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Michael-Schumacher-Serie: Teil 5: Des Dominators langer Schatten

VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 21.10.2006 - 23:00

Sao Paulo (RP). „Ein schneller Fahrer weniger“, meinte Ralf Schumacher (31) zum Rücktritt seines Bruders Michael (37), der morgen sein letztes Formel-1-Rennen bestreitet. Als der Superstar in Monza seinen Rücktritt zum Ende dieser Saison erklärte, verließ Ralf mit seiner Frau Cora, mit ihrem Hang zur Selbstdarstellung das Gegenstück der die Öffentlichkeit meidenden Ehefrau Michaels, Corinna, das Fahrerlager.

Der eingesprungene Schumacher.  Foto: AP, AP
Der eingesprungene Schumacher. Foto: AP, AP

„Wir haben unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Leben. Ein Bruder muss doch nicht auch der beste Freund sein“, sagte Ralf, für den Michael gewiss einige Türen im Rennsport geöffnet hat. „Aber fahren musste ich alleine“, bemerkte er dazu ziemlich kühl.

Michael Schumacher verlässt die Pisten, auf denen er sich packende Duelle lieferte. Etwa mit Mika Häkkinen, der 1998 im damals nicht nur schnellen, sondern auch standfesten McLaren-Mercedes den Titel holte, 2000 knapp verlor und 2001 ohne Chance war. „Es wurde nie hässlich, auch auf der Strecke nicht“, erinnert sich der Finne, dessen Landsmann Kimi Räikkönen auch wegen schwächelnder Silberpfeile stets zweiter Sieger blieb.

Nicht alle Rivalen sprechen so von Schumacher. Jacques Villeneuve, seit einer unfairen, aber vergeblichen Attacke im WM-Finale 1997 ein erbitterter Kritiker, warf dem Kerpener immer wieder „schmutzige Tricks und Lügen“ vor, die so gar nicht passten zur Führungsrolle, die Schumacher bei der Fahrer-Vertretung über ein Jahrzehnt innehatte. Die nutzte er aber auch, aufgewühlt durch den tödlichen Unfall von Ayrton Senna, bei dem er am 1.Mai 1994 unmittelbar hinter dem Brasilianer fuhr, um die Sicherheit der Autos und Strecken auf ein extrem hohes Maß zu steigern.

Auch mit Senna, dem der forsche Emporkömmling suspekt war, hatte Schumacher so manchen Strauß ausgefochten. Und Damon Hill, der 1994 und 1995 im Duell um den WM-Titel den Kürzeren zog, dabei nach Ansicht vieler im ersten Finale vom Kerpener in einen Unfall gelockt wurde, war erst Jahre später milder gestimmt. „Ich war halt der erste von vielen, die er besiegte. Aber er hat mich zu Leistungen getrieben, die ich mir nie zugetraut hatte“, meinte der Brite.

Chancenlos waren fast alle Teamkollegen Schumachers. Auch, aber nicht nur, weil es dieser verstand, alle Konzentration des Teams auf sich zu vereinigen - was sich ja auch für alle lohnte. Mal abgesehen von Martin Brundle, Riccardo Patrese, JJ Lehto, Jos Verstappen, Johnny Herbert (alle Benetton), Eddie Irvine, Rubens Barrichello und Felipe Massa (alle Ferrari), die nie aus dem großen Schatten treten konnten, auch nicht durften. Etwa Barrichello, der Schumacher im Mai 2002 den Sieg überließ, da ihn Teamchef Jean Todt einige Zeit zuvor mit Blick auf die WM dazu aufgefordert hatte. Allerdings stoppte der Brasilianer, gewissermaßen in stillem Protest, erst kurz vor dem Ziel ab.

Morgen tritt der Mann ab, der - wie einst die Tennisstars Boris Becker und Steffi Graf - einer Sportart in Deutschland zum Boom verhalf. Der den TV-Sender RTL glücklich machte, der seine Kasse und die vieler anderer füllte, der den Mythos Ferrari wiederbelebte. Ob und wer, vor allem aus deutscher Sicht, seine Rolle übernehmen kann, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Im März 2007 beginnt die neue Saison und damit die Zeit für neue Helden.


 
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