Großer Preis von Frankreich: Ralf holt erste "Pole" vor Michael
zuletzt aktualisiert: 30.06.2001 - 16:36Magny-Cours (rpo). An seinem 26. Geburtstag hat sich Ralf Schumacher selbst das schönste Geschenk gemacht. Der BMW-Williams-Pilo sicherte sich nach einem erneut spannenden Bruderduell im Zeittraining zum Großen Preis von Frankreich in 1:12,989 Minuten die Pole Position.
"Gratulation an Ralf, besser hätte es an seinem Geburtstag gar nicht laufen können", lobte Weltmeister Michael, der die 40. Pole-Position seiner Karriere verpasste. "Das ist natürlich ein wunderschöner Tag", freute sich Ralf, gab aber zu bedenken: "Für die Pole gibt es keine Punkte."
Direkt hinter den Rennfahrer-Brüdern aus Kerpen stehen die beiden Silberpfeile von Vorjahressieger David Coulthard (Schottland) und Mika Häkkinen (Finnland). "Knapp zwei, drei Zehntel hinter der Pole ist erträglich. Wir haben eine gute Ausgangssituation für das Rennen", fand Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Die Mönchengladbacher Heinz-Harald Frentzen im Jordan-Honda und Nick Heidfeld im Sauber starten als Siebte und Neunte der Samstags-Qualifikation aus der vierten und fünften Startreihe in den Großen Preis von Frankreich, der am Sonntag um 14.00 Uhr (RTL und Premiere World live) beginnt.
Nachdem der "Kleine" in drei Rennen dieser Saison mit dem Platz hinter dem roten Ferrari seines Bruders Michael vorlieb nehmen musste, drehte er den Spieß um. Bei 1:12,989 Minuten blieb die Uhr für Ralf stehen, 1:12,999 standen für Michael zu Buche. "Das war die interessanteste Qualifikation seit langem", schwärmte BMW- Sportdirektor Gerhard Berger. Für die Münchner war es die erste Pole seit 1986 in Monza und die 16. überhaupt.
Nach der hochdramatischen Stunde stehen die schnellsten Brüder der Welt zum dritten Mal in Folge in der ersten Startreihe. In der französischen Provinz kann sich Ralf im zehnten Rennen des Jahres für das harte, aber faire Startmanöver seines Bruders, der ihn am letzten Sonntag auf dem Nürburgring beinahe an die Betonmauer gedrückt hatte, revanchieren. "Das war ein Volltreffer. Hoffentlich sieht es diesmal beim Start etwas anders aus", sagte er. "Das hoffe ich nicht", entgegnete Michael. Er hat auch seinen WM-Rivalen Coulthard auf der Rechnung und versprach für Sonntag: "Das wird mit Sicherheit eine ganz enge Sache. Der zweite Platz ist aber auch eine gute Ausgangsposition."
72 Runden müssen die Schumis auf dem 4,251 Kilometer langen Kurs nahe der Stadt Nevers hinter sich bringen. Vor den knapp 306 Kilometern auf der Rennstrecke in der französischen Provinz führt Michael Schumacher (68 Punkte) in der Fahrer-Weltmeisterschaft mit einem Vorsprung von 24 Zählern vor Coulthard. Ralf Schumacher (25) ist Vierter mit einem Punkt Rückstand hinter dem Brasilianer Rubens Barrichello, dem Teamkollegen seines Bruders.
Der Grand-Prix-Kurs, auf dem das Formel-1-Rennen erst seit 1991 ausgetragen wird, gilt als Hochburg für die deutschen Fahrer. Neben Michael Schumacher, der 1994, 1995, 1997 und 1998 triumphierte, hat sich auch Frentzen vor zwei Jahren in die Siegerliste eingetragen. Doch ein ähnliches Husarenstück dürfte dem Vize-Weltmeister von 1997 in diesem Jahr nicht gelingen. "Das bleibt bei denen in der Familie, den Sieg können sie unter sich ausmachen", glaubt Frentzen an einen Schumacher-Sieg.
Seit dem historischen Doppel-Sieg am 10. Juni beim Großen Preis von Kanada in Montreal, als Ralf den Grand Prix vor Michael gewann, ist von der "Formel Schumacher" die Rede. In Kanada wurde Michael in der Box geschlagen, am Nürburgring sorgte der Start und die Anzeige von Ferrari beim Weltverband FIA wegen Ralfs Fahrfehler in der Boxengasse für Aufregung.
Ausgerechnet die Italiener hatten Ralf Schumacher angeschwärzt und so die Zehn-Sekunden-Strafe in der Eifel eingeleitet. Obwohl der 26- Jährige den Rennstall der Scuderia hart kritisierte, nahm er seinen großen Bruder in Schutz: "Michael kann nichts dafür, das ist Teampolitik. Dafür ist Jean Todt verantwortlich und der scheint?s auf diese Art und Weise haben zu wollen. Also müssen wir da eben mithalten, leider Gottes."
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