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Sebastian Vettel Panorama Monza Italien afp 2010
  Foto: AFP, AFP
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Reifen-Poker in Monza: Vettel hat wieder ein gutes Blatt

zuletzt aktualisiert: 13.09.2010 - 15:10

Monza (RPO). Sebastian Vettel hat beim Großen Preis von Monza in Italien alles auf eine Karte gesetzt und gewonnen. Dank des erfolgreichen Reifen-Pokers kurz vor Schluss und Platz vier hält der Heppenheimer im Kampf um die WM-Krone wieder ein gutes Blatt in den Händen.

"Ich habe nie Grund gehabt, in Panik zu verfallen oder die Welt andersrum zu drehen, auch wenn das vielleicht manche so gesehen haben", sagte Vettel, der als neuer "Reifenflüsterer" 52 der 53 Rennrunden auf seinem ersten Gummi-Satz gefahren war und mit dieser ungewöhnlichen Taktik in letzter Sekunde auf einen Schlag noch drei Plätze gutgemacht hatte.

"Bei unserem Reifenpoker bist du entweder König oder Idiot. Toll, dass es geklappt hat", sagte Vettel. Dabei war dieser Schachzug eigentlich aus der Not heraus geboren, nachdem er Mitte des Rennens für zwei Runden plötzlich etwas langsamer geworden war und sein Teamkollege Mark Webber ihn überholt hatte. Das Team machte nach dem Rennen eine kurzzeitig festsitzende Bremse als Grund dafür aus, die sich zum Glück für Vettel aber wieder gelöst hatte. Danach gab es für ihn nur noch die Devise alles oder nichts.

Lauda lobt Vettels Taktik

"Sebastian muss angreifen, etwas riskieren. Das hat er absolut richtig gemacht. Das hat mir gefallen", sagte der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer. Auch der dreimalige Weltmeister Niki Lauda lobte Vettel. "Das habe selbst ich noch nicht gesehen, dass einer so abgezockt spät wechselt. Strategisch super", sagte der Österreicher.

Bis zur letzten Sekunde mit dem obligatorischen Reifenwechsel zu warten, war allerdings auch gewagt. Ein etwaiger Safety-Car-Einsatz in der Schlussphase hätte Vettel ganz aus dem Rennen werfen können, wenn er es dann möglicherweise gar nicht mehr in die Box geschafft hätte.

Wichtig für Vettel war im Endeffekt vor allem, dass er durch diesen Schachzug zwei Plätze vor seinem Teamkollegen Mark Webber landete und den Punkterückstand auf den Australier, der wieder die WM-Führung übernahm, auf 24 Zähler verringerte. Damit reduziert sich für Vettel die Gefahr, dass sein Team sich vielleicht doch irgendwann im Titelrennen auf Webber konzentrieren könnte. "Je näher er an Webber dran ist, desto weniger kann ihm das passieren", sagte Surer.

Jetzt kommen Red-Bull-Strecken

Zwar ist Vettel mit 163 Punkten bei noch fünf ausstehenden Rennen hinter Webber (187), dem in Monza ausgefallenen Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes/182), dem siegreichen Ferrari-Piloten Fernando Alonso (166) und Titelverteidiger Jenson Button (McLaren-Mercedes/165) nur noch Fünfter in der Gesamtwertung. Auf den kommenden Strecken in Singapur, Japan, Südkorea, Brasilien und Abu Dhabi dürfte sein Red Bull aber anders als in Monza wieder das Maß der Dinge sein. Und den Rückstand auf Webber kann Vettel ohne fremde Schützenhilfe aus eigener Kraft aufholen.

In die Karten spielte Vettel außerdem, dass Hamilton schon in der ersten Runde durch eine Kollision mit dem Ferrari von Felipe Massa sein Rennen selbst wegwarf. "Durch solche Fehler kann man eine WM verlieren", gab Hamilton später kleinlaut zu. Dabei hatte der Brite, der 2007 bereits durch eigene Fehler einen Titel verspielt hatte, vor dem Rennen in einem BamS-Interview noch Vettel den Rat gegeben, geduldiger zu sein.

Auf weitere Aussetzer seiner vier Titelrivalen zu hoffen, ist allerdings nicht Vettels Art. Er will die WM aus eigener Kraft entscheiden. "Wir müssen auf uns schauen", sagte er: "Was der Rest macht, kann uns ziemlich wurscht sein."

Quelle: SID/seeg

 
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