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Vor 25 Jahren verunglückte er auf dem Nürburgring: Lauda begann das "vierte Leben"

zuletzt aktualisiert: 20.06.2001 - 10:44

Nürburgring (rpo). Der schlimme Unfall in der Eifel hat ihn für immer gezeichnet, aber den starken Willen des Andreas Nikolaus Lauda nicht gebrochen. Vor 25 Jahren wurde der Österreicher auf dem Nürburgring Opfer einer Feuerhölle. Doch wenn Niki Lauda und die Formel 1 in dieser Woche an den Eifelkurs zurückkehren, kann ihn die Erinnerung an den fürchterlichen Crash nicht mehr erschüttern.

Er hat den unglückseligen 1. August 1976 vollständig verarbeitet, versicherte er. "Mit Verdrängen lief da nichts. Das musste komplett bewältigt werden. Ich bin ja danach weiter Rennen gefahren. Wenn man so etwas verdrängt, dann kommt es immer wieder", erklärte der dreimalige Weltmeister, der heute als Sportdirektor des Jaguar-Teams vorwiegend mit anderen Dingen beschäftigt ist als mit seinem Unfall-"Jubiläum".

Die Fans des Nürburgrings werden noch immer daran erinnert. Im Besucherzentrum sind die Bilder eines Amateurfilmers zu sehen, der den Crash damals aufgenommen hatte. "Der Lauda-Unfall ist Teil der Legende ?Grüne Hölle?, Teil unserer Geschichte", sagte Walter Kafitz, der Geschäftsführer der Nürburgring GmbH, vor dem Großen Preis von Europa am Sonntag: "Es war das letzte Jahr der Formel 1 auf der Nordschleife. Es endete mit einem Fanal. Dazu muss man stehen." Damals erhielt der Nürburgring keine Zulassung mehr für die Formel 1. Auf neuer Strecke gab es 1984 und ?85 ein Comeback. Seit 1995 ist der Nürburgring wieder regelmäßig im WM-Kalender.

Der heute 52-jährige Lauda selbst hat zu dem Unglück, das ihn fast das Leben gekostet hätte, mittlerweile so viel Distanz, dass seine eigene Wortwahl recht spöttisch anmutet. Respektlos nannte er seinen Unfall Jahre später "Barbecue". Er habe das Trauma mit konsequenter Arbeit und neuem Vertrauen in seine Fähigkeiten schon nach "sechs, sieben Monaten" überwunden, "deshalb konnte ich natürlich leicht und locker vom ?Barbecue? reden". Dennoch hatte Laudas Gedächtnis die schlimmsten Minuten einfach ausgeblendet. "Ich weiß noch, dass ich aus der Box gefahren bin. Dann hört die Erinnerung auf. Sie setzt erst wieder ein auf dem Weg in irgendein Krankenhaus", berichtete er.

Es war ein regnerischer Nachmittag gewesen. Laudas Ferrari brach aus, raste frontal in die Leitplanken, brannte lichterloh und schleuderte zurück auf die Strecke. Als der ihm folgende Brett Lunger in das Wrack prallte, verlor Lauda seinen Helm und wurde ohnmächtig. Der italienische Kollege Arturo Merzario zog den Weltmeister aus dem Auto. Lauda wurde mit lebensgefährlichen Verbrennungen und Lungenverätzungen sowie Kiefer- und Rippenbrüchen ins Krankenhaus gebracht. Als der Wiener später den Film von dem Crash sah, erschrak er mächtig: "Ich habe gedacht: Da hat einer einen irren Unfall."

Es folgten der Überlebenskampf in einer Mannheimer Klinik, mehrere Hauttransplantationen - und das Leben mit dem verbrannten Gesicht. In seinem Buch "Das dritte Leben" beschreibt dies Lauda so: "Am Donnerstag zeigt man mir einen Spiegel. Ich muss meine Augenschlitze mit den Fingern spreizen, um deutlich sehen zu können: Der Kopf ist auf das Dreifache angeschwollen, die Riesenmelone steckt direkt auf den Schultern, Hals und Nase sind überhaupt nicht zu erkennen. Da reißt?s dich schon ein bisserl, wenn du das siehst."

Lauda schaffte es. Sechs Wochen nach dem Unfall kehrte er in Monza zurück in den Grand-Prix-Zirkus und wurde sensationell Vierter; das "zweite Leben" begann. Ein Jahr später gewann er seinen zweiten WM- Titel. Mit den berühmen Worten "Ich will nicht mehr blöd im Kreis herumfahren" trat er 1979 zurück, um drei Jahre später wieder ein Comeback zu geben und 1984 Titel Nummer drei zu feiern.

Das anschließende "dritte Leben" gehörte der Fliegerei. Der Mann mit der roten Kappe brachte es bis zum Chef einer eigenen Fluglinie. Am 26. Mai 1991 starben 223 Menschen beim Absturz der Lauda-Air "Mozart" auf dem Flug von Bangkok nach Wien. Das war das Schlimmste in seinem Leben, sagte er später. Seit dieser Saison ist er wieder einer der Mächtigen der Formel 1. Er versucht das mit Anlaufproblemen kämpfende Jaguar-Team nach oben zu bringen - das "vierte Leben" des Niki Lauda.

Quelle: RPO Archiv

 
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