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Formel 1: Toyota im Nirgendwo

zuletzt aktualisiert: 02.10.2009 - 15:43

Suzuka (RPO). Auf der einen Seite buhlt Toyota öffentlich um Top-Fahrer wie Robert Kubica oder Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen, auf der anderen droht dem Noch-Team von Timo Glock nach Saisonende die Vollbremsung: Vor dem Heimspiel in Suzuka (Sonntag, 7 Uhr MESZ/Live-Ticker) schweben die Japaner irgendwo zwischen eigenen Träumen und dem großen Trauma.

Denn ein Jahr nach dem Formel-1-Ausstieg des ewigen Rivalen Honda könnte auch der größte Automobil-Hersteller der Welt aufgrund der Weltwirtschaftskrise der Königsklasse den Rücken kehren. Der Vorstand will offenbar am 15. November eine Entscheidung treffen, nach offizieller Lesart über das Budget für 2010, in Wahrheit aber wohl eher über den Rückzug.

Den schließt Teamchef Tadashi Yamashina offenbar nicht mehr aus. "Wenn man mich fragen würde, ob es einen Unterschied machen würde, wenn man das Geld, das wir in der Formel 1 ausgeben, an anderer Stelle für Umweltprojekte nutzen würde, dann müsste ich sagen: Ja, das würde es", sagte er im Vorfeld des Großen Preises von Japan.

Man habe zwar das neue Concorde Agreement bis 2012 unterschrieben und die Einschreibung für 2010 eingereicht, allerdings sei die Formel 1 nicht das Kerngeschäft von Toyota, räumte Yamashina ein: "Angesichts des aktuellen Wirtschaftsklimas könnten wir vielleicht gezwungen sein, alle Möglichkeiten für die Zukunft in Betracht zu ziehen."

Damit ist ein Ausstieg denkbar, obwohl das Team seine hochgesteckten Ziele noch nicht erreicht hat. Seit dem Einstieg 2002 wartet der Rennstall, der von Köln aus operiert, auf einen Sieg und erst recht den WM-Titel. Vor dem Szenario des drohenden Rückzugs könnte der Verzicht auf die per Option mögliche Vertragsverlängerung mit dem Odenwälder Glock für 2010 einfach nur fair gewesen sein. So kann der 27-Jährige sich auch anderweitig umsehen, was er mit seinem Manager Hans-Bernd Kamps auch schon seit einigen Wochen macht. Inzwischen gibt es bereits drei Interessenten.

John Howett, als Motorsport-Präsident neben Yamashina für das Team verantwortlich, äußert sich allerdings anders, sowohl in Bezug auf den Rückzug als auch auf die Fahrer. "Wir planen viel weiter als andere. Wir haben verschiedene Szenarien und ich gehe davon aus, im nächsten Jahr wieder hier in Suzuka zu sein", erklärte der Brite am Freitag auf einer Pressekonferenz.

Den Verzicht auf die Optionen auf Glock und dessen Teamkollegen Jarno Trulli (Italien) erklärt er damit, dadurch auf dem zuletzt wieder größer gewordenen Fahrermarkt mehr Optionen zu haben. "Der Markt ist stark in Bewegung. Wir haben unseren Fahrern offen gesagt, dass wir vielleicht keine Plätze für sie haben, sind aber mit beiden, besonders mit Timo, weiter in Kontakt", sagte er: "Aber ich denke, es wird noch einige Wechsel geben, über die im Moment noch gar nicht spekuliert wird. Dafür wollen wir frei sein."

Am Polen Kubica, dessen Vertrag bei BMW-Sauber ausläuft, "wären wir definitiv interessiert", meinte Howett und kündigte einen Kampf mit Renault an. Die Franzosen, die in der kommenden Woche ihren Ersatz für den zu Ferrari wechselden Fernando Alonso bekannt geben wollen, sollen sich mit dem 24-Jährigen schon weitgehend einig sein. "Schauen wir, was passiert", meinte Howett: "Wir haben aber auch Alternativen."

So habe man auch Kontakt zum Management von Räikkönen aufgenommen, der bei Ferrari für Alonso Platz machen muss. Am Geld soll es für den langjährigen Krösus unter den Teams nicht scheitern. Trotz der vereinbarten Sparmaßnahmen in der gesamten Formel 1 rechnet Howett noch mit einem "sehr bedeutenden und beträchtlichen Budget".

Auch die technische Entwicklung für die kommende Saison führt das Team natürlich weiter, für den Fall, dass sich die Konzernspitze doch noch fürs Weitermachen entscheidet. So stellte Toyota gerade den deutschen Kupplungs- und Stoßdämpfer-Spezialist Sachs als neuen Partner für 2010 vor.

Quelle: SID/röhn

 
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