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Saisonauftakt in Bahrain: Langeweile beherrscht die Formel 1

VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 16.03.2010 - 13:40

Düsseldorf/Manama (RPO). Was wurde nicht alles geschrieben vor dem ersten Rennen der neuen Formel-1-Saison. Über Michael Schumacher, den Rückkehrer. Über Sebastian Vettel, seinen Kronprinzen. Der Spannungsbogen erreichte vor dem ersten Rennen der Saison in Bahrain den Höhepunkt. Am Ende langweilten sich alle – auch die Fahrer selbst.

Es hatte schon etwas von Ironie, als Mark Webber während des Rennens die Worte "verdammt langweiliges Rennen" durch den Teamfunk rief. Der Australier sprach das aus, was Millionen an den Fernseh-Geräten und die Fans vor Ort dachten. Unspektakulärer hätte die Formel-1-Saison nicht beginnen können.

Schuld daran sind die neuen Regeln. Wegen des eingeführten Tankverbots haben die Boliden größere Tanks, nehmen am Start etwa 260 Kilogramm Sprit an Bord (vergleichbar mit drei bis vier Beifahrern). Die Fahrzeuge verlieren an Tempo. Zudem lastet ein erhöhter Druck auf den Vorderreifen, die nun schneller verschleißen. Daher lassen es die Fahrer ruhiger angehen, um nicht ständig in die Box zum Reifenwechsel zu müssen. Die Folge: Geringeres Risiko, weniger Action auf der Strecke.

Info
Das Rennen langweilig, die Quote aufregend - der "Schleich-Schumi" ("Bild") war auf Anhieb ein TV-Renner. 10,51 Millionen Zuschauer im Schnitt verfolgten am Sonntag bei RTL Michael Schumachers Formel-1-Comeback in Bahrain. Der siebenmalige Weltmeister bescherte dem Kölner Sender bei seinem sechsten Platz eine Verdopplung der Bahrain-Quote. Vor einem Jahr waren bei dem Wüsten-Grand-Prix ohne Schumi 5,35 Millionen Fans live dabei gewesen.

Die Zeiten der unterschiedlichen Tankstrategien mit bis zu drei Stopps sind vorbei. Jedes Auto geht mit ähnlichen Bedingungen an den Start. Somit findet das Rennen im Grunde schon beim Qualifying statt. Nahezu ohne Sprit wird der schnellste Pilot ermittelt. Vor dem Rennen wird aufgetankt, die Reihenfolge kann somit nicht mehr mit taktischen Clous beeinflusst werden.

In Bahrain gab es nur auf den hinteren Plätzen die ein oder andere Attacke, vorne passierte gar nichts. Die ersten zehn Plätze vor dem Start waren auch die ersten zehn im Ziel – nur in veränderter Reihenfolge, die vor allem durch den Start generiert wurde.

Weil Sebastian Vettel in der 34. von 49 Runden wegen einer defekten Zündkerze Geschwindigkeit verlor, kam er nur als Vierter ins Ziel. Zunächst musste er die beiden Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa vorbeiziehen lassen, die der Scuderia einen Doppelsieg bescherten. Später wurde der 22-Jährige auch noch von Lewis Hamilton im McLaren überholt.

Michael Schumacher, der am Ende den sechsten Rang belegte, ist mit den neuen Regeln ebenfalls nicht ganz einverstanden. "Der Anfang war noch der interessanteste Part. Danach war es ein bisschen die Odyssee, die man erwartet hat. In der ersten Runde gibt es einige Kämpfe, danach hört es irgendwo auf. Wir dürfen nicht zu dicht auf den Vordermann auffahren, damit das Auto nicht überhitzt. Man wartet, dass jemand einen Fehler macht oder ausfällt. Jeder fährt hinter dem anderen her, weil man nicht überholen kann – that’s it", fasst der siebenfache Weltmeister zusammen.

Die Experten beraten nach dem Rennen in Bahrain, ob es so weitergehen kann. Die Zuschauer werden sich solch langweilige Rennen nicht mehr lange anschauen. Vor allem nicht, wenn in Europa das Wetter wieder besser wird. Die Zeit am Sonntagnachmittag ist zu kostbar, um vor dem Fernseher einzuschlafen.


 
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