Kerpener wird Ferrari-Rekordpilot: Schumacher auf Milliardärs-Kurs
zuletzt aktualisiert: 23.05.2001 - 17:02Monte Carlo (rpo). Zufriedenheit herrscht bei Ferrari nach der Vertragsverlängerung mit den Piloten Michael Schumacher und Rubens Barrichello. Zufriedenheit auch beim Weltmeister. Denn der kann Rekordpilot beim italienischen Rennstall werden, und er ist auf Milliardärskurs. Mehr als 1,2 Milliarden Mark soll der Formel-1-Star bis 2004 noch verdienen. rechnet die "Gazzetta dello Sport" aus.
Michael Schumacher kann als Rekordpilot von Ferrari Geschichte schreiben. Der dreimalige Weltmeister wird nach Ablauf seines neuen Vertrags mit insgesamt neun Jahren der Fahrer mit der längsten Dienstzeit bei der "Scuderia" und damit selbst der Mittelpunkt der von ihm zu Saisonbeginn angekündigten "Ferrari-Ära" der Formel 1 sein. Der teuerste Fahrer aller Zeiten war er ohnehin schon länger, doch nun steuert der Kerpener wohl in neue Dimensionen. Auf umgerechnet "über 1,2 Milliarden" Mark rechnete die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch die Gesamt-Einkünfte des Formel-1-Stars in seiner Karriere bis zum Jahr 2004 hoch und kommentierte: "Dies ist mehr als der Gesamt-Umsatz von Ferrari im Jahr."
Der für die Öffentlichkeit etwas überraschende Zeitpunkt der vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2004 kurz vor dem Großen Preis von Monaco war nach Angaben seines Managers ein logischer Schritt. "Er fühlt sich unheimlich wohl. Der Erfolg ist da, und alle verstehen sich blendend", begründete Willi Weber am Mittwoch in einem dpa- Gespräch die frühe Entscheidung, obwohl der alte Vertrag noch bis 2002 gelaufen wäre. "Es hat sich einfach so ergeben. Je früher desto besser", so Weber, der bislang immer von einem eventuellen Abwarten bis Saisonende gesprochen hatte: "Damit wollte ich die Journalisten von dem Thema ablenken."
Über die Modalitäten des neuen Kontrakts wollte sich Weber nicht äußern. "Dazu darf ich leider nichts sagen." Italienischen Medienberichten zufolge wird die Jahres-Gage des 32-jährigen vom Team angeblich auf rund 75 Millionen Mark aufgestockt. Außer den Bezügen vom Rennstall hat Schumacher noch Einkünfte aus Verträgen mit seinen zehn persönlichen Sponsoren sowie aus dem Marketing mit Fanartikeln. Branchenexperten schätzen, dass ein Unternehmen mindestens zehn Millionen Mark im Jahr investieren muss, um mit dem schnellen Deutschen zu werben.
Rubens Barrichello, dessen Vertrag um ein Jahr bis Ende 2002 verlängert wurde, soll nach Angaben aus Italien mit rund 16 Millionen Mark entlohnt werden. Im kommenden Jahr müsse der Brasilianer zeigen, ob er so schnell wie Teamkollege Schumacher sein könne, hieß es weiter. Sonst könne er durch einen neuen Mann wie Sauber-Pilot Kimi Räikkönen ersetzt werden.
Schumacher hat mit seiner langen Dienstzeit alle Ferrari-Größen von früher überholt. Clay Regazzoni und Gerhard Berger fuhren mit Unterbrechungen je sechs Jahre in Rot, die Ex-Weltmeister Alberto Ascari und Niki Lauda vier Jahre. Silberpfeil-Pilot Mika Häkkinen ist allerdings noch treuer als Schumacher: Der Finne fährt jetzt schon im neunten Jahr für McLaren.
In Italien wird offenbar fest mit einer lebenslänglichen "Ehe" zwischen dem Rheinländer und der "Scuderia" gerechnet. "Schumacher wird ein Ferrarista fürs Leben", titelte die "Gazzetta". Tatsächlich liegt der Schluss nahe, dass Schumacher nach 2004 womöglich andere Aufgaben bei dem italienischen Unternehmen übernimmt. "Wir wollen ihn auf ewig halten", hatte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo schon angekündigt. "Ich weiß nicht, was danach passiert. Bis dahin haben wir noch viel Zeit", wiegelte Weber ab. Nach Ansicht der "Gazzetta" wäre 35 ein gutes Alter für Schumacher, um die Karriere als Pilot zu beenden "und sein bis dahin angehäuftes Vermögen zu genießen".
Besonders wichtig ist für Schumacher die Konstellation in der Führungsebene. Zuletzt hat sich Montezemolo gegen eine politische Karriere und für einen Verbleib im Unternehmen entschieden, worüber sich der dreimalige Champion sehr freute. Zudem kann er weiter mit seinem Freund Jean Todt, seinem bewährten Strategen Ross Brawn sowie dem Aerodynamik-Spezialisten Rory Byrne und dem Motorenchef Paolo Martinelli zusammenarbeiten, die Schumacher alle sehr schätzt. "Stabilität ist wichtig für ein Team", meinte der Kerpener.
Schumacher: "Rennfahren ist mein Leben"
Michael Schumacher wird womöglich auch nach dem Ablauf seines neuen Vertrags mit Ferrari im Jahr 2004 weiter Formel-1-Rennen fahren. "Das bedeutet nicht automatisch das Ende meiner Karriere", sagte der Weltmeister aus Kerpen am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Monte Carlo über die Laufzeit des neuen Kontrakts. Es sei zu früh, sich jetzt schon über die Zeit nach 2004 Gedanken zu machen. Auf die Formel 1 verzichten mag er so bald nicht. "Rennfahren ist mein Leben. Ich brauche es", so Schumacher.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







