Formel 1: Ross Brawn bringt Erfolg
VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 20.10.2009 - 07:29Düsseldorf (RP). Benetton, Ferrari und nun bei seinem eigenen Formel-1-Rennstall – der Engländer lieferte stets perfekte Arbeit und erstklassige Resultate. Nach dem Ausstieg von Honda gewann sein Team nun beide WM-Titel.
Die 50. Formel-1-Saison ähnelt nicht, auch wenn es so scheint, der Geschichte von David und Goliath. Denn das Team, das den Weltmeister (Jenson Button) stellt, dessen zweiter Fahrer (Rubens Barrichello) beim Finale am 1. November in Abu Dhabi noch Platz zwei belegen kann und das sich den WM-Titel bei den Konstrukteuren sicherte, ist nur dem Namen nach erst sieben Monate alt.
Entstanden ist der Rennstall von Ross Brawn aus der Werkstatt des Automobil-Giganten Honda, der Ende 2008 aufgab und im März wenige Tage vor dem ersten WM-Rennen seinem Teamchef die Verantwortung für Mensch und Material verkaufte. Unter englischer Führung stellte sich der Erfolg ein, dem Honda seit 2006 hinterhergefahren war und auf den der ebenfalls von Japan aus regierte Rivale Toyota seit 2002 vergeblich hofft.
In Sao Paulo, als der doppelte Triumph perfekt war, wollte der passionierte Fliegenfischer und begeisterte Rosenzüchter Brawn auch nicht von einem Märchen sprechen. Für ihn, sagte der Vater von zwei Töchtern, sei es "eine außergewöhnliche Erfahrung, etwas zu nehmen, was schon am Boden und fast erledigt war, und es dorthin zu bringen, wo wir heute stehen".
Brawn sprach von Tagen, an denen er ohne Hoffnung nach Hause kam. In der fünfköpfigen Führungscrew gab es aber immer einen, der Aufbruchstimmung vorlebte. "Überleben war das erste Ziel", erinnert sich Brawn, der schon bei seinen beiden Arbeitgebern zuvor sehr gute Arbeit geleistet hatte. Als Teamchef bei Benetton und Ferrari war der heute 54-Jährige maßgeblich am Aufstieg von Michael Schumacher zum erfolgreichsten Formel-1-Fahrer aller Zeiten beteiligt.
Am meisten imponierte Brawn die Einstellung seiner Angestellten, die im Winter 60 bis 70 Stunden pro Woche arbeiteten, ohne zu wissen, ob es für sie eine Zukunft geben würde. Doch für sie und die Fahrer Barrichello und Button, der auf mehr als die Hälfte seines Gehalts verzichtete, gab es keine Alternative. Als die Rettung perfekt war, musste Brawn sein Team von 700 auf 430 Mitarbeiter reduzieren, weil die finanziellen Mittel nicht im gewohnten Umfang zu Verfügung standen. Brawn sprach von seinen bittersten Entscheidungen.
"Das Team hat einen Mörderjob gemacht", lobte der neue Champion Button. Für den 29 Jahre alten Engländer glich die Saison einer Achterbahnfahrt mit der Freude über die sechs Siege in den ersten sieben Rennen bis zur Schufterei in der zweiten Hälfte. Da lieferte er die Ergebnisse, die ihm zum WM-Titel reichten. Button holte in 15 der 16 Rennen mindestens einen Punkt. Nur in Spa kam er nicht ins Ziel, weil er in der ersten Runde von Renault-Fahrer Romain Grosjean von der Strecke geschossen wurde.
Der Etat für 2010 ist laut Teambesitzer Brawn gesichert. Wie sein Landsmann Button bedankte auch er sich bei Mercedes. Die Schwaben halfen mit Motoren aus und sorgten für die Power. An der Entwicklung des Chassis arbeiteten Brawn und seine Crew schon früh im Jahr 2008, als sich die schlechte Saison abzeichnete. Beides, Motor und Chassis, waren die Basis des Erfolges.
Power hatte Button auch beim Feier-Marathon. Da ihm Barrichello seinen Privatjet zur Verfügung stellte, musste er nicht wie geplant schon am Sonntagabend zurückfliegen, sondern erst gestern früh. Ob der Brasilianer und der Engländer, die perfekt harmonierten, auch 2010 das Fahrer-Duo bilden, ist offen. Button fordert anscheinend mehr Geld. Brawn: "Jetzt haben wir Zeit, darüber zu reden."
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