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Formel 1
Trash Talk, Protz und Tierfotos: "Hamilton ist der Beste!"

Weltmeister Hamilton steigt in den Wrestling-Ring
Weltmeister Hamilton steigt in den Wrestling-Ring FOTO: ap
Sao Paulo. Lewis Hamilton provoziert, eckt an und wirkt oft selbstverliebt - und doch könnte sich die Formel 1 derzeit wohl keinen besseren Weltmeister wünschen. Das wird in der Schlussphase der Saison mal wieder deutlich.

Neulich hatte Lewis Hamilton mal wieder einen dieser Auftritte. Der Brite hüpfte durch einen Wrestling-Ring in Mexiko, er tänzelte um seinen maskierten Gegner herum, animierte das Publikum, und dann brachte er die Menge mit einer Sprungattacke zum Toben. Wie so oft wirkte das irgendwie eitel, großspurig und überheblich. Bernie Ecclestone hatte wohl dennoch seine helle Freude.

"Er ist der beste Weltmeister, den wir jemals hatten", sagt der Chef der Formel 1 über Hamilton, "er ist fantastisch." Und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen seines Hangs zur Selbstdarstellung. Der Engländer eckt gerne an, er provoziert - und hat das auch im sportlichen Bereich längst zu einer Waffe entwickelt. Vor dem Großen Preis von Brasilien (Sonntag, 17 Uhr/Live-Ticker) zeigte sich das mehrfach.

Die bislang letzte Kostprobe gab Hamilton nach dem Sieg seines Mercedes-Teamrivalen Nico Rosberg in Mexiko: Der Jubel des Deutschen war kaum verklungen, da deutete der 30-Jährige in kleiner Runde an, dass die Teamführung aus Toto Wolff und Niki Lauda Rosberg den Sieg geschenkt habe. Nur deshalb habe Hamilton einen unplanmäßigen Boxenstopp einlegen müssen.

Hamilton feiert WM-Titel mit Elton John und Schampus FOTO: afp, di

"Ich weiß, dass das Team extra warmherzig sein wollte", sagte Hamilton und fügte an: "Fragt Toto und Niki mal, was sie dazu sagen. Was sie hinter den Kulissen tun müssen, um Nico bei Laune zu halten." Aussagen wie diese, mit unschuldiger Miene vorgetragen, erlaubt sich Hamilton schon über die gesamte Saison. Das kann man mögen oder nicht, aber "Trash Talk" gehört wohl dazu in der großen Show der Formel 1. Hamilton kämpft eben wie ein Löwe um seinen Erfolg, mit allen Mitteln, und er erreicht zweifelsohne sein Ziel.

Denn Rosberg muss immer wieder reagieren, ob er will oder nicht, man wird ihn auch in Brasilien auf die jüngste Spitze seines Rivalen ansprechen. Das ärgert den 30-Jährigen, es zehrt an den Nerven. Den WM-Titel hat Hamilton wohl auch dank dieser Methoden längst erfolgreich verteidigt.

Als Nebeneffekt produziert er zudem reihenweise Schlagzeilen über die Formel 1, das dürfte nicht nur Ecclestone gefallen. Letztlich profitiert auch Mercedes davon, selbst wenn es um teaminterne Streitigkeiten geht. Denn "bad news" sind gerade in der Formel 1 "good news". Kaum etwas verkauft sich so gut, wie Kontroversen, darauf weist auch Motorsportchef Wolff in seiner typischen Offenheit immer wieder hin.

Und Ecclestone kann seine kriselnde Serie mit keinem Piloten weltweit derart vermarkten, wie mit dem Mann aus Stevenage. "Er erreicht alle möglichen Menschen, er wird überall auf der Welt erkannt", sagt der Brite: "Ich kenne keinen anderen Fahrer, für den das gilt." Hamilton ist gerade in dieser schwierigen Phase in der Tat wohl der beste Weltmeister, den sich die Formel 1 wünschen kann.

Seinem Twitter-Profil folgen mittlerweile mehr als drei Millionen Fans, allein in den vergangenen Tagen bestückte er es mal wieder mit jeder Menge Details aus seinem ungewöhnlichen Leben. So besuchte er in Mexiko die "Black Jaguar - White Tiger Foundation", dort raufte er mit Raubkatzen. Und Hamilton kam so gut an, dass man ein Neugeborenes nach ihm benannte: Lewis, der Löwe.

(areh/sid)
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