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Magny Cours zusätzlich angeheizt: Ralf sauer auf "Petz-Liese-Ferrari"

zuletzt aktualisiert: 29.06.2001 - 21:47

Magny-Cours (rpo). Nachdem bekannt wurde, dass ausgerechnet Ferrari am vergangenen Sonntag Ralf Schumacher wegen seines Fahrfehlers in der Boxengasse angezeigt hat, ist dieser mit dem Rennstall seines Bruders Michael hart ins Gericht gegangen und hat das Rennen in Magny-Cours damit zusätzlich angeheizt.

Zwei Tage vor dem Großen Preis von Frankreich am Sonntag (14.00 Uhr live bei RP-Online) wurde bekannt, dass ausgerechnet der italienische Rennstall am vergangenen Sonntag auf dem Nürburgring «Schumi II» wegen seines Fahrfehlers in der Boxengasse beim Automobilsport-Weltverband FIA angezeigt hatte. «Es ist bekannt, dass Ferrari so arbeitet. Daraus resultiert, dass wir in Zukunft genauso reagieren werden. Uns wäre es natürlich lieber, das sportlich auszutragen», sagte der Williams-BMW-Pilot in der Nachrichtensendung «RTL aktuell».

Seinen großen Bruder nahm Ralf von der Kritik aus. «Michael kann nichts dafür, das ist Teampolitik. Dafür ist Jean Todt verantwortlich und der scheint's auf diese Art und Weise haben zu wollen. Also müssen wir da eben mithalten, leider Gottes», meinte Ralf Schumacher, der am Freitag im Freien Training mit Platz fünf zwei Ränge besser als Michael war. David Coulthard unterstrich seine Titelambitionen mit der schnellsten Trainingsrunde. Der WM-Zweite aus Schottland benötigte im McLaren-Mercedes für die 4,251 Kilometer lange Runde 1:14,935 Minuten und war damit fast acht Zehntel schneller als WM- Spitzenreiter Michael Schumacher als Siebter. «Wir haben uns auf unser übliches Programm konzentriert und sind daher sehr zuversichtlich», sagte der Ferrari-Star.

Coulthard geblitzt

Selbst in der Boxengasse trat Coulthard kräftig auf das Gaspedal, wurde mit 66,8 km/h «geblitzt», obwohl nur 60 km/h erlaubt sind. Rund 4000 Mark (etwa 2100 Euro) Strafe musste der 30-Jährige an die FIA zahlen. «Das war ein guter erster Tag, ohne Probleme mit guten Zeiten», frohlockte Mercedes-Sportchef Norbert Haug trotzdem, denn auch der zweimalige Weltmeister Mika Häkkinen im zweiten «Silberpfeil» überzeugte. Der Finne wurde Vierter hinter dem Iren Eddie Irvine im Jaguar und dem Kanadier Jacques Villeneuve im BAR- Honda. «Am Ende eines Freitags kann man nie einschätzen, wo man steht», wiegelte Häkkinen ab.

«Das Training ist nicht unbedingt eine Messlatte», weiß auch Michael Schumacher aus der Erfahrung seiner 153 Grand-Prix-Starts und baut darauf, die 40. Pole-Position in der Qualifikation am Samstag herausfahren zu können. Ralf musste sein Auto in der ersten Trainingseinheit nach einem Dreher in der Adelaide-Kurve nach einem Elektronikproblem in Runde fünf abstellen. «Es ging halbwegs. Zum Schluss hat sich mein Auto ganz gut angefühlt», sagte er. Auch sein Bruder war am Vormittag einmal ins Kiesbett gerutscht.

«Ganz sicher werden unsere Fights weitergehen», kündigte der dreimalige Weltmeister an. «Schumi I» betonte jedoch abermals, dass die Brüder nur eine sportliche Rivalität trenne und sie ansonsten ein Herz und eine Seele seien. Genauso sieht es auch «Schumi II», der im Williams-BMW zu einem ernsthaften Konkurrenten für den Titelverteidiger geworden ist. «Es gibt auch ein Leben neben der Formel 1», sagte er. Einen Tag vor seinem 26. Geburtstag am Samstag trat Ralf Schumacher auch verbal kräftig auf das Gaspedal und unkte: Zuletzt auf dem Nürburgring sei sein Bruder ein «fahrendes Hindernis» gewesen.

Schumi ein fahrendes Hindernis?

Der «Bremsklotz» kann mit seinem fünften Sieg in Magny-Cours nach 1994, 1995, 1997 und 1998 als zweiter Fahrer in der Grand-Prix- Geschichte nach Alain Prost (Frankreich) den 50. Karriere-Sieg einfahren. Schon bald will der 32-Jährige der Allergrößte in der PS- Branche sein. Nur noch zwei Siege fehlen Michael Schumacher, um den Rekord des Franzosen (51 Grand-Prix-Siege) einzustellen.

In der WM-Wertung will Michael Schumacher seinen Vorsprung von 24 Punkten auf seinen härtesten Verfolger Coulthard weiter ausbauen. Doch der Schotte, der im Vorjahr Schumacher bei einem Überholmanöver den Stinkefinger zeigte, hat sich noch längst nicht aufgegeben. «Solange die WM noch nicht entschieden ist, habe ich meine Chance.»

In den zehn Jahren, seit der Große Preis von Frankreich in Magny- Cours ausgetragen wird, hat es fünf deutsche Siege gegeben. Neben Schumacher war Heinz-Harald Frentzen 1999 erfolgreich. Doch von solchen Großtaten ist der Mönchengladbacher momentan meilenweit entfernt. «Es ist doch klar, dass man etwas unzufrieden ist, wenn es mal nicht so gut läuft.» Frentzen beendete das Training als 13. Sein Ortsrivale Nick Heidfeld im Sauber wurde 15.

Quelle: RPO Archiv

 
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