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Anruf bei der Ex
Red Bull erwägt Verbleib bei Renault - Zukunft fraglich

Red Bull erwägt Verbleib bei Renault - Zukunft fraglich
Red-Bull-Teamchef Christian Horner FOTO: afp, pav
Mercedes und Ferrari wollen keine Motoren liefern, Red Bulls Zukunft in der Formel 1 hängt am seidenen Faden - und das Hin und Her wird zur Farce: Der frühere Branchenführer erwägt nun doch den Verbleib bei Renault.

Im Fahrerlager von Sotschi überschlugen sich mal wieder die Gerüchte, und mitten im Chaos um den drohenden Ausstieg von Red Bull gab Christian Horner dem Wahnsinn einen Namen. "Das ist die Formel 1. Hier ist nichts unmöglich", sagte der Teamchef des früheren Branchenführers schmunzelnd - und lieferte den nächsten Beleg gleich mit.

Im verzweifelten Kampf um eine Zukunft in der Königsklasse findet der Ex-Rennstall von Sebastian Vettel einfach keinen Motorenpartner und erwägt nun eine ziemlich peinliche Rolle rückwärts - nach monatelangen Vorwürfen, Beleidigungen und der laut verkündeten Trennung zum Saisonende sei eine weitere Zusammenarbeit mit Renault möglich, sagte Horner: "Offiziell ist ja noch nichts beendet. Es ist schwer zu sagen, wie es weitergeht, aber so ziemlich alles ist offen."

Es wäre das nächste Kapitel in einer Geschichte über Motoren, Macht und gnadenlosen Konkurrenzkampf, welche die Königsklasse seit Wochen in Atem hält. Schon das ganze Jahr über hatte Red Bull angesichts des ausbleibenden Erfolgs heftige Kritik an Renault geübt. So ziemlich alle Verantwortungsträger wählten dabei deutliche Worte, sie gipfelten in einer Äußerung von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz.

Bilder: Hamilton und Vettel feiern mit Kosakenmütze FOTO: afp, pav

"Sie nehmen uns neben der Zeit und dem Geld auch die Lust und die Motivation", sagte der Milliardär seinem Haus- und Hofmedium Speedweek.com. Die bevorstehende Trennung bestätigten dann beide Seiten vor wenigen Wochen.

Doch der offenkundige Plan, mit dem starken Mercedesmotor im kommenden Jahr anzugreifen, ging nicht auf. Aus nachvollziehbarem Eigensinn sträuben sich die Schwaben dagegen, den Konkurrenten auszustatten. Am Freitag folgte die nächste Hiobsbotschaft: Auch Ferrari scheint vom Plan abgerückt, Red Bull zumindest 2015er-Motoren für das kommende Jahr zu liefern.

GP von Russland 2015: das Rennen FOTO: afp, pav

Den Österreichern sind damit die Alternativen ausgegangen, der Ausstieg Red Bulls ist realistisch wie nie zuvor. Und das wäre ein großes Problem für die Formel 1. Gleich zwei der ganz wenigen wirtschaftlich gesunden Teams würden verloren gehen, neben Red Bull Racing auch das Ausbildungsteam Toro Rosso.

"Es wäre ein Schock", sagt Ferrari-Pilot Vettel: "Ich kann es mir eigentlich gar nicht vorstellen." Und selbst Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, einer der Hauptdarsteller im Ringen um Motoren, räumt ein, dass "Red Bull einen anderen Stellenwert hat. Wir sollten versuchen, sie im Sport zu behalten." Allerdings nicht um jeden Preis.

Die erneute Annäherung an Renault ist nun wie die Rückkehr zu einer verstoßenen Geliebten, und sie zeigt, wie ernst die Lage sein muss. "Meine Priorität liegt darin, Red Bull im kommenden Jahr in der Formel 1 zu sehen", sagte Horner bei Sky F1: "Deshalb müssen wir mit allen Parteien sprechen."

Möglich ist allerdings, dass Horners Vorstoß ein Alleingang ist. Denn Mateschitz hatte zuletzt klargestellt, dass er seine Teams nur mit "konkurrenzfähigen Motoren" erhalten werde - der Renault-Antrieb ist derzeit jedoch klar unterlegen. Und wenn Mateschitz es so will, dann gehen bei beiden Teams die Lichter aus.

(sid)
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