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Ferrari-Pilot im Interview
"Mir wäre ein bisschen Tradition lieber"

Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister
Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister FOTO: dpa, pst jai nic
Hockenheim. Erstmals geht Sebastian Vettel in seinem Ferrari beim Großen Preis von Deutschland in Hockenheim an den Start. Im Interview spricht der viermalige Weltmeister über das Rennen in seinem Wohnzimmer und den langen Weg zurück an die Spitze der Formel 1.

Herr Vettel, Ihr Heimatort Heppenheim liegt keine 40 Autominuten von Hockenheim entfernt. Fühlt sich der Deutschland-Grand-Prix ein bisschen wie nachhause kommen an?

Sebastian Vettel "Auf jeden Fall. Es ist ja nur ein Katzensprung von Heppenheim. Ich werde zwar an der Strecke schlafen, aber die Nähe macht es speziell, Familie und Freunde werden da sein."

Verspüren Sie besonderen Druck vor dem ersten Heimrennen mit Ferrari?

Vettel "Druck haben wir überall, zuhause gibt es eher einen Extra-Ansporn. Ich kenne Hockenheim schon lange, das ist so etwas wie mein Wohnzimmer. Und das erste Mal mit Ferrari ist auf jeden Fall etwas Besonderes."

Wird es am Sonntag der vorletzte oder vielleicht sogar der letzte Heim-Grand-Prix?

Vettel "Es wäre extrem schade. Mal abgesehen davon, dass es Deutschland ist: Es ist wichtig, dass die Traditionsstrecken im Kalender bleiben. Natürlich kann man sich über wirtschaftliche Aspekte streiten, aber wenn ein Stück Geschichte von heute auf morgen wegfällt, würde dem Sport sehr viel fehlen."

Haben Sie das Gefühl, dass sich die Sichtweise der Deutschen auf die Formel 1 verändert hat?

Vettel "Natürlich sind die Ticketpreise relativ hoch, und eine junge Familie überlegt sich gut, ob so ein Wochenende noch im Jahresbudget liegt. Andererseits gibt es genügend deutsche Fahrer, Nico Rosberg fährt sogar in einem deutschen Auto um die WM. Vielleicht ist der Deutsche hier und da etwas zu anspruchsvoll. In Silverstone war das Wetter bescheiden, trotzdem war Sonntagmorgen die Hölle los. Ich hoffe aber, dass wir schönes Wetter haben und viele Fans kommen."

Der Vergleich mit der Schumacher-Ära ist allgegenwärtig, als 100.000 Zuschauer zu den Rennen kamen. Wird es solche Zahlen jemals wieder geben?

Vettel "Ich hoffe es! Aber in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung hat sich die Formel 1 hier und da keinen Gefallen getan. Der Sport ist sehr komplex, und das ist nicht gut für die Zuschauer. Mir wäre ein bisschen mehr Tradition lieber: dass die Autos laut sind und stinken, all das, was früher den Reiz ausgemacht hat. Aber man kann die Dinge jetzt nicht über Nacht ändern."

Ferrari muss hart arbeiten, um an Mercedes heranzukommen, vielleicht härter als es im vergangenen Jahr schien. Fällt es da schwer, geduldig zu sein?

Vettel "Geduld ist eigentlich keine gute Eigenschaft für einen Rennfahrer, das passt nicht ins Prinzip (lacht). Ich kann sagen: Der Wechsel zu Ferrari war kein Schnellschuss. Ich habe nicht gedacht, dass morgen alles klappen muss. Wenn das Team neu geformt werden muss, dann muss man sich auch die nötige Zeit lassen, bis sich die Erfolge einstellen."

Welche Rolle spielt bei der Jagd auf Mercedes die Reglement-Änderung 2017?

Vettel "An den Autos wird sich schon sehr viel ändern. Das stellt die Uhr für alle in gewisser Weise auf null. Ich glaube schon, dass es nächstes Jahr noch mal deutlich enger werden kann. Beim Motor fehlt uns noch ein bisschen. Aber die Schritte, die wir in den vergangenen Monaten gemacht haben, waren großartig. Kein anderes Team hat solche Fortschritte gemacht."

(sid)
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