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Neuer Formel-1-Weltmeister
Rosbergs Meisterstück

Rosberg und Frau Vivian duschen im Champagner
Rosberg und Frau Vivian duschen im Champagner FOTO: afp
Abu Dhabi/Düsseldorf. Nico Rosberg entwickelte sich von der "faulen Sau" zum Weltmeister in der Formel 1 – der Mercedes-Pilot krönt mit dem Titel seine lange Motorsportkarriere. Von Eckhard Czekalla

Auch diesmal kam die SMS. So wie jeden Samstagabend vor einem Formel-1-Rennen. Darin stand: "Vollgas geben!" Absender war Keke Rosberg, Vollgas konnte sein Sohn Nico beim Saisonfinale in Abu Dhabi nicht immer geben, vor allem nicht in der spannenden Schlussphase, als Teamrivale Lewis Hamilton absichtlich langsam fuhr, der Engländer aber vergeblich auf Schützenhilfe hoffte. "Das ist ein Kindheitstraum, der jetzt in Erfüllung gegangen ist", sagte der Mercedes-Pilot. Seit 2006 startet er in der Königsklasse, in Abu Dhabi schaffte er das, was zuvor nur 33 Rennfahrern gelang: Er holte sich den WM-Titel.

Mit sechs Jahren saß Rosberg erstmals in einem Kart. Das Ziel, Rennfahrer zu werden, stand früh fest. Kein Wunder bei einem Vater, der 1982 mit nur einem Saisonsieg den WM-Titel in der Formel 1 gewann. "Die Türen gehen für mich leichter auf. Doch es liegt an mir, sie offen zu halten", sagte Rosberg jr, als er noch in der GP2-Klasse unterwegs war. "Mein Vater hat meinen Weg massiv unterstützt. Ich bin sehr dankbar, dass er beiseitegetreten ist und mir meinen Weg freigeben hat", sagte Nico nach seinem großen Triumph. Damit waren weniger die Tipps zum Fahren eines Rennwagens gemeint als vielmehr Ratschläge und Vermittlung von Erfahrungen, die Keke während seiner Karriere sammelte.

Nico, der in Wiesbaden geboren wurde, wuchs in Monte Carlo auf. Dort ging er zur Schule (Abiturnote: 2,1). Dort wohnt er noch immer mit seiner Frau Vivian, seiner Kindergartenliebe, und der kleinen Tochter Alaina. Die Familie bezeichnet er als wesentlichen Faktor für seine Erfolge.

Rosberg umarmt nach WM-Triumph seine Mutter FOTO: ap, EM

Richtig los ging es mit seiner Karriere am 3. Dezember 2002. Damals durfte er nach dem Gewinn der Formel-BMW-Meisterschaft als Belohnung ein Formel-1-Auto fahren. Statt 140 PS waren es nun fast 900, die auf die Straße gebracht werden mussten. Für Nico Rosberg war klar. Das ist die Serie, in der er mitfahren will. "Aber mir wurde auch bewusst, dass mehr dazu gehört, als sich einfach in ein Auto zu setzen." Rosberg, der sich im Blick zurück auf seine ersten Jahre im Motorsport schon mal als "faule Sau" beschrieben hat, arbeitete seriös auf sein neues Ziel hin.

2007 war es dann so weit. Nico Rosberg saß im Formel-1-Renner des englischen Williams-Teams. Nachdem sein Wechsel zu Mercedes (2010) schon feststand, überraschten die Silberpfeile mit einer Personalie, mit der auch Rosberg nicht gerechnet hatte. Die Schwaben holten Rekordweltmeister Michael Schumacher, der drei Jahre pausiert hatte, zurück ins Formel-1-Cockpit. Viele trauten Rosberg nicht zu, sich gegen die lebende Legende behaupten zu können. Doch er schaffte es. Er stellte sich auch der Herausforderung, als 2013 in Lewis Hamilton ein weiteres Alphatier ins Team kam. Beide kannten sich aus gemeinsamen Kartzeiten. Doch aus Freunden wurden Rivalen, vor allem Hamilton setzte immer wieder Nadelstiche, versuchte Rosberg zu erschüttern.

Seit 2014 saßen beide Fahrer in einem Auto, mit dem man um Siege fahren konnte. Mehr noch. Der Mercedes war der dominierende Rennwagen. Zweimal gewann Hamilton den Titel, zweimal blieb für seinen Rivalen nur der zweite Platz. Doch Rosberg zerbrach nicht am Egomanen von der Insel. Er zog seine Konsequenzen, wurde egoistischer, nutzte seine Stärken, die vor allem in der Vorbereitung auf ein Rennen liegen.

Dazu kam jener Moment, den der Deutsche nun als Wendepunkt bezeichnete. Beim WM-Lauf 2015 in den USA, als Hamilton seine erste Chance hatte, erneut Weltmeister zu werden, wurde er von Hamilton in der ersten Kurve von der Strecke gedrängt. Den Sieg verschenkte Rosberg gegen Rennende mit seinem Fahrfehler, doch die Aktion des Teamrivalen veränderte seine Einstellung zum Engländer.

In Abu Dhabi sorgte Hamilton mit seiner Langsamfahrt noch für viel Stress bei Rosberg. "Die letzten Runden mit zwei Jungs hinter mir - wenn ich da zurückfalle, habe ich alles verloren. Das war echt kein Spaß", sagte der 31-Jährige. Aber Sebastian Vettel und Max Verstappen, den er nach 20 Runden mit einem spektakulärer Aktion überholt hatte, konnten ihn nicht mehr abfangen. Vier Rennen in Folge hatte Hamilton gewonnen, viermal war Rosberg Zweiter geworden. Am Ende aber hatte er fünf Punkte Vorsprung - und nur das zählt.

Quelle: RP
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