| 16.49 Uhr

Rosberg und Hamilton die Pechvögel
Vettel triumphiert bei Chaos-Rennen in Ungarn

Bilder: Vettel bejubelt seinen zweiten Sieg im Ferrari
Bilder: Vettel bejubelt seinen zweiten Sieg im Ferrari FOTO: afp, iw
Budapest. Perfekter Sebastian Vettel, Pechvögel Nico Rosberg und Lewis Hamilton: Der deutsche Ferrari-Star hat das emotionale Chaos-Rennen in Ungarn mit einer makellosen Vorstellung gewonnen und seinen Premierensieg auf dem Hungaroring gefeiert.

Im Titelduell der Silberpfeile fiel Nico Rosberg nach einem Plattfuß in der Schlussphase auf den achten Platz zurück und lag damit sogar noch hinter dem völlig indisponierten Weltmeister Lewis Hamilton, der trotz einiger Patzer Sechster wurde.

"Dieser Sieg ist für Jules, er wird immer in unseren Herzen sein", sagte Sieger Vettel in Gedenken an Jules Bianchi: "Früher oder später wäre er ein Teil des Ferrari-Teams geworden. Es war eine ganz harte Woche für uns alle, ein sehr, sehr großer Verlust."

Vor dem Start hatte die Formel-1-Familie gemeinsam mit den Eltern und Geschwistern Abschied von dem vor einer Woche verstorbenen Bianchi genommen. Bernie Ecclestone hatte Bianchis Vater Philippe, Mutter Christine, Schwester Melanie und Bruder Tom in seinem Privat-Jet von Nizza einfliegen lassen. "Es ist eine schreckliche Situation. Aber die ganze Familie wollte hier sein, um diese Unterstützung zu erfahren. Und auch, um die Formel 1 zu unterstützen. Jules ist auch hier bei uns an diesem Tag", sagte Philippe Bianchi.

Bilder: Großer Preis von Ungarn: das Rennen FOTO: afp, iw

Zum Gedenken an Bianchi bildeten die Fahrer zur ungarischen Nationalhymne zusammen mit der Familie des Franzosen einen Kreis um ihre Helme, zu denen Tom Bianchi auch den von Jules gelegt hatte. "Sie wurden bislang wenig mit so etwas konfrontiert, weil heute alles so viel sicherer ist. In unserer Zeit sind zwei Piloten im Jahr gestorben", sagte RTL-Experte und Mercedes-Aufsichtsratsboss Niki Lauda.

Hinter Vettel, der seinen 41. Sieg feierte und in der ewigen Bestenliste mit Ayrton Senna (Brasilien) auf Rang drei gleichzog, komplettierten überraschend die beiden Red-Bull-Piloten Daniil Kwjat (Russland) und Vorjahressieger Daniel Ricciardo (Australien) das Podium. Kimi Räikkönen (Finnland) war im zweiten Ferrari ausgefallen. In der WM-Wertung liegt Hamilton mit 202 Punkten weiter vor Rosberg (181) und Vettel (160).

"Heute hatten wir mehr Schwierigkeiten als normalerweise in eine ganze Saison passen", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei Sky: "Das war ein richtig schlechter Tag im Büro. Wir müssen uns jetzt auf jeden Fall Gedanken machen, damit wir die Fehler ausmerzen und die WM nicht aufs Spiel setzen."

Bilder: Formel 1 hält Schweigeminute für Bianchi ab FOTO: ap

Nico Hülkenberg (Emmerich), der beim Start von Rang elf bis auf Platz fünf nach vorne geschossen war, krachte in der 42. Runde nach dem Bruch seines Frontflügels fast ungebremst in einen Reifenstapel, kletterte aber unverletzt aus seinem Force India. "Mir geht's gut, alles wunderbar. Ich weiß nicht genau, wie das passiert ist, ich habe nur einen Knall gehört und bin dann ohne zu verzögern geradeaus gefahren", sagte der Le-Mans-Gewinner bei RTL.

Beim Start hatten die Silberpfeile eine böse Überraschung erlebt. Vettel schoss an die Spitze, wenig später schnappte sich Räikkönen auch noch Rosberg und machte die rote Doppelführung perfekt.

Hamilton, der den schwächsten Start des Quartetts erwischt hatte, versuchte es in Kurve sechs mit der Brechstange gegen Rosberg, machte einen Abflug ins Kiesbett und kam erst als Zehnter wieder zurück auf die Rennstrecke. Anschließend beschwerte sich der Brite über seinen Teamkollegen: "Nico hat mich geschnitten und rausgeschubst."

Bis zum ersten Reifenwechsel hatte sich Hamilton bis auf Rang fünf vorgearbeitet, doch Rosberg war chancenlos, die beiden Ferrari ernsthaft zu gefährden. Deshalb entschied Mercedes, seine Strategie zu splitten. Rosberg bekam die härtere Medium-Mischung aufgezogen, während Hamilton erneut auf den weicheren Soft-Reifen setzte. Damit gelang es dem zweimaligen Champion zumindest, Ricciardo im Red Bull zu überholen und sich auf Rang vier zu schieben, allerdings mit rund 30 Sekunden Rückstand auf den souverän führenden Vettel.

Nach dem heftigen Crash von Hülkenberg rückte das Safety Car aus, und die Karten wurden neu gemischt. Zumal Räikkönen Probleme mit dem Energierückgewinnungssystem hatte und sofort beim Neustart von Rosberg kassiert wurde.

Hamilton dagegen wurde in einen heftigen Zweikampf mit Ricciardo verwickelt, musste den Australier passieren lassen und sich anschließend in der Box eine neue Nase holen. Zudem kassierte er auch noch eine Durchfahrtstrafe. Wenig später krachten dann Ricciardo und Rosberg ineinander, der Deutsche holte sich dabei einen Plattfuß und fiel weit zurück.

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