Grand Prix von Kanada: Ralf gewinnt vor Michael
zuletzt aktualisiert: 10.06.2001 - 22:04Montreal (rpo). Heute hatte der kleine das größere Glück. Ralf Schumacher hat im Williams-BMW vor seinem Bruder Michael den Großen Preis von Kanada in Montreal gewonnen und damit für den ersten Doppelsieg eines Bruderpaars in der Formel-1-Geschichte gesorgt. Der 25 Jahre alte Kerpener setzte sich beim zweiten GP-Sieg seiner Karriere mit 20,2 Sekunden Vorsprung gegen den Weltmeister im Ferrari durch.
Schumi II vor Schumi I: Der Grand Prix von Kanada ist am Sonntag zu einer "Formel Schumacher" geworden, bei der Ralf in einem historischen Bruder-Duell über Weltmeister Michael triumphierte und damit die Hierarchie auf den Kopf stellte. Die Schumachers schrieben in Montreal erneut Formel-1-Geschichte, denn noch nie waren Brüder auf den Plätzen eins und zwei gelandet. Trotz der Niederlage gegen Ralf mit 20,2 Sekunden Rückstand durfte sich auch Michael als Sieger fühlen, er ist der Titelverteidigung im 8. Saisonrennen wieder ein Stück näher gekommen. Mit 58 Punkten vergrößerte er seinen Vorsprung auf David Coulthard (Schottland), der mit einem Motorschaden an seinem McLaren-Mercedes 14 Runden vor Schluss ausschied und bei 40 Zählern stehen blieb.
"Unsere Eltern werden sehr stolz sein", sagte Michael Schumacher hinterher in der Pressekonferenz. "Das erste Brüderpaar auf eins und zwei. Den zweiten Sieg für Ralf, für mich sechs sehr wichtigte Punkte. Das ist ein guter Tag für die Familie." Ralf lobte Auto und Reifen als "fantastisch. Es war ein tolles Rennen. Ich habe auf einen Fehler von Michael gewartet, vergeblich. Wir beide haben einen tollen Job gemacht. Dann hat die Boxenstrategie entschieden". Während des Rennens "habe ich immer gefühlt, dass ich die Oberhand hatte". Auch BMW-Motorenchef Mario Theissen freute sich sehr: "Unsere Strategie ist total aufgegangen. Das Auto war fehlerfrei. Nach zehn Runden haben wir geahnt: Das kann aufgehen. Ralf hatte einfach den stärkeren Motor."
Für Ralf, der von Bruder Michael schon vor dem Rennen zum schärfsten Widersacher erklärt wurde, war es nach seinem Erfolg am 15. April im Imola im 74. Grand Prix der zweite Sieg. Durch den Ausfall von Coulthard geht Michael Schumacher mit 18 Punkten Vorsprung in 14 Tagen auf den Nürburgring. Ralf Schumacher (22 Punkte) ist nun Vierter hinter Rubens Barrichello (24). Als dritter von Montreal sicherte sich der Finne Mika Häkkinen auf seinem McLaren-Mercedes erstmals in dieser Saison einen Platz auf dem Siegertreppchen.
Vor 120 000 Zuschauern am Circuit Gilles Villeneuve auf der Insel Notre Dame am St. Lorenz-Strom gab es einen kollisionsfreien Start, bei dem Michael Schumacher seine insgesamt 38. Pole-Position problemlos gegen seinen Bruder und Coulthard verteidigte. Für die größte Aufregung der ersten Rennphase sorgte Barrichello. Erst schob sich der Brasilianer vom fünften auf den dritten Platz vor. Dann leistete sich der Ferrari-Pilot in der sechsten Runde einen Dreher, der ihn aussichtslos auf den 14. Rang zurück warf.
In der 20. von 59 Runden über 305,049 km wurden die Karten neu gemischt, als der brasilianische Williams-BMW-Pilot Juan Carlos Montoya in die Barriere knallte und Landsmann Barrichello bei seinem Ausweichversuch ebenfalls an der Leitplanke strandete. Durch den Safty Car-Einsatz verloren die Schumacher-Brüder ihren kostbaren 14- Sekunden-Vorsprung auf Coulthard, der somit zum großen Nutznießer dieses Doppel-Crashs wurde. Doch das half dem Schotten nicht. Sein Silberpfeil war auf der Stop-and-Go-Strecke, die Reifen und Bremsen auf das höchste strapazierte, nicht siegfähig. Schießlich musste er ihn mit einem Motorschaden abstellen.
Für die beiden anderen deutschen Fahrer wurde der Große Preis von Kanada zum Pech-Rennen. Bereits in der zweiten Runde kam für den Mönchengladbacher Nick Heidfeld im Sauber-Petronas nach einem Crash mit dem Briten Eddie Irvine (Jaguar-Cosworth) das Aus. "Das war ein hundertprozentiger Irvine-Fehler. Er fuhr mir hinten rein", berichtete Heidfeld. Heinz-Harald Frentzen erlebte das Rennen nur am Fernseher in Monte Carlo. Dorthin war der 34 Jahre alte Mönchengladbacher am Samstag nach seinem Trainingsunfall im Jordan- Honda vom Vortag geflogen. Sehstörungen und starke Kopfschmerzen machten eine eingehende ärztliche Untersuchung notwendig.
Ergebnisse:
Großer Preis von Kanada, 8. von 17. Läufen zur Weltmeisterschaft in Monreal, Endstand nach 69 Runden (305,049 km):
1. Ralf Schumacher (Kerpen) Williams-BMW 1:34:31,522 Stunden (193,629 km/h) 2. Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari 0:20,235 Minuten zurück 3. Mika Häkkinen (Finnland) McLaren-Mercedes 0:40, 672 4. Kimi Räikkönen (Finnland) Sauber-Petronas 1:08,115 5. Jean Alesi (Frankreich) Prost-Acer 1:10,435, eine Runde zurück 6. Pedro de la Rosa (Spanien) Jaguar-Cosworth 7. Ricardo Zonta (Brasilien) Jordan-Honda 8. Luciano Burti (Brasilien) Prost-Acer, drei Runden zurück 9. Tarso Marques (Brasilien) Minardi-European, vier Runden zurück 10. Jos Verstappen (Niederlande) Arrows-Asiatech, sechs Runden zurück 11. Jarno Trulli (Italien) Jordan-Honda
Ausfälle:
Nick Heidfeld (Mönchengladbach) Sauber-Petronas David Coulthard (Schottland) McLaren-Mercedes Rubens Barrichello (Brasilien) Ferrari Juan Montoya (Kolumbien) Williams-BMW Eddie Irvine (Nordirland) Jaguar-Cosworth Olivier Panis (Frankreich) BAR-Honda Jacques Villeneuve (Kanada) BAR-Honda Enrique Bernoldi (Brasilien) Arrows-Asiatech Giancarlo Fisichella (Italien) Benetton-Renault Jenson Button (England) Benetton-Renault Fernando Alonso (Spanien) Minardi-European
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