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Rollen in der Formel 1
Verfolger, Favorit und Außenseiter

Großer Preis von Belgien: das freie Training
Großer Preis von Belgien: das freie Training FOTO: afp, mm
Spa. Die Rollen der großen Drei in der Formel 1 sind auch beim Großen Preis von Belgien an diesem Wochenende klar verteilt. Von Eckhard Czekalla

Eigentlich kann es Rennfahrern nicht schnell genug gehen. Nico Rosberg jedoch hofft, dass alles im erwarteten Zeitplan bleibt. Das hat allerdings nichts mit seiner Arbeit als Formel-1-Fahrer für Mercedes zu tun. Vielmehr erwartet seine hochschwangere Frau Vivian ihr erstes Kind. Errechnet ist der Zeitpunkt für die kommende Woche. Heute und morgen ist der werdende Vater beim Großen Preis von Belgien im Einsatz. Für den Fall der Fälle steht ein Privatchauffeur an der Strecke in Spa-Francorchamps bereit, und ein Privatjet ist startklar.

Der in Monte Carlo lebende Wiesbadener will morgen seine Chance im Kampf um den WM-Titel wahren. Vor dem elften der 19 WM-Rennen spielt Rosbergs Teamkollege Lewis Hamilton die Rolle des Favoriten. Der Engländer hat 202 Punkte auf dem Konto, 21 mehr als sein Verfolger Rosberg. Der Part des Außenseiters gehört Ferrari-Pilot Sebastian Vettel (160). Das Trio prägt bislang die Saison. Nur fünf andere Fahrer schafften es jeweils einmal, bei der Siegerehrung dabei zu sein.

In der knapp vierwöchigen Sommerpause tüftelte Sebastian Vettel in der Garage seines Schweizer Domizils, tankte bei der Gartenarbeit neue Energien. In Spa merkt man dem viermaligen Champion an, wie er die Zeit bei Ferrari genießt. "Es läuft besser, als man erwarten konnte", sagt der 28-Jährige. In der vergangenen Saison bei Red Bull war er nach der Einführung der Turbomotoren weit hinter seinen Erwartungen geblieben. Nun hat er bereits zwei Saisonsiege geholt und seinen Teamchef unter Druck gesetzt. Maurizio Arrivabane hatte nach der vergangenen Saison, in der Ferrari erstmals seit 21 Jahren keinen WM-Lauf gewonnen hatte, angekündigt, bei vier und mehr Erfolgen 100 Kilometer barfuß durch die Berge von Maranello zu laufen. Bleiben Überraschungen im Rennen aus, ist Mercedes kaum zu schlagen. Das gilt auch für Spa, wo Vettel seinen 150. WM-Lauf bestreitet und Ferrari seinen 900. WM-Start hat. Doch in den Ardennen passiert immer wieder Unerwartetes - vor allem, wenn der Regen kommt, und der kommt oft.

Nico Rosberg war in den Sommerferien fast nur zu Hause in Monaco und kümmerte sich um Ehefrau Vivien. Eine seiner härtesten Erfahrungen in der jüngeren Vergangenheit sei der Einbau eines Kindersitzes in seinen Mercedes ML gewesen, für den er zwei Stunden brauchte. Lewis Hamilton, der gerne seine Augen hinter einer Sonnenbrille versteckt, bereitete sich auf seine Art auf die zweite Saisonhälfte vor. Bilder zeigten den 30-Jährigen an der Seite von Jack Nicholson und bei Partys mit Rihanna auf Barbados, wo der Popstar den Formel-1-Star seinen Eltern vorgestellt haben soll. Die Ausflüge in die Glamourwelt haben die Arbeit des Weltmeisters an der Rennstrecke noch nicht negativ beeinflusst.

Vor einem Jahr war Spa ein Wendepunkt im Kampf um den Titel. Rosberg war als Spitzenreiter gekommen und als Spitzenreiter wieder abgereist. Doch seine Attacke auf Hamilton, bei der er den linken Hinterreifen des Rivalen zerstörte und das Rennen des Engländers ruinierte, zeigte Wirkung. Rosberg wurde von der Teamleitung als Schuldiger abgekanzelt. Hamilton gewann danach sechs der sieben Rennen und sicherte sich überlegen seinen zweiten Titel. "Ich bereue nichts", sagt Rosberg nach einem Jahr nun in Spa. "Ich habe daraus gelernt und bin dadurch stärker."

Gestern im Training war er zweimal der Schnellste, hatte am Nachmittag aber viel Glück, als ihm bei Tempo 300 ein Hinterreifen platzte, er einen harten Einschlag noch verhindern konnte. "Das hatte nichts mit Können zu tun", sagte Rosberg.

Glück und Können - das kann morgen die Erfolgsformel sein.

Quelle: RP
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