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Formel 1: Räikkönen siegt am Bosporus

zuletzt aktualisiert: 21.08.2005 - 15:48

Istanbul (rpo). Der Finne Kimi Räikkönen hat den ersten Großen Preis der Türkei zu seinen Gunsten entschieden und damit das Formel-1-Titelrennen noch spannender gemacht. Der Silberpfeil-Pilot feierte seinen fünften Saisonsieg und verwies WM-Spitzenreiter Fernando Alonso im Renault auf den zweiten Platz.

Der Spanier profitierte allerdings von zwei Fahrfehlern des Kolumbianers Juan Pablo Montoya im McLaren-Mercedes, der dadurch einen sicheren zweiten Rang verspielte und nur Dritter wurde. Im WM-Klassement führt Alonso nach dem 14. von 19 Rennen mit 24 Punkten Vorsprung auf Räikkönen. Weltmeister Michael Schumacher schied nach einer Kollision und zwei langen Boxenstopps an letzter Stelle liegend sieben Runden vor Schluss endgültig aus.

Rund 70 000 Zuschauer fanden trotz für türkische Verhältnisse sehr hoher Eintrittspreise den Weg zum neu errichteten "Istanbul Park Circuit", um bei der Türkei-Premiere der Formel 1 live dabei zu sein. Während des gesamten Rennens duellierten sich die McLaren und die Renaults um die Podiumsplätze. Räikkönen hatte dabei nur direkt nach dem Start für eine halbe Runde Giancarlo Fisichella vor sich. Nachdem er den Italiener überholte, gab er seine Spitzenposition aber nicht mehr ab und fuhr das Rennen fehlerfrei nach Hause.

Rabenschwarzer Tag für Schumi und Ferrari

Für Schumacher war der Kampf um eine Top-Platzierung schnell beendet. Der Ferrari-Star, der nach einem missglückten Qualifying nur vom 19. Startplatz aus in das Rennen gegangen war, wurde nach einer Kollision in der 14. von 58 Runden weit zurückgeworfen. Der 36-Jährige, der sich zu diesem Zeitpunkt auf den 10. Platz nach vorne geschoben hatte, wurde vom überrundeten BMW-Williams-Piloten Mark Webber umgedreht. Obwohl die Schuld für den Unfall nach Ansicht der Fernsehbilder mehr bei Webber lag, zeigte der Australier seinem Rivalen sichtlich entrüstet sogar noch einen "Vogel".

Schumacher fuhr mit dem beschädigten Ferrari sofort in die Box und setzte den 14. WM-Lauf des Jahres zunächst fort. Doch der rote Renner war nicht mehr fahrbar. Langsam rollte Schumacher über den Asphalt, steuerte zurück in die Box und stellte das Auto in der Garage ab.

Dort richteten die Mechaniker das Auto aber komplett wieder her und tauschten die Servolenkung. In der 35. Runde nahm der Kerpener den Grand Prix mit 19 Runden Rückstand wieder auf. Ziel der Aktion: vielleicht noch den einen oder anderen ausfallenden Kollegen hinter sich zu lassen, um beim Ferrari-Heimspiel in Monza (4. September) nicht als erster Fahrer in die Qualifikation starten zu müssen.

"Schadensbegrenzung für Monza"

Michael Schumacher habe nach der Kollision sofort gemerkt, dass mit der Lenkung seines Autos irgendwas nicht in Ordnung war. Und da wollte sein Team dann kein Risiko eingehen und habe sie gewechselt. "Das war ein super Job in der kurzen Zeit. Dann ging es nur darum, Schadensbegrenzung für Monza zu betreiben", sagte der Weltmeister, dem beim längsten Boxenstopp seiner Karriere nicht viel durch den Kopf ging: "Das ist eine etwas ungewöhnliche Situation für einen Rennfahrer, in der Box zu sitzen und zu warten. Dann plötzlich wieder ins Rennen einzugreifen, ist ein bisschen komisch."

Der verkorkste Abschluss sei für ihn keine große Überraschung gewesen, gab Schumacher zu: "Wir nehmen es, wie es ist. Hier waren für uns selbst Punkte nicht unbedingt zu erwarten." Der Blick sei schon vor diesem Rennen Richtung 2006 gegangen. "Ich denke aber, dass es wichtig ist, dass wir in diesem Jahr noch den Anschluss finden", sagte Schumacher.

Schumi II als bester Deutscher Zwölfter

Toyota-Pilot Ralf Schumacher landete mit einer Runde Rückstand nur auf dem 12. Platz, der Mönchengladbacher Nick Heidfeld schied nach zwei Reifenschäden am BMW-Williams ebenso wie sein Teamkollege Webber aus. "Nach einem sehr guten Qualifying ist es enttäuschend, kein Auto ins Ziel zu bringen. Nach jeweils zwei Reifenschäden haben wir beide Autos reingeholt. Die Ursache mit gemeinsam mit Michelin untersucht", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Beim Start hatte Räikkönen zunächst seine Führung an Fisichella verloren und kam als Zweiter aus der ersten Kurve. Im hinteren Feld wurde es turbulent. Sauber-Mann Felipe Massa touchierte Heidfeld, schleuderte dann quer über die Fahrbahn. Dadurch musste Ralf Schumacher auf die Wiese ausweichen und fiel weit zurück.

An der Spitze stellte Raikkönen noch vor Ende der ersten Runde die alte Rangfolge her, als er Fisichella überholte. In Runde zwei ließ der Römer dann auch seinen Teamkollegen Alonso vorbei, der danach zunächst am "Iceman" dran blieb. In Runde 13 musste der Spanier dann aber bereits zum ersten Mal zum Tanken an die Box und verlor dadurch seinen zweiten Platz an Montoya im zweiten Silberpfeil.

"Iceman" zufrieden

"Ich habe wieder zwei WM-Punkte auf Alonso gutgemacht, das ist besser als gar nichts und kann am Ende nochmal ganz wichtig sein", sagte Räikkönen, der Montoya keine Vorwürfe machte: "Das war ein bisschen Pech und kann passieren, so ist der Rennsport."

Die beiden McLaren-Mercedes-Piloten blieben auch nach ihren ersten Stopps in Runde 21 (Montoya) und 22 (Räikkönen) vor Alonso. Auch vor den zweiten Boxenstopps des Spitzentrios blieben die Silbernen rund 10 Runden länger auf der Strecke als Renault-Mann Alonso.

Ralf Schumacher hatte nach seinem unglücklichen Anfang keine wirkliche Chance mehr, in die Nähe der anvisierten Punkteränge zu fahren. Heidfeld schied in Runde 31 nach einem Dreher wegen seines zweiten Reifenschadens im Rennen aus.


STATISTIK:

Ergebnis Großer Preis der Türkei (14. WM-Lauf):

1. Kimi Räikkönen (FIN) McLaren-Merc. 1:24,345
2. Fernando Alonso (ESP) Renault +18,6
3. Juan Pablo Montoya (COL) McLaren-Merc. +19,6
4. Giancarlo Fisichella (ITA) Renault +37,9
5. Jenson Button (ENG) BAR-Honda 39,3
6. Jarno Trulli (ITA) Toyota +55,4
7. David Coulthard (GBR) Red Bull   +1:09,2
8. Christian Klien (AUT) Red Bull   +1:11,6
9. Takuma Sato (JPN) BAR-Honda +1 Runde
10. Rubens Barrichello (BRA) Ferrari +1 Runde
11. Jacques Villeneuve (CAN) Sauber +1 Runde
12. Ralf Schumacher (GER) Toyota +1 Runde
13. Robert Doornbos (BEL) Minardi + 3 Runden
14. Narain Karthikeyan (IND) Jordan + 3 Runden
15. Tiago Monteiro (POR) Jordan + 3 Runden

WM-Stand nach 14 von 19 Läufen:

1. Fernando Alonso (ESP) Renault 95
2. Kimi Räikkönen (FIN) McLaren-Mercedes 71
3. Michael Schumacher (GER) Ferrari 55
4. Juan Pablo Montoya (COL) McLaren-Mercedes 40
5. Jarno Trulli (ITA) Toyota 39
6. Giancarlo Fisichella (ITA) Renault 35
7. Ralf Schumacher (GER) Toyota 32
8. Rubens Barrichello (BRA) Ferrari 31
9. Nick Heidfeld (GER) BWM-Williams 28
10. Mark Webber (AUS) BWM-Williams 24
11. Jenson Button (ENG) BAR-Honda 23
12. David Coulthard (SCO) Red Bull 21
13. Felipe Massa (BRA) Sauber 8
14. Tiago Monteiro (POR) Jordan 6
14. Alexander Wurz (AUT) McLaren-Mercedes 6
14. Jacques Villeneuve (CAN) Sauber 6
17. Narain Karthikeyan (IND) Jordan 5
17. Christian Klien (AUT) Red Bull 5
19. Christijan Albers (NED) Minardi 4
19. Pedro de la Rosa McLaren-Mercedes 4
21. Patrick Friesacher (AUT) Minardi 3
22. Vitantonio Liuzzi (ITA) Red Bull 1
22. Takuma Sato (JPN) BAR-Honda 1

Quelle: sid

 
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