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Formel-1-Star im Interview
Nico Rosberg: "Elternrolle ist eine Riesenverantwortung"

Fotos: Rosberg – Deutscher, Monegasse, Weltmeister
Fotos: Rosberg – Deutscher, Monegasse, Weltmeister FOTO: ap, EM
Exklusiv Drei Rennen, drei Siege  - der Start in die WM-Saison hätte für Formel-1-Fahrer Nico Rosberg nicht besser sein können. Im Interview mit unserer Redaktion kurz vor einem Videodreh für Hugo Boss (seit 2015 der Ausstatter des Formel-1-Teams von Mercedes) im Bekleidungsgeschäft an der Königsallee in Düsseldorf erzählt der modebewusste 30-Jährige, warum Erfolge über Teamrivale Lewis Hamilton besonders wertvoll sind, wie er seine Rolle als Vater erlebt und was sich in der  Königsklasse ändern muss.

Es gibt in der Formel-1-Geschichte drei Fahrer, die die ersten drei Saisonrennen gewonnen haben. Juan Manuel Fangio, Michael Schumacher und Sebastian Vettel wurden anschließend Weltmeister. Werden Sie der Vierte?

Rosberg Keiner von den dreien hatte Lewis Hamilton als Teamkollegen. Das ist das Entscheidende. Deshalb wird es wie in den vergangenen beiden Jahren, als er mich geschlagen hat, eine große Herausforderung. Er ist halt momentan die Messlatte in der Formel 1.

Erleben Sie derzeit die schönste Phase in Ihren zehn Jahren Formel 1?

Fotos: Rosberg lässt sich von seinem Team feiern FOTO: dpa, lbb ay

Rosberg Was heißt Phase? Wir haben drei Rennen hinter uns. Die Saison ist mit 21 Rennen die längste in der Geschichte. Da sind drei Rennen und drei Siege eine Momentaufnahme.

Als Lewis Hamilton in Schanghai Pech mit dem Auto hatte und im Rennen vom letzten Startplatz losfahren musste, haben Sie nach Ihrem Sieg gesagt, dass Sie den Kampf mit ihm vermisst haben. Ironie?

Rosberg Da bin ich zweigeteilt. Natürlich freue ich mich über eine Pole Position oder den Sieg. Aber mehr Euphorie und Freude kommen raus, wenn ich ihn schlagen kann, wenn er in meinem Getriebe hängt.

Pressestimmen: "Drache Rosberg auf der Flucht" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Sie wurden als Teamplayer, als zu weich dargestellt, jetzt als egoistisch, zupackend, knallhart. Finden Sie sich in solchen Beschreibungen wieder? Interessiert Sie dieses Bild, das in der Öffentlichkeit von Ihnen gezeichnet wird?

Rosberg Ich sehe kein Bild in der Öffentlichkeit, weil ich keine Zeitungen lese. Ich bin zu Hause bei meiner Familie, ich trainiere, ich bespreche mich mit meinen Ingenieuren. Die öffentliche Meinung interessiert mich nicht.

Bei wem suchen Sie Rat in Phasen, in denen es nicht so gut läuft? Mit wem tauschen Sie sich aus?

Rosberg Mit meiner Frau, meinem Vater und meiner Mutter, dem Rennteam und dessen Führung mit Toto Wolff, Niki Lauda und Paddy Lowe, die stets eine bedeutende Meinung haben.

1982 wurde Ihr Vater Weltmeister. Nerven die Vergleiche mit ihm?

Rosberg Überhaupt nicht. Ich bin sehr stolz auf das, was mein Vater erreicht hat. Weltmeister in der Formel 1 ist das höchste Ziel. Die Vergleiche waren zu Beginn meiner Karriere häufiger. Das war schon manchmal schwierig. Aber jetzt ist das kaum noch ein Thema.

Wie intensiv können Sie die Entwicklung Ihrer Tochter verfolgen?

Rosberg Ich habe sehr großes Glück, denn in meinem Sport ist auch immer Zeit für die Familie da. Zwischen den Rennen gibt es immer ein paar Tage, an denen ich zu Hause sein kann.

Können Sie denn eine Milchflasche fürs Baby auch zubereiten oder nur aufwärmen?

Rosberg Ich helfe schon gerne. Natürlich macht Vivian das meiste. Aber ich helfe, wo ich kann, und bin schon in der Lage, gewisse Kleinigkeiten selber zu machen.

Was ist das Beeindruckendste für Sie an der Elternrolle? 

Rosberg Dieser Mensch wäre ohne uns hilflos. Das ist eine Riesenverantwortung.

Soll die Kleine bald mit an die Rennstrecke kommen?

Rosberg Momentan eher nicht, weil es den beiden einfach besser geht, wenn sie zu Hause in der gewohnten Umgebung sind. Es bringt nichts, sie an die Rennstrecke mitzunehmen. Das wäre für keinen ein Genuss.

Ist daran gedacht, die Familie noch zu vergrößern?

Rosberg Ich habe mir immer gewünscht, eine Fußballmannschaft zu Hause zu haben. Aber da sind Vivian und ich komischerweise nicht derselben Meinung (lächelt).

Früher hieß es, wenn Kinder da sind, werden die Rennfahrer langsamer. Waren ihre Vorgänger Weicheier?

Rosberg Da ist die Legende, dass man eine halbe Sekunde pro Runde langsamer wird bei jedem Kind. Bei mir hilft es momentan, das Drücken der kleinen Däumchen.

Ist die Abschaffung des neuen Qualifying-Formats eine gute Entscheidung?

Rosberg Ich finde, es war einen Versuch wert. Es hat nicht geklappt, und wir haben zurückgebaut. Wir müssen Sachen versuchen. Jetzt haben wir vielleicht nicht die perfekte, aber doch eine sehr gute Lösung.

An diesem Dienstag tagt die Strategiekommission. Was erwarten Sie?

Rosberg Es wird ein entscheidender Tag. Es geht um die Regeln fürs nächste Jahr. Ich hoffe, dass die Entscheider da cool überlegen. Momentan, glaube ich, geht die Formel 1 nicht in  die richtige Richtung.

Wie groß ist die Gefahr, dass sich die F1 weiter von ihrer Basis entfernt? Fehlende Zuschauer vor Ort bei den WM-Läufen, nach Marketing-Gesichtspunkten ausgewählte Rennstrecken. Man geht in Länder ohne Motorsporttradition, nur weil es um neue Absatzmärkte für die Hersteller geht – geht es auch noch um Sport?

Rosberg Wir haben drei sehr spannende Rennen gesehen mit viel Action. Es hat  auch den Zuschauern am Fernseher Spaß gemacht. Und den zahlreichen Zuschauern an der Strecke in China auch. Alles andere ist dann nicht so wichtig. Wir sind nach wie vor ein toller Sport, aber er könnte natürlich noch besser sein. Man darf nicht in der Kritik der Vergangenheit kleben bleiben, sondern muss offen sein für neue Meinungen. In dieser Saison ist der Sport bislang wieder auf einem Hoch. Er ist interessant für die Zuschauer - und für mich auch.

Wie wirkt sich das Funkverbot aus? Macht es die Arbeit  für die Fahrer schwieriger?

Rosberg Das Funkverbot wollten die Fans, weil wir Fahrer zu sehr als Marionetten gesehen wurden. Für uns ist es nun schwieriger. Wir sind mehr auf uns alleine gestellt. Das ist gut. Es passieren halt schon ein paar mehr Sachen im Rennen.

Wenn der Fahrer Nico Rosberg Wünsche frei hätte für die Zukunft der Formel 1, welche wären das?

Rosberg Dass man besser überholen kann, aber das Wie ist die große Frage. Und dass die Art und Weise, wie derzeit in der Formel 1 die Entscheidungen getroffen werden, überdacht wird in der Führungsetage. Das geht besser -  und das ging schon besser.

Ein Blick aufs kommende Wochenende. Kann Ferrari gefährlich werden?

Rosberg Die haben alles versemmelt, was man versemmeln kann in den ersten drei Rennen. Wir haben von ihnen bis jetzt noch nichts gesehen. Die sind mit Sicherheit nahe an uns dran.

Folgt am Sonntag in Sotschi der nächste Rosberg-Sieg?

Rosberg So einfach ist das nicht. Aber ich werde alles geben.

In welchem Outfit fühlen sie sich eigentlich wohler? Rennmontur oder Anzug?

Rosberg Auf der Strecke fühle ich mich im Rennanzug schon wohler, privat und auf Veranstaltungen trage ich aber sehr gerne coole Anzüge. Von Boss trage ich immer maßgeschneiderte Anzüge. Ich kann Material, Knöpfe sowie die Farbe selbst bestimmen. Ich bin schon sehr modebewusst. 

Das Gespräch führten und Eckhard Czekalla.

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