Formel-1-Testfahrten: Schumacher auf Augenhöhe mit Alonso und Button
zuletzt aktualisiert: 03.02.2010 - 17:36Valencia (RPO). Vorzeitig Feierabend, aber dennoch zufrieden: Am "Tag der Weltmeister" war Michael Schumacher schon wieder auf Augenhöhe mit Doppel-Weltmeister Fernando Alonso und Titelverteidiger Jenson Button. "Ich bin glücklich, vor allem unheimlich motiviert. Es macht tierisch Spaß", sagte Schumacher, nachdem er am Mittwoch in Valencia wegen eines kleinen Hydrauliklecks an seinem Silberpfeil rund eine Stunde vor Testende Dienstschluss hatte.
Trotz des kleinen Problems nach insgesamt 82 Runden und zog Schumacher nach der drittbesten Zeit ein "sehr positives" Fazit und hat "überhaupt keine Kopfschmerzen". "Wichtig ist, dass man ein Auto hat, mit dem man erstmal fahren und die Zuverlässigkeit aussortieren kann", sagte der Kerpener, der seinen Mercedes aber noch nicht als Siegerauto sieht.
"Ich würde denken, dass wir noch leicht im Hintertreffen sind, und gehe davon aus, dass wir nicht unbedingt gleich die ersten Rennen gewinnen können. Aber für mich ist wichtig, in den ersten Rennen gute Punkte zu holen, dass wir in der Saison konkurrenzfähig sind, dann Rennen gewinnen werden, um am Ende um die Meisterschaft kämpfen zu können."
Während der Formel-1-Rekordchampion munter im Vorderfeld mitmischte, arbeitet im Hintergrund offenbar auch sein Bruder Ralf an einer Rückkehr in die Königsklasse. "Schumi II" ist als Fahrer im Gespräch, falls der Stefan-Rennstall des serbischen Geschäftsmannes Zoran Stefanovic als Nachrücker für Campos oder USF1 kurzfristig doch noch einen Platz in der Königsklasse erhalten sollte.
Bislang ist lediglich Ralf Schumachers Wohnmobil schon zurück in der Formel 1. Das hat er Bruder Michael für die Testfahrten in Valencia geliehen, wo der am dritten und letzten Tag erstmals nicht allein im Mittelpunkt des Interesses stand. Rund 15.000 spanische Fans jubelten vor allem ihrem Liebling Alonso zu, der seine ersten Runden im neuen Ferrari drehte. Erstmals im Einsatz in diesem Jahr war auch Neuling Nico Hülkenberg (Emmerich) bei Williams, der zwar der Langsamste, mit 126 Runden aber nach Alonso (127) der Fleißigste war.
Nach dem riesigen Medienauflauf, den Michael Schumachers erste Runden im neuen Mercedes-Silberpfeil am Montag hervorgerufen hatten, fuhr der 41-Jährige am Mittwochmorgen um 10.11 Uhr vergleichsweise unbehelligt auf die Strecke. Alles konzentrierte sich auf Alonso, der unter frenetischem Jubel seiner Fans um 10.01 Uhr im F10 aus der Ferrari-Box rollte - und danach auf der Strecke mit der Bestzeit die Dominanz seines Teamkollegen Felipe Massa (Brasilien) der beiden ersten Testtage nahtlos fortsetzte. "Ferrari ist die Norm", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, dessen eigenes Team noch an Feinheiten wie der optimalen Sicht aus dem Cockpit arbeitet.
Schumacher trug am Morgen nicht seinen bekannten roten Helm, sondern einen unlackierten schwarzen. Dabei handelte es sich um einen Prototyp seines Helmherstellers. Auch Ferrari-Pilot Felipe Massa (Brasilien), dem sein Helm im vorigen Jahr bei dem Unfall in Budapest, als ihn eine Stahlfeder am Kopf traf, wohl das Leben gerettet hatte, war am Dienstag mit einer neuen Testversion unterwegs gewesen.
Schumacher hatte im August 2009 noch bei Ferrari für seinen Freund Massa einspringen wollen, doch dann stoppten ihn Nachwirkungen einer Nackenverletzung, die er sich bei einem schweren Motorradunfall im Februar 2009 zugezogen hatte. Inzwischen ist Schumacher aber wieder topfit. Der Kontakt zu Ferrari ist auch nach dem Wechsel zu Mercedes nicht abgerissen. Am Dienstag traf er sich mit Massa im Ferrari-Zelt zum Essen. "Michael ist immer willkommen, von mir aus kann er öfter kommen", sagte Massa.
Eröffnet hatte den letzten Testtag in Valencia pünktlich um 10 Uhr GP2-Champion Hülkenberg. "Ich darf nicht überreagieren oder zu aufgeregt sein. Ich will versuchen, meinen Job so gut wie möglich zu machen. Es ist wichtig, viel zu fahren, für das Team, aber auch für mich", hatte der 22-Jährige zuvor angekündigt.
Während Timo Glock (Wersau) am Mittwoch in London sein neues Auto erhielt und für das Virgin-Team am Donnerstag in Silverstone die ersten Runden drehen soll, könnte Ralf Schumacher das deutsche Kontingent in der Saison 2010 noch auf sieben Fahrer erweitern. "Ich glaube nicht an die Teilnahme von USF1 und Campos. Stattdessen habe ich gute Kontakte zu Stefan GP und versuche, diesem Team einen Startplatz zu besorgen", sagte Formel-1-Promoter Ecclestone der Sport Bild: "Ralf Schumacher wäre für sie der optimale Pilot. Er hat Erfahrung, er kennt das Team."
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