| 16.09 Uhr

Formel 1
Hamilton siegt im Regen-Chaos von Monte Carlo

Bilder: Hamilton feiert ausgelassen mit Pokal und Justin Bieber
Bilder: Hamilton feiert ausgelassen mit Pokal und Justin Bieber FOTO: ap, MDB
Monte Carlo. Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton hat mit etwas Glück und einer fahrerischen Meisterleistung den Großen Preis von Monaco gewonnen und sich im Kampf um den WM-Titel mit seinem ungeliebten Mercedes-Stallrivalen Nico Rosberg zurückgemeldet.

Der Brite hielt im Fürstentum den bärenstarken Red-Bull-Piloten Daniel Ricciardo auf Abstand und verdarb Rosberg seinen möglichen vierten Monaco-Triumph in Serie. Der Wiesbadener landete nur auf Platz sieben, Ferrari-Star Sebastian Vettel wurde Vierter.

"Der Tag ist so gelaufen, wie ich mir das erhofft hatte. Ich bin jetzt ehrlich gesagt ziemlich sprachlos. Ich habe für einen Tag wie heute gebetet", sagte Hamilton auf dem Podium: "Ich möchte meinem Team für dieses unglaubliche Auto danken. In der WM ist jetzt noch ein langer Weg zu gehen."

Der 31-jährige Hamilton, der den 44. Sieg seiner Karriere und den ersten seit sieben Monaten feierte, profitierte allerdings auch von einem peinlichen Fauxpas der Red-Bull-Boxencrew. Diese hatte beim zweiten Stopp nicht die richtigen Reifen für den lange Zeit führenden Ricciardo (Australien) bereitstehen. Hamilton nahm das Geschenk an und landete saisonübergreifend erstmals nach acht Rennen wieder vor Rosberg. "Ich weiß nicht, was da passiert ist. Das nervt", sagte Ricciardo: "Wir hatten den Speed, der zweite Platz ist da undankbar."

Rosberg in der WM noch vorne

In der Gesamtwertung führt Rosberg nach dem sechsten von 21 Saisonläufen mit 106 Punkten trotzdem noch vor dem dreimaligen Champion Hamilton (82) und Ricciardo (66). Weltmeister Sebastian Vettel (60) liegt auf dem fünften Rang.

Nachdem an der Mittelmeerküste wegen starken Regens hinter dem Safety Car gestartet wurde, zog Ricciardo anschließend schnell davon und baute seinen Vorsprung vor den Silberpfeilen auf mehr als zehn Sekunden aus. Überraschend kam das nicht, denn der 26-jährige Ricciardo hatte seine starke Verfassung mit der Pole Position am Samstag bereits angedeutet.

Ohne Frage ist in Monacos engen Straßenschluchten eine Menge Mut gefragt. Beim spektakulärsten aller Rennen in der Königsklasse wird jeder Fehler gnadenlos bestraft. Das bekam auch Barcelona-Sieger Max Verstappen (Niederlande) zu spüren. Der 18-Jährige krachte Mitte des Rennens in die Streckenbegrenzung und schied aus. Ein ähnliches Schicksal ereilte kurz zuvor auch Vettels Ferrari-Teamkollegen Kimi Räikkönen (Finnland).

Ricciardo kam derweil entgegen, dass Rosberg auf der nassen Piste nicht folgen konnte, da der Vizeweltmeister seine Bremsen nicht auf Temperatur bekam. Seit 2013 hatte er dreimal in Serie im zweitkleinsten Staat der Erde gewonnen, musste seinen deutlich schnelleren Dauerrivalen Hamilton auf Anweisung des Teams jedoch in Runde 16 vorbeiziehen lassen. Er verlor den Anschluss und hatte keine Chance auf seinen fünften Saisonsieg. Auch Vettel fuhr der Spitze nur hinterher und musste Rang drei überraschend Sergio Perez im Force India überlassen.

Ricciardo verliert Führung in der Box

Ricciardo, der zuletzt im August 2014 in Belgien gewonnen hatte, hielt Hamilton zwar lange auf Abstand, doch in der Box verlor er schließlich ohne eigenes Verschulden die Führung. Als er auf Trockenreifen wechseln wollte, standen diese nicht bereit, er musste mehrere Sekunden tatenlos zuschauen und Hamilton zog am Ausgang der Boxenausfahrt haarscharf vorbei.

Anschließend entwickelte sich ein packendes Duell. Immer wieder attackierte Ricciardo, Hamilton hielt mit allen Mitteln dagegen. Beim vergangenen Rennen in Spanien war der dreimalige Weltmeister noch in der ersten Runde ausgeschieden, nachdem er mit Rosberg kollidiert und ins Kiesbett gerutscht war.

Hamiltons erster Sieg seit Oktober 2015 war Balsam für seine Seele. Immer wieder hatte er zuletzt Pech oder technische Probleme. Auch am Samstag im Qualifying streikte sein Bolide kurzzeitig und Hamilton zeigte sich davon extrem genervt: "Das ist ja schon zur Normalität geworden." Als er etwas mehr als 24 Stunden später jubelnd ins Ziel fuhr, war das jedoch vergessen.

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