermeintlichen Williams-BMW-Strecke Imola, wo er 2001 ebenfalls gesiegt hat, diese Saison einen Doppelerfolg feierte. "Wir haben einige Verbesserungen und sind sicher konkurrenzfähig. Ob es reicht, hängt auch davon ab, was Bridgestone für Reifen bringt."
Der "rote" Schumacher schätzt seinen Bruder und dessen Teamkollegen Juan Pablo Montoya als schärfste Konkurrenten ein. Angesichts der Fortschritte des Ferrari-Reifenpartners Bridgestone ist der viermalige Kanada-Gewinner allerdings davon überzeugt, "ein Wörtchen um den Sieg mitreden zu können". Im Vorjahr sei Ferrari hier unter Rennbedingungen nicht konkurrenzfähig gewesen. "Aber wir haben inzwischen viel verbessert." So wünscht sich Schumacher für den achten Saisonlauf am Sonntag (Start: 19.00 Uhr MESZ/live in RTL und Premiere World) nur, dass "ich statt der Nummer 2 die Nummer 1" werde.
Stallregie immer noch Thema
Im Titelrennen ist diese Frage angesichts seines komfortablen Vorsprungs von 33 Punkten gegenüber seinem Bruder und Montoya (je 27) längst entschieden. Theoretisch kann der souveräne Spitzenreiter (60 Punkte) sogar schon vor dem Großen Preis von Deutschland mit dem legendären Argentinier Juan Manuel Fangio gleichziehen und zum fünften Mal Weltmeister werden. Dass Michael wieder triumphiert, ist laut Ralf Schumacher nur noch Formsache. "Wenn alles normal läuft, ist die WM entschieden", sagt er. Wo das passiert, ist laut "Schumi I" egal: "Ob ich in Hockenheim die WM gewinne, ist nicht so wichtig. Hauptsache, ich hole den Titel überhaupt."
Die Stallregie von Spielberg war auch in Montreal noch ein Thema: Schumacher verteidigte zum x-ten Mal den Ferrari-Befehl an den führenden Rubens Barrichello, beim Großen Preis von Österreich vor vier Wochen den Deutschen in der letzten Runde vorbei und so siegen zu lassen. "Ich fahre für das Teaminteresse, nicht für mich", sagte Schumacher, räumte aber ein: "Unter den gleichen Bedingungen würden wir nicht nochmals das Gleiche tun." Zugleich versicherte er: "Österreich wird mich in meiner Karriere nicht verfolgen."
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