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Formel 1
Schumacher hat es in der Hand

Großer Preis von Australien 2010
Großer Preis von Australien 2010 FOTO: AFP
Melbourne/Düsseldorf (RPO). Rund 20.000 Euro teuer ist das Lenkrad im Mercedes-Cockpit. Zwei Wippen, um die Gänge im Mercedes rauf oder runter zu schalten. 24 Knöpfe und Regler, um das Fahrverhalten des Silberpfeils zu steuern. Displays, die auf einen Blick informieren – zum Beispiel über den Schaltzeitpunkt, die Geschwindigkeit, die Rundenzahl oder gelbe Flaggen: Michael Schumacher und Nico Rosberg haben es auch an diesem Wochenende wieder in der Hand, das rund 20.000 Euro teure Formel-1-Lenkrad des M GP W01.

Am Sonntag (8 Uhr im Live-Ticker) findet in Melbourne das zweite von 19 WM-Rennen statt. Nachdem vor zwei Wochen in Bahrain die großen Erwartungen nicht erfüllt worden sind, hoffen die Formel-1-Fans, dass mehr los ist auf den Straßen im Albert Park. Die Rolle des Favoriten schieben die Rivalen dem Red-Bull-Team zu, das im Nahen Osten nur deshalb nicht gewann, weil an Sebastian Vettels Auto eine Zündkerze kaputtging (Vettel: "Passiert vielleicht alle zehn Jahre einmal").

Ferrari nahm das Geschenk an, feierte durch Fernando Alonso (Spanien) und Felipe Massa einen Doppelsieg. "Wenn Sebastian nicht das Problem gehabt hätte, dann wäre er der Sieger gewesen. Da bin ich mir sicher", sagte der Brasilianer, und Ferrari-Präsident Luca die Montezemolo betonte: "Wichtig ist, dass wir realistisch bleiben."

Der Auftakt war angesichts der großen Erwartungen, ausgelöst durch vier Weltmeister, vier siegfähige Teams, elf Fahrer, die WM-Rennen gewonnen haben, und das wieder eingeführte Tankverbot, ernüchternd. Von einer "Formel Gähn", verursacht am Beginn des Jahrzehnts durch Schumis Überlegenheit zu Ferrari-Zeiten, spricht man noch nicht. Zwei, drei, vier Rennen müsse man abwarten und dann – falls nötig – reagieren.

Zeit gibt sich auch Schumacher, der nach drei Jahren Pause beim Comeback hinter seinem Teamkollegen Nico Rosberg den sechsten Platz belegte. "Ich habe nicht davon geträumt, sofort alle in Grund und Boden zu fahren. Andererseits wurde auch ich nicht in Grund und Boden gefahren. Also war es okay", betonte der 41-Jährige, "ich bin auch kein Magier."

Die Formel 1 hat wenig mit Zauberei zu tun, vielmehr ist eine Menge Arbeit nötig – wenngleich der Aufwand im Rennen geringer geworden ist. "Ich weiß nicht, woran das liegt, aber das Fahren ist weniger anstrengend als früher", sagte Schumi. Bahrain hat gezeigt, dass Mercedes langsamer als Ferrari und Red Bull unterwegs ist. Auch die McLaren sind etwas schneller. "Das wird für Michael und sein Team ein steiniger Weg, nach vorne zu kommen", meint der ehemalige Formel-1-Fahrer und heutige TV-Kommentator Christian Danner.

Mit dem 17 Jahre jüngeren Rosberg arbeitet Schumacher Hand in Hand, um die Schwachpunkte des Autos, vor allem das Untersteuern, zu beseitigen. Aber grundlegende Veränderungen sind in zwei Wochen nicht zu erwarten, zumal die Autos direkt nach Australien verfrachtet wurden.

Lob gab es für Schumi von einem, der nicht zu seinen größten Fans gezählt wird. "Wir müssen Michael wie einen Formel-1-Anfänger betrachten. Alles, was er vorher tun konnte, war, einige Testfahrten zu absolvieren. Und dennoch ist er am Ball", sagte Jacques Villeneuve. Schumi versuchte 1996 beim WM-Finale den Kanadier von der Piste zu schießen, schied aber selbst aus. "Es war ein Fehler", übt er heute Selbstkritik.

(SID/chk)
 
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