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Grand-Prix droht ein Rennen ohne Flair zu werden: Nichts los in Indianapolis

zuletzt aktualisiert: 27.09.2001 - 09:41

Indianapolis (rpo). Karten und Hotelbetten gibt es fast umsonst, die Tische in den sonst vollbesetzten Restaurants sind frei. Im amerikanischen Indianapolis will vor dem Formel-1-Grand-Prix keine Stimmung aufkommen. Die Veranstaltung droht ein Rennen ohne Flair zu werden.

Die Formel-1-Hauptstadt der USA scheint in einem Dornröschenschlaf zu liegen. Vier Tage vor dem 16. Weltmeisterschaftslauf in der Königsklasse war in Indianapolis von der gewohnten Motorsport-Euphorie weit und breit nichts zu spüren. Die leidenschaftlichen Fans aus Nah und Fern in ihren kunterbunten Kultkleidungen, die in der Metropole des US-Bundesstaates Indiana noch im Vorjahr jedem auf Schritt und Tritt ins Auge stachen, wurden schmerzlich vermisst. In Restaurants, in denen in der Rennwoche ohne mehrtägige Vorbestellung kein Platz erhältlich ist, werden sofort freie Tische zugewiesen.

Hotelbetten und Eintrittskarten werden vor dem am Sonntag (20.00 Uhr MESZ) stattfindenden Grand Prix feilgeboten wie Sauerbier. Da ganze Heerscharen von Sponsoren ihren Übersee-Trip absagten, können Journalisten jetzt deren im Voraus bezahlte Suiten - pro Nacht bis zu 1000 Dollar - kostenlos beziehen. Und auch auf der Rennstrecke scheint das Leben stillzustehen. Von den Formel-1-Piloten ließen sich am Mittwoch nur Jos Verstappen, Giancarlo Fisichella und Jenson Button kurz blicken. Einige zivile Sicherheitskräfte versahen an den verriegelten Eingängen gewissenhaft ihre Aufsichtspflicht, ansonsten war der von der Sonne überflutete "Indianapolis Motor Speedway" verwaist.

"Wir schreiben nicht nur ein anderes Jahr, wir schreiben auch eine völlig andere Zeit, nichts wird mehr so sein wie vor zwölf Monaten, leider", sagte Pamela Rubin mit trauriger Stimme. Die adrette Mittvierzigerin ist Besitzern eines nur einen Steinwurf vom Hochgeschwindigkeitskurs entfernt gelegenen Hotels.

Dass sie in dieser Woche, wie alle anderen aus ihrer Branche, einen Umsatzeinbruch erleben wird, ist absehbar. Die Wiedergeburt des Großen Preis der USA wollten im Vorjahr über 200 000 Zuschauer sehen. Diesmal werden 50 000 weniger erwartet. "Der Schock nach den Terroranschlägen sitzt einfach noch zu tief. Die meisten Menschen können eben nicht so schnell auf den Alltag umschalten. Ich kann es eigentlich auch nicht", gestand die gebürtige Kalifornierin.

Nicht nur sie hätte in der gegenwärtigen Situation vollstes Verständnis gehabt, wenn Superstar Michael Schumacher seinen Ferrari in der Garage gelassen hätte. "Das wäre doch eine nachvollziehbare, konsequente Haltung gewesen. Schließlich ist er doch auch nur ein Mensch, der natürlich auch Angst hat", stellte Norman Miller fest, der ein bekennender Fan des 32-jährigen Deutschen ist.

Der Chef eines renommierten Restaurants in Downtown fand es bedauerlich, dass sich der Kerpener "offensichtlich dem Druck der Formel-1-Bosse gebeugt hat. Wenn man ihm dafür den Weltmeistertitel aberkannt hätte, wäre das ein Armutszeugnis für den Internationalen Verband gewesen", bemerkte Miller. "Für uns wäre Schumi zeitlebens der Champion geblieben. Würde er nicht starten, würde er sich ein spezielles Denkmal setzen und sich für immer unsterblich machen".

Nicht nur wegen der Furcht vor neuen Terrorakten und der bereits entschiedenen Weltmeisterschaft seien tausende Reisen kurzfristig storniert worden, sagte Polizeichef Jacki Goss. Viele Amerikaner hielt vor allem der Geldbeutel ab. "Zehntausende verlieren überall ihren Job. Wir befinden uns auf wirtschaftlicher Talfahrt und niemand weiß, wo sie endet", betonte Goss, der eines jedoch versprach: "Angst braucht auf unserem Speedway niemand zu haben. Die von uns getroffenen Sicherheitsvorkehrungen könnten nicht besser sein."

Quelle: RPO Archiv

 
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