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Scuderia kommt nicht in die Gänge
Alarmstufe Rot für Ferrari und Vettel

Bilder: Vettel platzt in Spielberg der Reifen
Bilder: Vettel platzt in Spielberg der Reifen FOTO: afp
In Silverstone ist Sebastian Vettel zum wiederholten Mal von seinem eigenen Team eingebremst worden. Ferrari kommt in dieser Saison buchstäblich nicht in die Gänge.

Sebastian Vettel war sehr bemüht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. "Das Problem ist, dass es immer andere Ursachen hat", sagte der viermalige Formel-1-Weltmeister nach dem erneuten Ferrari-Desaster im Qualifying von Silverstone.

Zum dritten Mal binnen einer Woche wurde das Getriebe an Vettels Auto gewechselt, der Fahrer zum dritten Mal in diesem Jahr in der Startaufstellung um fünf Plätze nach hinten versetzt. "Wir müssen diese Schwäche so schnell wie möglich abstellen", sagte Vettel, und er sah dabei mehr als nur ein bisschen ratlos aus.

In dieser Saison, in der Ferrari eigentlich zum Großangriff auf Mercedes und den WM-Titel blasen wollte, kommen die Roten aus Maranello buchstäblich nicht in die Gänge. Schlimmer noch: Das traditionsreiche und immer ein bisschen elitäre Team aus Maranello wirkt in sich so chaotisch, wie man es zuletzt aus der Pre-Schumacher-Ära Anfang der Neunziger Jahre kannte.

Großer Preis von Großbritannien: das Qualifying FOTO: afp

Das aktuelle Auto hat einen bärenstarken Motor, der aber durch ein nicht optimales Chassis und andauernde Probleme mit Getriebe und Reifenmanagement kaum einmal seine volle Kraft auf die Strecke bringen kann. Chassis, Reifen, Getriebe - drei Baustellen, die das Team einfach nicht in den Griff kriegt. Die Fahrer sind die Leidtragenden, Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen waren 2016 bislang nie ernsthaft in der Lage, Mercedes Paroli zu bieten. Längst hat Vettel seine Durchhalteparolen aufgegeben, "Mercedes ist einfach überall schneller als wir", sagte er in Silverstone.

Das wird sich 2016 vermutlich auch nicht mehr ändern, zu gravierend sind die Schwächen bei Ferrari. Vorbei die Zeiten, in denen Michael Schumacher sich der vollen Rückendeckung von Teamchef Jean Todt und Superhirn Ross Brawn sicher sein konnte, in denen Schumacher gestützt auf ein perfekt funktionierendes Team nahezu unschlagbar war.

Mittlerweile wechselt Ferrari seine Führungscrew ähnlich oft wie das Getriebe an Vettels Auto, und der zurzeit verantwortliche Teamchef Maurizio Arrivabene vermittelt ein alles andere als souveränes Bild. Zudem weiß er sich unter ständiger kritischer Beobachtung von Fiat-Boss Sergio Marchionne, der seinen Unmut über den aktuellen Leistungsstand der Scuderia in den vergangenen Wochen mehr als einmal öffentlich zum Ausdruck brachte.

Formel 1: Die Quali-Duelle 2016 FOTO: afp, ww/DD/ia

Ross Brawn hat die Hoffnung in sein einstiges Team trotz aller Rückschläge nicht aufgegeben. "Sie müssen jetzt vor allem Ruhe bewahren", sagte der Engländer im Gespräch mit Sky Sports F1 und brach eine Lanze für Ferraris aktuellen Technikchef James Allison: "Er ist brillant, sie müssen ihn nur gewähren lassen." Allerdings ist Allison, der sich nach dem plötzlichen Tod seiner Ehefrau Rebecca im Januar allein um seine drei Kinder im Teenageralter kümmern muss, für Ferrari nicht jederzeit verfügbar und auch nicht bei allen Rennen vor Ort.

Und so muss also Sebastian Vettel den Traum vom fünften WM-Titel zunächst auf 2017 verschieben. Bis dahin wird er tun, was er kann, um näher an Mercedes heranzurücken und sich vor allem der immer stärker werdenden Konkurrenz von Red Bull nach Kräften zu erwehren.

"Ich glaube, wir sind definitiv die zweite Kraft in der Formel 1", hatte er noch in Kanada behauptet. Seither hat er das nicht mehr so gesagt.

(sid)
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