| 16.22 Uhr

Formel-1-Weltmeister verliert Form
Britische Presse straft den "mürrischen Loser" Hamilton ab

Lewis Hamilton bekommt heftige Kritik in der britischen Presse
Lewis Hamilton droht, seine WM-Krone an den Teamkollegen und Rivalen Nico Rosberg zu verlieren. FOTO: dpa, fr ms
Suzuka. Mit ziemlich unterschiedlichen Plänen kehrten die beiden Mercedes-Rivalen Nico Rosberg und Lewis Hamilton von der Asien-Tour nach Europa zurück. Rosberg freut sich auf Zeit mit der Familie, Hamilton sucht Wege aus dem Frust, sollte dabei aber vorerst besser keine Zeitung lesen.

Für einen kurzen Moment ließ Lewis Hamilton seine Fehde mit den Medien außer Acht und gewährte einen tiefen Einblick in sein Seelenleben. "Ich weiß nicht genau, was ich in den nächsten Tagen mache", sagte er einem britischen TV-Sender: "Irgendwie abschalten, irgendwo hinfahren, keine Ahnung." Irgendwie, irgendwo - irgendwann hat der überragende Formel-1-Fahrer der letzten Jahre in den letzten Tagen seine Form und seine Fassung verloren.

Da ist es doch gut, wenn sein Arbeitgeber erst mal die Richtung bestimmt. Am Dienstag nämlich, zwei Tage nach dem Sieg seines ungeliebten Teamkollegen Nico Rosberg in Suzuka und seinem eigenen Desaster am Start, muss Hamilton zur großen WM-Fete von Mercedes in Stuttgart antreten. Zum dritten Mal in Folge haben die Silberpfeile die Konstrukteurs-WM gewonnen, und das soll und muss natürlich mit und an der Basis gefeiert werden.

Presse reagiert heftig auf Presse-Boykott

Dass der ohnehin schlecht gelaunte Hamilton die Party stimmungsmäßig vermutlich nicht entscheidend mittragen wird, dürfte spätestens nach einem Blick in die britische Montagspresse klar sein. Die Times schreibt unter anderem über "das zierliche Ego und den fragilen mentalen Zustand" des dreimaligen Weltmeisters: "Als er merkt, dass die Weltmeisterschaft durch seine Finger gleitet, wird er von einem übermütigen Witzbold zu einem mürrischen Loser." Die Snapchat-Affäre, seine Affinität für die sozialen Medien - für den Guardian "ein Beweis für Hamiltons bodenlose Reserve an Kindlichkeit".

Klingt die mediale Revanche der grundsätzlich nicht gerade zimperlichen Briten für Hamiltons Presseboykott in Suzuka auch etwas zu drastisch, so bleibt doch eine Tatsache unübersehbar: Der "Alien Driver" ist wieder ein Mensch, angeschlagen und verunsichert. Er kann einfach nicht umgehen mit der aktuellen Situation, in der er die WM von Rennen zu Rennen mehr aus den Augen verliert. "Als Lewis in Suzuka die erste Kurve erreichte, war Nico Rosberg schon am Horizont verschwunden - vermutlich mit dem WM-Pokal im Gepäck", schrieb der Daily Telegraph.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht die WM allerdings trotz der zuletzt für Hamilton ernüchternden Ergebnisse noch nicht entschieden. "Lewis funktioniert unter Druck immer am stärksten", sagte der Österreicher in Suzuka: "Es sind noch vier Rennen zu fahren, ein Ausfall, und alles beginnt wieder von vorne. Es sind noch so viele Szenarien denkbar." Allerdings räumte auch Wolff ein, dass Rosberg schwer zu schlagen sein dürfte: "Wenn man Weltmeister werden will, muss man die Fehler auf ein Minimum reduzieren, und genau das macht Nico."

Knapp zwei Wochen macht die Formel 1 Pause, dann steht am 23. Oktober das nächste Rennen in Austin/Texas auf dem Programm. Immerhin bleiben Hamilton und Rosberg deshalb nach der Mercedes-Party in Stuttgart noch ein paar Tage ganz ohne Formel 1. Rosberg will in dieser Zeit "Energie auftanken und mich meiner wunderbaren Familie widmen". Hamilton fährt irgendwo hin, um abzuschalten. Irgendwie.

(sid)
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