Formel 1 in Istanbul: Vettel will neue Serie starten
zuletzt aktualisiert: 05.05.2011 - 08:43Istanbul (RPO). Sebastian Vettel will eine neue Siegesserie starten, Lewis Hamilton wittert Morgenluft, Ferrari fühlt sich kuriert und Mercedes wähnt sich auf einem guten Weg: In der Formel 1 ist vor der Europa-Premiere in Asien für Spannung gesorgt.
Mit einem zuverlässigen Turbo-Boost will Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel den Grundstein für eine neue Siegesserie legen. "Für die nächsten Rennen haben wir einiges in petto", sagt der WM-Spitzenreiter vor der Europa-Premiere, die eigentlich keine ist. Nach vier Siegen in Serie hatte sich Vettel im Red Bull zuletzt in Shanghai als Zweiter hinter Lewis Hamilton erstmals geschlagen geben müssen.
Dies soll nur ein Ausrutscher gewesen sein. Gute Kunde erhielt Vettel jedenfalls von seinem Motorsport-Boss. "Unserem KERS-System geht's gut. Es ist ihm jetzt deutlich kühler. Es funktioniert", sagte Helmut Marko der "Bild". An Ostern wurde das zuletzt hakende Energierückgewinnungssystem modifiziert.
Damit darf Sebastian Vettel beim Vollgas-Rennen am Wochenende in Istanbul auf "einen deutlichen Schritt vorwärts" hoffen. Mit einem intakten KERS hole man "zwischen drei und fünf Zehntelsekunden pro Runde heraus", erklärt Vettel vor der Rückkehr an den Ort des legendären "Bullen-Crashs" im Vorjahr.
Doch der vielleicht letzte Lauf in Istanbul ist ein Rennen der Gegensätze. Offiziell als Europa-Premiere deklariert, findet der Lauf nämlich im asiatischen Teil der türkischen Metropole statt. Die Strecke hat ungewöhnliche Höhenunterschiede, sie wird gegen den Uhrzeigersinn gefahren und hat einen Vollgas-Anteil von 70 Prozent.
Zudem beinhaltet der vom Aachener Hermann Tilke entworfene Kurs die berüchtigte Kurve 8; eine 640 Meter lange Vollgas-Kurve, die mit durchschnittlich 270 km/h durchfahren wird und bei der Kräfte von bis zu 5G wirken. "Wenn ich meine Traum-Rennstrecke entwerfen müsste, wäre diese Kurve garantiert darin enthalten", sagt Mercedes-Pilot Nico Rosberg. Auch für Vettel ist Kurve 8 "ein Highlight. Die Fliehkräfte sind enorm. Es zieht dort gigantisch am Nacken." Die betreffende Muskulatur hat der 23-Jährige in der Osterpause entsprechend trainiert.
Dennoch könnte der Istanbul Park bei seiner siebten Auflage am Wochenende seine Abschiedsvorstellung erleben. Die Regierung ist angeblich nicht bereit, die von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone geforderte Verdoppelung des Antrittsgeldes auf 26 Millionen Euro für 2012 aufzubringen. Zumal sich in der Türkei immer noch nicht das erhoffte Formel-1-Fieber eingestellt hat. Mit 28.000 Besuchern verzeichnete das Rennen im Vorjahr den mit Abstand schwächsten Zuspruch aller Rennen.
McLaren liegt die Strecke
Sollte Istanbul aus dem Kalender kippen, so würden dies wohl vor allem die McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button bedauern. Die beiden Ex-Weltmeister, die bei den ersten Wintertests noch deutlichen Rückstand offenbarten, wittern nach Hamiltons China-Sieg Morgenluft. Außerdem scheint ihnen die Strecke zu liegen. Im Vorjahr gab es einen Doppelsieg der Briten und Teamchef Martin Whitmarsh ist sich sicher, "dass die Erinnerung daran unser Team beflügeln wird".
Dabei profitierten sie aber auch vom spektakulären Crash zwischen Vettel und seinem ungeliebten Teamkollegen Mark Webber, der im leicht beschädigten Auto wenigstens noch Dritter wurde. Nach derselben Platzierung zuletzt in Shanghai heizte der Australier das Psycho-Duell rechtzeitig vor der Rückkehr an den Bosporus noch einmal an. Das Ende von Vettels Siegesserie bezeichnete der Teamkollege als "guten Tag für den Rennsport".
Im Kampf gegen den bis dahin als fast schon als unschlagbar geltenden Vettel will nach der wichtigsten Pause des Jahres mit zahlreichen Updates auch Ferrari wieder mitmischen. Das bisher enttäuschende Team um Vize-Weltmeister Fernando Alonso glaubt, dass die Ergebnisse der ersten drei Rennen aus falschen Windkanaldaten resultieren und dieser Fehler nun behoben sei.
Einen deutlichen Aufwärtstrend mit 14 Führungs-Runden von Nico Rosberg offenbarte in China auch Mercedes. Nachdem die peinliche Panne der falsch kalkulierten Tankmenge den Wiesbadener den wohl sicheren Podestplatz gekostet hat, soll dieser nun nachgeholt werden. "Wir haben in Shanghai das Potenzial unseres Autos unter Beweis gestellt und viel gelernt", sagt Rosberg, der nach dem Zieleinlauf noch vor Wut gekocht hatte.
Sein Teamkollege, Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, hofft nach einer Aufholjagd vom 14. auf den achten Rang ebenfalls auf ein Highlight: "Ich weiß, dass alle im Team hart arbeiten, um die Fortschritte fortzusetzen". Teamchef Ross Brawn stellt zufrieden fest, dass die Führungsrunden von Shanghai "das Team daran erinnert haben, wie es sich anfühlt, an der Spitze mitzukämpfen."
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