| 17.11 Uhr

Traum vom WM-Titel geplatzt
Diese Niederlage nagt an Vettel

Pressestimmen: "Hamilton erobert das Maximum mit der minimalen Leistung"
Pressestimmen: "Hamilton erobert das Maximum mit der minimalen Leistung" FOTO: dpa, RB hjb
Mexiko-Stadt. Sebastian Vettel hatte vom WM-Wunder geträumt, die endgültige Niederlage gegen Lewis Hamilton nahm ihn völlig mit. Für 2018 hofft der Ferrari-Fahrer auf das nächste Duell.

Sebastian Vettel verschränkte die Arme vor der Brust, die Kappe zog er sich tief ins Gesicht, eine dicke Sonnenbrille machte den Blick in seine Augen unmöglich. Seinen Frust konnte und wollte der Ferrari-Star nach dem endgültig verlorenen Kampf um die WM gegen Lewis Hamilton nicht verbergen.

"Natürlich bin ich niedergeschlagen. Es ist nicht einfach, die Ziellinie zu überqueren und zu wissen, dass es vorbei ist", sagte Vettel, als mit Rang vier nach dem Startdrama von Mexiko auch seine allerletzte WM-Hoffnung geplatzt war.

"Harter Tag" für Vettel

Enttäuscht und traurig sprach Vettel von der vergebenen Chance, endlich mit Ferrari den WM-Titel zu gewinnen. Trotz der aussichtslosen Lage vor dem Rennen habe er noch an das Wunder "geglaubt", doch dann musste Vettel seinem Rivalen Hamilton beim Feiern und Champagner schlürfen zuschauen.

"Das ist ein harter Tag", sagte Vettel, dessen Traum schon nach wenigen Hundert Metern quasi beendet war. Der viermalige Weltmeister wirkte dabei wie ein Häufchen Elend. Der härteste Tag seiner Karriere? "Ich kann mich nicht an alle Tage erinnern, aber es ist sicherlich kein Highlight."

Artig gratulierte der Heppenheimer seinem Rivalen und umarmte ihn kurz. "Das ist der große Tag von Lewis, er ist Weltmeister und das hat er verdient", sagte Vettel: "Er war der bessere Mann."

Und diese Feststellung schmerzte Vettel wohl am meisten. Über zwei Drittel der Saison hatte er die WM angeführt, beste Chancen auf seinen fünften WM-Titel gehabt - doch durch eigene Fehler brachten sich der 30-Jährige und die Scuderia um den Lohn der harten Arbeit. "Im Moment bin ich einfach nur enttäuscht", sagte Vettel.

Nach dem Start kollidierte der Polesetter in der zweiten Kurve mit dem Red Bull des späteren Siegers Max Verstappen, Vettels Frontflügel wurde dabei beschädigt. Eine Kurve später schlitzte er Hamilton den rechten Hinterreifen auf, beide fielen ans Ende des Feldes zurück. Da war die WM für Vettel gelaufen.

"Vettel starb beim Töten", titelte die spanische Sporttageszeitung Marca treffend - seine Aufholjagd bis auf Rang vier nach seinem "selbstverstümmelnden Manöver" (Corriere dello Sport) nützte nichts mehr: Hamilton wurde noch Neunter, in dieser Konstellation hätte Vettel die Entscheidung nur mit einem Sieg noch einmal vertagen können.

Schumacher als Vorbild für Vettel

Natürlich weiß Vettel, dass er diese WM nicht in Mexiko verloren hat, der Startcrash in Singapur sowie die technischen Probleme in Malaysia und Japan hatten ihn schon zuvor um alle realistischen Chancen gebracht. Für die Saison 2018 hofft er nun auf einen neuen Angriff.

"Nächstes Jahr geht alles wieder von vorne los", sagte der mit einem Vertrag bis 2020 ausgestattete Vettel und rückte keinen Deut von seiner Mission ab: "Ich will mit Ferrari die Weltmeisterschaft gewinnen, das ist mein Ziel." Dafür muss er sich und die Scuderia in den nächsten Wochen und Monaten aber erst einmal wieder aufrichten.

Ein ähnliches Kunststück gelang auch seinem großen Idol Michael Schumacher, ihm eifert Vettel nach. "Ich will meine eigenen Fußstapfen hinterlassen, aber meine größte Herausforderung, mein großer Traum ist es, mit Ferrari zu siegen wie damals Michael", sagte Vettel zuletzt dem Magazin Socrates.

2018 soll es endlich so weit sein, dann will er Hamilton besiegen. "Ich fürchte ihn nicht", sagte Vettel. In Italien wachsen aber die Zweifel. "Gegen den besten Hamilton aller Zeiten kann Ferrari wenig anfangen", unkte die Zeitung Repubblica. Vettel muss wohl nicht nur sich und sein Team aufrichten.

(sid)
 
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