Dritter Finne auf dem WM-Thron: Kimi Räikkönen im Portrait
zuletzt aktualisiert: 21.10.2007 - 19:33Sao Paulo (RPO). Beim Formel-1-Saisonfinale in Sao Paulo hat ausgerechnet das Pech der "Silberpfeile" Kimi Räikkönen zur Weltmeisterschaft verholfen. Fünf Jahre war der Finne selber für McLaren-Mercedes gefahren, musste seinem großen Ziel jedoch immer vergeblich nachlaufen.
Zahlreiche Ausfälle und technische Pannen hatten ihn immer entscheidend zurückgeworfen. Erst als Nachfolger von Michael Schumacher bei Ferrari hat für den "Iceman", der nur beim Feiern richtig auftaut und dann auch schon mal in einem Gorilla-Kostüm über die Stränge schlägt, endlich alles zusammengepasst.
"Das Problem war nicht meine Einsatzbereitschaft oder mein Privatleben, wie es mir immer wieder vorgeworfen wurde. Das Problem war das Auto. Entweder blieb es liegen oder es war nicht schnell genug", sagte der ansonsten meist wortkarge Finne - Lieblingsantwort bei Interviews: "I don't know" ("Weiß nicht") - nach seinem Wechsel zu den Roten über seine Zeit bei den Silbernen.
Nach seinem Formel-1-Einstieg 2001 im Team des Schweizers Peter Sauber, der das Supertalent aus der Formel Renault nach gerade mal 23 Rennen in die Königsklasse holte, schaffte er als Nachfolger seines Landsmanns Mika Häkkinen direkt den Aufstieg ins Top-Team von McLaren-Mercedes. Ron Dennis war er sogar 20 Millionen Dollar Ablösesumme wert.
Einem dritten Platz im ersten Rennen folgten 2002 aber insgesamt 11 Ausfälle. Den ersten Sieg holte er sich 2003 ganz cool in der Hitze von Kuala Lumpur. Räikkönen wurde noch sieben Mal Zweiter, verlor aber beim Saisonfinale das Titelrennen knapp gegen Michael Schumacher. Rückblickend unter anderem wegen eines Motorschadens auf dem Nürburgring - in Führung liegend.
Nach einem Durchhänger 2004 wurde Räikkönen 2005 trotz sieben Saisonsiegen wieder WM-Zweiter, diesmal hinter Renault-Pilot Fernando Alonso. Erneut war er dreimal in Führung liegend ausgefallen: in San Marino und in Hockenheim rollte der Silberpfeil einfach aus, auf dem Nürburgring brach in der letzten Runde spektakulär die Radaufhängung.
Nach dem enttäuschenden Jahr 2006 sollte in dieser Saison bei Ferrari alles besser werden. Gleich das erste Rennen im roten Renner gewann er - was bei der Scuderia zuletzt Nigel Mansell 1989 gelungen war. Doch zwei Ausfälle in Barcelona und auf dem Nürburgring sowie Platz acht in Monaco nach einem Unfall im Qualifying schienen den "Iceman" wieder zu weit zurückgeworfen zu haben, bis er sich mit Siegen in Spa und Schanghai wieder zurück ins Titelrennen kämpfte.
Vier Tage nach seinem 28. Geburtstag ist er jetzt am Ziel: dritter finnischer Weltmeister nach Keke Rosberg (1982) und Häkkinen (1998 und 1999). Damit hat sich ein ungewöhnliches Opfer seiner Eltern endgültig ausgezahlt. Um einst die ersten Go-Kart-Runden des Sohnes zu bezahlen, verzichtete die Familie im heimischen Espoo in der Nähe von Helsinki lange Zeit darauf, eine Toilette im Haus einzubauen. Das "stille Örtchen" blieb im Garten. Kimi machte seinen Weg.
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