| 17.19 Uhr

Reifenpatzer beim GP von Belgien
Vettel sieht Formel-1-Piloten in Lebensgefahr

Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister
Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister FOTO: dpa, pst jai nic
Spa-Francorchamps. Vettel gegen Pirelli: Der Ferrari-Pilot sieht nach den Reifenplatzern von Spa Gesundheit und Leben der Fahrer gefährdet. Der Ausrüster sucht die Schuld dagegen bei Ferrari - und erhält Unterstützung auch aus dem Fahrerlager.

Sebastian Vettels Schimpftirade hallte nach. Der viermalige Weltmeister hatte die Rennstrecke in Spa längst wutentbrannt verlassen, da nahm die Diskussion um die Reifenplatzer in Belgien gerade erst Fahrt auf - denn wenn Gesundheit und Leben der Fahrer in Gefahr scheinen, dann hat die Formel 1 ein echtes Problem.

"Zwischen Ferrari und Pirelli ist ein Krieg ausgebrochen", titelte die italienische Tageszeitung La Repubblica und schlug sich dabei klar auf die Seite der Scuderia. Die Königsklasse müsse sich "ernsthafte Gedanken über ein Wochenende machen, in dem die Piloten sich in Lebensgefahr begeben haben".

"Miserabel" seien die Reifen von Pirelli schon seit Jahren, "inakzeptabel" seien die Vorfälle auf der Traditionsstrecke - Vettel hatte wenig Raum für Interpretationen gelassen, nachdem sein rechter Hinterreifen kurz vor Schluss bei Höchsttempo explodiert war. Auch Nico Rosberg, an dessen Mercedes schon im freien Training ein Pneu geplatzt war, stützte Vettels Aussagen.

"Wir haben beide Riesenglück gehabt, es kann nicht sein, dass die Reifen ohne Vorwarnung einfach platzen", sagte Rosberg. Doch so eindeutig ist die Lage wohl nicht.

Ferrari müsse "sich auch selbst an die Nase fassen", sagte nicht nur Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: "Ich bin ganz klar der Meinung, dass man Pirelli in Schutz nehmen muss." Als einziges Team hatte Ferrari sich an einer Ein-Stopp-Strategie versucht und die Reifen damit einer Zerreißprobe unterzogen. Zwei bis drei Stopps waren von Pirelli empfohlen.

Wolff verstehe den Ansatz Ferraris zwar, "es war ihre einzige Chance, noch auf das Podium zu fahren", sagte der Österreicher, "aber es war eben auch ein Sicherheitsrisiko."

Und sogar die Ferrari wohlgesonnene Gazzetta dello Sport sah die Schuld eher beim Rennstall. "Bei Ferrari explodieren Reifen und Polemik", schrieb das Blatt mit Blick auf Vettels Ausraster: "Ferrari hat die Grenzen ausgetestet und verloren."

Pirellis Motorsportchef Paul Hembery hatte die Ursache unmittelbar nach dem Rennen bereits in der gewagten Strategie gesucht. "Der Reifen war am Ende, und wenn es so weit kommt, dann bekommt jedes Gummi der Welt Probleme", sagte der Engländer. Vettel hatte auf seinem Satz 28 Runden absolviert und später beteuert, dass Pirelli 40 Runden in Aussicht gestellt hatte.

Erst auf mehrfache Nachfrage dementierte Hembery dies nicht mehr. Diese Zahl sei genannt worden, es habe sich jedoch nicht um eine Garantie gehandelt: "Es hängt vom Auto ab, von den Rennbedingungen, von der Rennsituation." Dass man bei der Scuderia sehenden Auges ein Risiko für Vettel eingegangen sei, wies Teamchef Maurizio Arrivabene allerding entschieden zurück. "Wir sind nicht so dumm und verrückt", sagte der Italiener, die vorliegenden Daten hätten das Team in keiner Weise vorgewarnt.

Die Frage zur Verlässlichkeit der Pirelli-Reifen ist indes nicht neu in der Formel 1. 2013 hatten zahlreiche explodierte Pneus beim Großen Preis von England für Aufsehen gesorgt, Pirelli reagierte anschließend schnell mit überarbeiteten Reifen, auch Vettel lobte die Italiener anschließend dafür.

In Spa platzte nun bereits im freien Training am Freitag an Rosbergs Mercedes ebenfalls der rechte Hinterreifen, zudem gab es in der Rahmenserie GP3 einen ähnlichen Vorfall. Klärungsbedarf besteht für Pirelli damit in jedem Fall, gerade vor dem kommenden Rennen in Monza (6. September) sorgen die Vorfälle für ein mulmiges Gefühl. "Wir müssen mehr Sicherheit reinbringen", sagte Rosberg, "besonders vor Monza - das ist die schnellste Strecke des Jahres."

(sid)
 
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