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Hitzkopf der Formel 1
Stinkefinger, Gurke, Rammstoß – Vettels Ausraster

Pressestimmen: "Seb, das war nicht weltmeisterlich!"
Pressestimmen: "Seb, das war nicht weltmeisterlich!" FOTO: afp
Düsseldorf. Beim Großen Preis von Aserbaidschan hat Sebastian Vettel die Nerven verloren und absichtlich den Mercedes von Lewis Hamilton gerammt. Beileibe nicht sein erster negativer Aussetzer in der Formel 1.  Von Daniel Brickwedde

Es gibt den einen Sebastian Vettel, den mit dem breiten Strahlen auf den Siegertreppchen der Formel-1-Welt. Es ist der Erfolgs-Vettel, der einst als unbekümmertes und sympathisches Teenie-Idol die Formel 1 verzückte und vier Weltmeistertitel zwischen 2010 und 2013 einfuhr. Allerdings gibt es auch einen anderen Vettel: den Ungeduldigen, Dünnhäutigen und oft Unsportlichen. Seine Nerven hat er dabei häufig nicht im Griff. In Baku verlor er nun komplett den Kopf.

Vettel ärgerte sich über eine Bremsaktion von Lewis Hamilton während einer Safety-Car-Phase, zog neben den Briten und rammte den Mercedes. Das Entsetzen und Unverständnis in der Formel 1 und der Medienlandschaft war anschließend groß. "Billiges Manöver eines Hochbegabten", schrieb die englische Zeitung "DailyMail" und die spanische "AS" bemerkte: "Vettel spielt plötzlich verrückt."

Für die Aktion bekam er eine zehn Sekunden Stop-and-Go-Strafe und drei Strafpunkte. Der Ferrari-Fahrer hat nun bereits neun Strafpunkte auf dem Konto. Erhöht sich diese Zahl auf zwölf, wird Vettel automatisch für ein Rennen gesperrt. Nach dem Grand Prix von Österreich am 9. Juli verjähren allerdings zwei von Vettels Strafpunkten aus der Vorsaison.

Der Ramm-Eklat von Baku ist Vettels heftigste, aber nicht seine erste Entgleisung. Eine Übersicht:

  • Vettels berüchtigter Stinkefinger

Bei der Jagd auf Valtteri Bottas steht Vettel beim Großen Preis von Russland 2017 der überrundete Felipe Massa im Weg. Vettel zetert im Boxenfunk, wie man es von ihm gewohnt ist. Und dann zeigt Vettel dem Brasilianer den Mittelfinger – auch das sieht man nicht zum ersten Mal in der Karriere des Mehrfach-Weltmeisters. 

  • "Fuck off! Fuck off!"

Beim Großen Preis von Mexiko 2016 kommt es zu harten Duellen mit den beiden Red-Bull-Piloten Daniel Ricciardo und Max Verstappen. Für den Ferrari-Piloten sind beide dabei unfair unterwegs. Bestraft werden sie aber nicht. Per Funk beschwert sich Vettel deshalb massiv bei seiner Box und richtet sich mit den Worten "Ich habe eine Botschaft für Charlie: Fuck off! Fuck off!" an Rennleiter Charlie Whiting. Zuvor hatte er bereits im Training Fernando Alonso ("Idiot") und Felipe Massa ("dumm") unpfleglich beleidigt.

  • "Der will mich doch verarschen"

Kamui Kobayashi im Caterham liegt beim Großen Preis von China 2014 zwar eine Runde zurück, ist mit neuen Reifen jedoch schneller unterwegs als Vettel und überholt den damaligen Red-Bull-Piloten. Der füllt sich davon aufgehalten, funkt an die Box: "Der will mich doch ernsthaft verarschen. Er soll aus dem Weg gehen."

  • Perez macht keinen Platz

Vettel läuft beim Großen Preis von Japan 2013 zum Überrunden auf Sergio Perez im McLaren auf, der nicht sofort ausweicht. Vettel reagiert prompt und beschwert sich über Funk bei der Rennleitung: "Perez soll Platz machen. Packt ihm aus dem Weg. Ich verliere Zeit! Charlie, pack ihn weg, das ist nicht fair."

  • Indische Gurke

Kurz vor Rennende beim Großen Preis von Malaysia 2012 steht die Überrundung von Narain Karthikeyan an. Dabei schlitzt sich Vettel beim Wiedereinscheren den linken Hinterreifen am Frontflügel des Inders auf. Daraufhin zeigt er Karthikeyan den Mittelfinger und bemerkt nach dem Rennen: "Wie im echten Leben gibt es eben ein paar Gurken, die auf der Strecke fahren. Da muss man überlegen, ob Autofahren für ihn der richtige Job ist".

  • Immer wieder Karthikeyan

Beim Großen Preis der USA 2012 ist wieder eine Überrundung ausschlaggebend – wieder ist Karthikeyan involviert. In einer schnellen S-Kurve auf der Strecke von Austin sieht der Inder keine Chance, Vettel vorbeizulassen. Der schimpft in die Funkbox: "Was hat der Kerl in der Formel 1 zu suchen? Was ein dummes Manöver". 

  • Vettel will nach Hause

In Führung liegend kollidieren die beiden Red Bull von Mark Webber und Vettel beim Großen Preis von der Türkei 2010. "Was zum Teufel tun wir hier? Wir wollen doch die Meisterschaft gewinnen. Was für eine Scheiße. Was für eine dumme Aktion. Ich fahre nach Hause", poltert Vettel. Dabei wird die Schuld für den Crash hinterher eher beim deutschen gesehen. Doch der bleibt uneinsichtig.

 
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