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Pirelli-Boss
Hembery: "Dann müssen sie sich einen anderen suchen"

Formel 1: Die Quali-Duelle 2015
Formel 1: Die Quali-Duelle 2015 FOTO: dpa
Paul Hembery, Motorsport-Direktor von Pirelli, kämpft nach den spektakulären Reifenplatzern von Nico Rosberg und Sebastian Vettel beim Rennen in Spa um den Ruf des Reifenherstellers. Im Interview spricht der Brite über die Zukunft der Italiener in der Formel 1 und seine Wünsche.

Was war Ihre erste Reaktion, nachdem Sie von der heftigen Kritik Sebastian Vettels in Spa erfahren haben?

Paul Hembery Ich verstehe die erste Reaktion eines Fahrers, wenn er nach so einem Vorfall aus dem Auto steigt, aber eigentlich haben wir den Aussagen nicht viel Beachtung geschenkt, waren vielmehr an den Fakten interessiert und haben unseren Fokus darauf gelegt.

Aber die Aussagen kamen vom viermaligen Weltmeister. Hat das nicht eine besondere Note?

GP von Italien 2015: das Qualifying FOTO: afp, vel

Hembery Den Fahrern wird generell zugehört, deshalb würden wir uns wünschen, dass solche Aussagen hinter geschlossenen Türen getätigt werden.

Vettels Aussage, die Reifen seien seit Jahren miserabel, muss Sie besonders getroffen haben. Seit Silverstone 2013 waren die Reifen kein Thema mehr gewesen...

Hembery Das ist sehr richtig. Seit Silverstone hat es nicht die leiseste Kritik gegeben. Aber wir haben inzwischen lange mit Sebastian gesprochen, er hat verstanden, worum es uns geht. Wir möchten eine bessere Zusammenarbeit mit den Fahrern haben, möchten wissen, was sie von der Formel 1 wollen, aber es geht auch darum, was die Formel 1 selbst will.

Die wichtigsten Formel-1-Rekorde FOTO: AFP

Welche Veränderungen müssen stattfinden?

Hembery Wir können nicht vernünftig testen, können keine Reifen auf ein aktuelles Formel-1-Auto packen und Entwicklungsarbeit betreiben. Das muss sich ändern in der Zukunft. Zudem müssen die Fahrer in unser Testprogramm involviert sein. Das wird essentiell sein, wenn wir ab 2017 weitermachen wollen. Im Grunde können wir 2017 nicht weitermachen, wenn diese Dinge nicht passieren. Das wäre das Ende. Mit den angedachten größeren Reifen muss es die Möglichkeit für den Ausrüster geben, ein Produkt zu entwickeln, welches uns erlaubt, das zu liefern, was gefordert wird.

Gab es Überlegungen, die Formel 1 zu verlassen?

Hembery Es kann manchmal ein sehr undankbarer Job sein. Aber die Formel 1 ist ein guter Sport, in dem vieles stimmt. Das heißt aber nicht, dass es keine Dinge gibt, die man ändern könnte und sollte. Insgesamt wollen wir in der Formel 1 bleiben, bestimmte Sachen müssen sich aber ändern. Die Erwartungen müssen viel realistischer sein, basierend darauf, was wir machen können und was nicht.

Haben die Teams verstanden, dass sie enger mit Ihnen zusammenarbeiten müssen?

Hembery Das hoffe ich doch. Wenn sie es nicht haben, müssen sie sich ab 2017 einen anderen Ausrüster suchen.

Trotzdem wollen Sie auch in der nächsten Periode ab 2017 weiter dabei sein...

Hembery Ja, aber es muss klare Garantien geben, dass die angesprochenen Punkte umgesetzt werden.

Bernie Ecclestone hat sich in diesen Tagen für Sie stark gemacht. Wie wichtig ist diese Rückendeckung?

Hembery Es ist wichtig für den Sport. Sollten wir nicht weitermachen, brauchen sie ja trotzdem einen Reifenausrüster. Und wenn sich andere Leute angucken, was hier manchmal passiert, könnten sie den Eindruck gewinnen, dass es nicht möglich ist, den Job so zu machen, wie man es möchte. Die Formel 1 muss zeigen, dass sie mit Partnern arbeiten kann.

Für 2017 stehen tiefgreifende Veränderungen ins Haus, nicht nur, aber auch bei den Reifen. Werden die Neuerungen die Formel 1 wieder populärer machen?

Hembery Die Autos werden anders aussehen, schneller sein. Das ist das, was die Leute wollen. Aber es geht nicht nur um die Autos, es geht auch um die Persönlichkeiten in dem Sport. Die Fahrer müssen mehr zu Stars werden, zu allgemein bekannten Superstars. Wie zum Beispiel Lewis Hamilton, er ist sehr präsent, in den Medien, im Showbusiness. Davon brauchen wir mehr. Die Gesichter der Fahrer müssen mehr in den Fokus der Allgemeinheit gerückt werden, im Auto tragen sie schließlich einen Helm. Die Leute wissen gar nicht, wie sie aussehen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir 20 Superstars haben.

Die Fahrer müssen also wichtiger als die Teams sein?

Hembery Der Fahrer muss der König sein. In jedem Sport muss der Aktive der König sein. Es gibt eine Menge Technologie in der Formel 1, vielleicht zu viel. Die Leute wollen ihre Helden, die sie auf ein Podest stellen können. Das ist im Moment nicht immer der Fall, und das muss sich ändern.

(sid)
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