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Formel 1 in Abu Dhabi
Hamilton schiebt Quali-Frust auf sein Auto

Lewis Hamilton: Doppel-Weltmeister, Scherzinger-Freund, Mercedes-Pilot
Lewis Hamilton: Doppel-Weltmeister, Scherzinger-Freund, Mercedes-Pilot FOTO: dpa, Thomas Frey
Abu Dhabi. Mercedes-Sportchef Toto Wolff muss immer wieder zwischen seinen Stars Lewis Hamilton und Nico Rosberg vermitteln. Derzeit ist es der Weltmeister aus England, der unzufrieden ist.

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Ja, sagt Toto Wolff, natürlich gebe es "negative Seiten" in der Beziehung zwischen seinen Mercedes-Stars Lewis Hamilton und Nico Rosberg. Am Ende des Formel-1-Jahres 2015 stehen die erneuten Siege in der Fahrer- und Hersteller-WM, die Fortsetzung der silbernen Dominanz - aber eben auch "gewisse Stressfaktoren" zwischen seinen Piloten. "Es war wichtig, diese im Griff zu haben, damit sie nicht außer Kontrolle geraten", sagte Mercedes-Sportchef Wolff im Gespräch mit AFP und dem SID: "Wir haben es geschafft, aber manchmal war es hart."

Denn der Kampf der Silberpfeile um die WM-Krone war auch in diesem Jahr ein Privatduell, Psychospielchen gehörten dazu, es ging um kleinste Vorteile. Und immer wieder mal fühlte sich einer der Piloten vom Team ungerecht behandelt. Die letzte Kostprobe lieferte nun das Saisonfinale in Abu Dhabi. Sechsmal in Folge stand Rosberg jetzt auf der Pole Position, bei Hamilton sorgt das für Unmut, und nach dem Qualifying am Samstag suchte er den Grund für die plötzlich so deutliche Unterlegenheit in seinem Auto.

Großer Preis von Abu Dhabi: Qualifying FOTO: dpa, ss sam

Ein neuer Entwicklungsweg in den Mercedes-Garagen seit dem Rennen in Singapur im September habe das Set-Up "drastisch" verändert, sagte der Brite, und zwar zu seinem Nachteil. Zuvor habe der Vorsprung auf Rosberg im Qualifying meist "drei bis sechs Zehntel" betragen, nun habe er diese Zeit verloren: "Es mag so aussehen, dass die eine Seite sich deutlich verbessert hat. Aus meiner Sicht haben wir uns aber stark verschlechtert."

Wolff bestätigt indes Veränderungen am Auto, die allerdings beide Piloten in gleichem Maße betreffen. "Natürlich setzen wir unsere Entwicklungsarbeit am Auto fort", sagte der 43-Jährige: "Wir fügen vor jedem Rennen Teile hinzu, das Auto bleibt nicht das gleiche. Ist das der Grund, warum es einem Fahrer mehr liegt, als dem anderen? Das ist möglich, sicher bin ich mir nicht."

Die Gründe für Rosbergs jüngsten Aufschwung, der in dieser Saison zu spät kam, seien aber durchaus vielschichtig. "Nico ist gar nicht so fokussiert auf seinen Teamkollegen, er konzentriert sich sehr stark auf sich selbst, darauf, dass sein Auto zu ihm passt", sagte Wolff und hob erneut Rosbergs analytische Fähigkeiten hervor: "Die Anpassung des eigenen Fahrstils an das Auto gehört dazu. Gleichzeitig muss das Set-Up des Autos auf den Fahrer zugeschnitten werden."

Zudem sei nicht auszuschließen, dass Hamilton nachgelassen habe, seit er den Titel vor rund einem Monat in Austin perfekt gemacht hatte. "Es gibt ja einen bewussten Bereich, und da bin ich mir sicher, dass er noch immer attackiert", sagte Wolff: "Aber vielleicht hat es einen Einfluss auf das Unbewusste, weil er schon all seine Ziele erreicht hat. Vielleicht ist weniger Adrenalin im Spiel."

In jedem Fall sei Rosbergs jüngstes Hoch ein Indikator für die Kräfteverhältnisse in der kommenden Saison. "Ich erwarte, dass es im kommenden Jahr wieder sehr intensiv und eng zwischen den beiden wird", sagte Wolff: "Die jüngsten Leistungen von Nico haben uns einen ersten Eindruck davon vermittelt."

(areh/sid)
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