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Portrait: Schumacher - der König der Rennfahrer kehrt zurück

zuletzt aktualisiert: 24.12.2009 - 16:28

Düsseldorf (RPO). Michael Schumacher kam einst mit 1000 Mark Taschengeld in die Formel 1, ging als König der Rennfahrer - und gibt in der kommenden Saison im Alter von 41 Jahren im Mercedes-Silberpfeil das spektakulärste Comeback der Grand-Prix-Geschichte.

Kein anderer hat die Formel 1 so nachhaltig geprägt wie Michael Schumacher. Seine Rekorde scheinen für die Ewigkeit bestimmt, der siebenmalige Weltmeister ist längst ein Unsterblicher in der "Hall of Fame" des Automobilsports.

Schumacher wird geliebt und gehasst, bewundert und verdammt. Er ist kompromisslos auf der Rennstrecke, zahlreiche Skandale kratzten am Image des langjährigen Ferrari-Stars. Eines allerdings wird von Freunden und Gegnern gleichermaßen respektiert: das fahrerische Genie Schumachers, der am 22. Oktober 2006 in Sao Paulo nach 16 Jahren und 250 Rennen seine Karriere eigentlich beendete.

Mit einer Pizza in der Jugendherberge und Herzklopfen vor dem ersten Formel-1-Rennen fing am 25. August 1991 alles an. Als damals ein gewisser Michael Schumacher im belgischen Spa sein Debüt in der Königsklasse gab, ahnte nur sein Zimmergenosse Willi Weber, dass dies die "Geburtsstunde des besten Rennfahrers der Welt" sein sollte.

Manager Weber hatte schon früh das außergewöhnliche Talent des Jungen aus Kerpen erkannt, im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen für dessen Karriere getroffen - und sich dabei unter anderem einer "Notlüge" bedient. Den Platz im Jordan-Cockpit als Ersatz für den mit der Justiz in Konflikt geratenen Belgier Bertrand Gachot hatte Schumacher nur bekommen, weil Weber Teambesitzer Eddie Jordan gesagt hatte, Schumacher sei schon oft in Spa gefahren und kenne die Strecke sehr gut. Das war ein wenig an der Realität vorbei formuliert.

Es war aber auch der Startschuss für eine einzigartige Karriere, in der Schumacher die Geschichtsbücher der Formel 1 komplett umschrieb. Die meisten WM-Titel, die meisten Siege, Punkte, schnellste Runden, Führungskilometer, und, und, und.

Schumachers Privatvermögen wird auf mehr als 500 Milionen Euro geschätzt. Privatjet, Luxusyacht und ein millionenschwerer Fuhrpark gehören längst zum ganz normalen Standard des reichsten deutschen Sportlers, der seit Jahren in der Schweiz wohnt.

Auch privat fährt Schumi auf der Sonnenseite des Lebens. Der neue Mercedes-Star ist mit seiner Corinna glücklich verheiratet. Der Stolz der Familie sind die Kinder Gina Maria und Mick. "Sie sind die Nummer eins und geben meinem Leben einen anderen Sinn", sagt Schumacher.

Als Schumacher 1995 das damalige Erfolgsteam Benetton verließ und zu Ferrari wechselte, schüttelten viele Experten ungläubig den Kopf. "Mit Benetton habe ich alles erreicht, was man in der Formel 1 erreichen kann. Ich wollte eine neue Herausforderung", begründete Schumacher damals seinen Entschluss.

Trotz des Reichtums bezeichnet sich Multi-Millionär Schumacher als bodenständigen Menschen, der die Wurzeln seiner Herkunft nicht leugnet. Während seiner Lehrzeit als Kfz-Mechaniker, die er 1989 abschloss, musste er mit 300 Mark monatlich über die Runden kommen, für sein erstes Formel-1-Rennen erhielt er 1000 Mark Taschengeld. "Geld bedeutet für mich Sicherheit. Ich würde es aber niemals mit beiden Händen aus dem Fenster werfen", meint Schumacher, der Sonderbotschafter der Unesco ist und einen beträchtlichen Teil seines Geldes für den guten Zweck spendet.

Schon als Sechsjähriger sammelte Schumacher auf der heimischen Kartbahn seines Vaters die ersten motorsportlichen Erfahrungen. Rolf Schumacher erkannte schnell das Talent seines ältesten Sohnes und förderte es. 1989 nahm ihn Weber unter Vertrag und investierte in den Geheimtipp. Inzwischen hat sich der Manager, der mit 20 Prozent an sämtlichen Einnahmen beteiligt ist, eine goldene Nase verdient.

1991 leuchtete der Stern über Schumachers Bilderbuch-Karriere, als er in das Junioren-Team von Mercedes aufgenommen wurde. Durch konstant gute Leistungen öffnete sich für den damals 22-Jährigen das Tor zu Formel 1. Fast 20 Jahre später schließt sich nun der Kreis - Schumi und Mercedes: Die Formel 1 steht vor magischen Momenten.


SPORTLICHE LAUFBAHN

1984: deutscher Kart-Meister (Junioren)

1985: deutscher Kart-Meister und WM-Zweiter

1986: 3. Platz der Kart-EM und DM

1987: Kart-Europameister und deutscher Meister

1988: deutscher Meister Formel König

1989: 3. Platz Formel-3-DM

1990: deutscher Formel-3-Meister

1991: Schumacher gibt in Spa sein Formel-1-Debüt für Jordan. Dem 7. Startplatz folgt im Rennen der Ausfall in der ersten Runde. Danach fährt er fünf Grand Prix für Benetton und belegt Platz 12 der Gesamtwertung.

1992: Schumacher fährt seine erste komplette Formel-1-Saison für Benetton und feiert im August in Spa seinen ersten GP-Sieg. In der Gesamtwertung landet er mit 53 Punkten auf Rang drei und ist damit bester Einsteiger seit 1966 (Jackie Stewart/Schottland).

1993: Benetton-Pilot Schumacher fällt siebenmal aus, in allen anderen Rennen steht er auf dem Treppchen. Er feiert in Estoril/Portugal seinen zweiten GP-Sieg im September und belegt Platz vier in der Gesamtwertung.

1994: Schumacher erhält einen Dreijahresvertrag bei Benetton für 20 Millionen Dollar Gage. Der Vertrag wird nach der Sperre und den Skandalen um das Team um ein Jahr bis einschließlich 1995 verkürzt, die Jahresgage auf 16 Millionen Dollar angehoben. Schumacher wird mit einem Punkt Vorsprung vor Damon Hill erster deutscher Weltmeister.

1995: Schumacher verteidigt als jüngster Fahrer seit WM-Beginn 1950 den Titel erfolgreich. Er steht zwei Rennen vor dem Saisonende als Titelträger fest und gewinnt als erster Deutscher die beiden "Heimspiele" in Hockenheim und auf dem Nürburgring. Er wechselt für die Rekordgage von 40 Millionen Mark von Benetton zu Ferrari.

1996: Drei Siegen (Barcelona, Spa, Monza) stehen im ersten Ferrari-Jahr insgesamt sieben Ausfälle gegenüber. In der Gesamtwertung belegt der Kerpener mit 59 Punkten den 3. Platz. Der Ferrari-Vertrag wird bis 1999 verlängert, das Gehalt auf rund 50 Millionen Mark angehoben.

1997: Schumacher gewinnt fünf Rennen und belegt Platz zwei in der WM-Gesamtwertung. Wegen des Rammstoßes gegen den späteren Weltmeister Jacques Villeneuve (Kanada) beim Saisonfinale in Jerez wird Schumacher der Vize-Titel nachträglich aberkannt.

1998: Erst im Finale in Suzuka platzen die Hoffnungen vom ersten WM-Titel mit Ferrari, mit 86 Punkten belegt Schumacher Platz zwei der der Gesamtwertung hinter Weltmeister Mika Häkkinen (100). Der Ferrari-Vertrag wird vorzeitig bis einschließlich 2002 verlängert, die Jahresgage auf 75 Millionen Mark angehoben.

1999: Nach einem schweren Unfall am 11. Juli in Silverstone ist Schumi vorzeitig aus dem Titelrennen. Der Kerpener erleidet einen doppelten Beinbruch und muss für sechs Grand Prix pausieren. In den letzten beiden Rennen in Malaysia und Japan (jeweils 2. Platz) gibt Schumacher ein sensationelles Comeback. Zwei Siege (Imola, Monte Carlo) und Rang fünf in der WM-Wertung mit 44 Punkten stehen in der Schluss-Bilanz.

2000: Schumacher fährt nach fünf Saisonsiegen zunächst klar auf Titelkurs. In Ungarn verdrängt ihn aber Weltmeister Mika Häkkinen von der Spitzenposition. Mit Erfolgen in Monza und Indianapolis übernimmt der Deutsche wieder das Kommando. In Suzuka/Japan gewinnt Schumacher als erster Ferrari-Pilot seit Jody Scheckter (Südafrika) 1979 die Fahrer-Krone.

2001: Nach 13 Rennen steht Schumacher in Budapest vorzeitig zum zum vierten Mal als Weltmeister fest. Frühzeitig gibt er die Vertragsverlängerung bei Ferrari um zwei weitere Jahre bis einschließlich 2004 bekannt.

2002: Schon nach 11 Rennen steht Schumacher in Magny-Cours zum fünften Mal als Weltmeister fest. Damit schließt er zum legendären Juan Manuel Fangio auf und ist zugleich "schnellster Weltmeister" aller Zeiten.

2003: Mit einem achten Platz im letzten Rennen in Suzuka macht Schumacher seinen sechsten WM-Titel perfekt. Damit löst er Fangio als Rekordchampion ab. Bereits Mitte des Jahres hatte Schumacher seinen Vertrag bis 2006 verlängert.

2004: Schumacher holt mit einem zweiten Platz beim Großen Preis von Belgien in Spa vorzeitig seinen siebten WM-Titel und verbessert mit insgesamt 13 Saisonsiegen seinen eigenen eigenen Weltrekord.

2005: Schumacher wird nach einer völlig verkorksten Saison von Fernando Alonso entthront. Während der Spanier zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten wird, kommt Schumacher nur zu einem einzigen Sieg - beim Skandal-Rennen von Indianapolis mit sechs Autos. Am Ende belegt er in der WM-Wertung abgeschlagen Rang drei.

2006: Schumacher, der am 10. September in Monza seinen Rücktritt zum Saisonende erklärt, meldet sich noch einmal in der absoluten Spitze zurück. Nachdem er zwischenzeitlich schon 25 Punkte Rückstand auf Fernando Alonso hatte, holte er den Spanier drei Rennen vor Schluss sogar ein. Im vorletzten Rennen seiner Karriere schied er in Japan mit einem Motorschaden aus und ging bei 10 Punkten Rückstand nur noch mit theoretischen Titelchancen ins Saisonfinale in Sao Paulo. Dort verabschiedet er sich mit Platz vier nach einer beeindruckenden Aufholjagd nach einem Reifenschaden. Alonso wird Zweiter und holt seinen zweiten WM-Titel. ab 2007: Schumacher steht Ferrari für eine geschätzte Jahresgage von fünf Millionen Euro als Berater zur Verfügung. Ob und zu steigt er als "Testfahrer" sogar nochmal ins Rennauto. Ansonsten genießt er sein Familienleben und geht seinem neuen Hobby Motorradfahren nach oder hat Spaß als "Torjäger" auf dem Fußballplatz.

2009: Im August will Schumacher als Ersatz für den verletzten Ferrari-Piloten Felipe Massa einspringen. Sein Comeback scheitert aber daran, dass sein Körper bei Testfahrten den Belastungen in einem Formel-1-Auto nicht standhält. Ein Bruch am Schädel, den er sich bei einem schweren Motorradunfall im Februar zugezogen hatte, bereitet noch zu viel Probleme. Im Dezember wird das Comeback dann aber doch perfekt gemacht. Schumacher unterschreibt einen Vertrag beim neuen Mercedes-Werksteam. Der Deal wird von Mercedes und Schumacher am 23. Dezember bestätigt.

Quelle: SID/chk

 
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