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Formel 1 in Silverstone
Rosberg und das Auto verderben Hamilton die Laune

Großer Preis von Großbritannien: das freie Training
Großer Preis von Großbritannien: das freie Training FOTO: afp, bf
Silverstone. Nico Rosberg macht seinem Mercedes-Kollegen Lewis Hamilton vor dessen Heimrennen in Silverstone das Leben richtig schwer. Nach dem jüngsten Aufschwung des Deutschen ist das Titel-Duell der Formel 1 wieder völlig offen.

Seine Traumrolle als Heimspiel-Verderber probte Nico Rosberg schon auf dem Campingplatz von Silverstone. Neben dem benachbarten Wohnmobil des britischen Formel-1-Helden Lewis Hamilton werde er einen hohen Zaun aufstellen, scherzte der WM-Zweite und ermahnte seinen Mercedes-Kollegen: "Ich hoffe, er feiert nicht zu laute Partys." Am Sonntag will Rosberg im neunten Saisonlauf dann aus Spaß endgültig Ernst machen und die ultimative Hamilton-Sause beim Grand Prix von Großbritannien verhindern.

Das Formhoch des Deutschen ist die größte Sorge für die zehntausenden Motorsport-Fans von der Insel, die die ausverkaufte Strecke in der Grafschaft Buckinghamshire säumen werden. Hatte es in den ersten Monaten der Saison noch nach einem lockeren Durchmarsch für Hamilton zum dritten Titel ausgesehen, erscheint der Zweikampf der Silberpfeil-Lenker nun wieder völlig offen.

"Ich gebe nie auf, mache immer weiter", sagte Rosberg. Im Training von Silverstone ließ er sich am Freitag auch von einem frühen Getriebeschaden nicht beirren und raste in beiden Einheiten zur Bestzeit. Hamilton kam nicht über die Plätze zwei und vier hinaus, am Nachmittag waren sogar die beiden Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel schneller.

"Ich kann nicht schneller fahren"

"Das Auto macht was es will, ich kann einfach nicht schneller fahren", ließ der genervte Titelverteidiger seinen Kommandostand wissen, für den angepeilten Heimsieg am Sonntag (14 Uhr/Live-Ticker) muss Hamilton sich deutlich steigern. Dann wolle er "ganz Silverstone erzittern" lassen, hatte der Lokalmatador zuletzt großspurig angekündigt, am Freitag sorgte Rosberg allerdings erstmal ziemlich abgeklärt für Ruhe auf den gut gefüllten Tribünen. "Es kommt hoffentlich noch einiges, sonst haben wir ein Problem", sagte der Brite nach seiner durchwachsenen Vorstellung.

Rosberg, der gerade 30 geworden ist, hat gelernt, mit Zweifeln zu leben. Zu Beginn seiner Karriere in der Formel 1 wollten viele in ihm nur den verwöhnten Sohn des früheren Weltmeisters Keke Rosberg sehen. Seither wurde der gebürtige Wiesbadener immer wieder für gescheitert erklärt, zuletzt nach seiner knappen Niederlage im WM-Duell mit Hamilton im Vorjahr. "Zweifel sind normal. Ich arbeite mich einfach durch, drücke sie beiseite und überwinde sie mit Selbstbewusstsein", sagte Rosberg dem britischen "Guardian".

Auch als Hamilton diese Saison mit drei Siegen in vier Rennen startete und Rosberg anders als im Vorjahr Qualifikationsduelle in Serie verlor, hielt das Vertrauen des Deutschen in die eigene Stärke. "Es gibt viele Leute, die ihn immer wieder infrage stellen. Aber der kann alles", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Der jüngste Sieg in Österreich, als er Hamilton am Start bezwang und dann einfach davonfuhr, hat Rosberg zusätzlich bestärkt. Alle drei bisherigen Europa-Rennen hat er dieses Jahr gewonnen, diese Serie soll in Silverstone halten. "Ich habe noch zehn Punkte Rückstand auf Lewis und will den ganz schnell weiter verringern", sagte er.

Rosberg ist ein Tüftler, ganz anders als der Bauchmensch Hamilton. Er analysiert kühl und akribisch Fehler und Schwächen, seine Lernkurve ist auch im zehnten Formel-1-Jahr stetig steigend. "Mir war nach dem letzten Jahr bewusst, dass ich mich in den Rennen verbessern muss", erklärte er. Das ewige Streben nach Perfektion treibt ihn vorwärts.

Im Zuge der Selbst-Optimierung macht Rosberg auch nicht mehr jeden Scherz seines Arbeitgebers mit. In Silverstone erteilte er einem von Mercedes organisierten Wettrennen an der Ruder-Maschine eine Absage, weil er Kraft für das Grand-Prix-Wochenende sparen wollte. Hamilton dagegen ruderte mit, am Ende ging ihm die Puste aus.

Für Rosberg gibt es derzeit nur eine höchst willkommene Ablenkung: In wenigen Wochen wird er Vater einer Tochter. Hält sein sportlicher Aufschwung bis dahin an, könnte Rosberg diesen Glücksmoment durchaus als Formel-1-Spitzenreiter erleben.

(dpa/sid)
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