Kampfansage an Schumacher: Vettel: "Will Weltmeister werden"
zuletzt aktualisiert: 10.02.2010 - 18:01Jerez (RPO). Sebastian Vettel fühlt sich gerüstet für das Duell mit Michael Schumacher. Mit Sonderrechten, großem Selbstbewusstsein und einem akribisch ausgetüftelten Auto will der Vize-Weltmeister im Comeback-Jahr seines Idols den fehlenden Schritt zum WM-Titel gehen.
"Das Ziel ist klar: Ich will Weltmeister werden", sagte Vettel am Mittwoch bei der Vorstellung seines neuen Dienstwagens RB6 in Jerez und ergänzte mit Blick auf den Rekordweltmeister: "Unser Verhältnis hat sich überhaupt nicht verändert. Aber es ist schön, sich jetzt endlich auf der Strecke zu messen."
Schumacher, der am Mittwoch in München als neuer Partner zweier Luxus-Modemarken aus der Schweiz vorgestellt wurde, gibt in diesem Jahr bei Mercedes sein Comeback und fährt damit erstmals gegen seinen potenziellen Nachfolger. "Wenn er die meisten Berichte hat, ich aber die meisten Pokale, soll mir das recht sein", sagte Vettel.
Derweil räumte der Red-Bull-Motorsportbeauftragte Helmut Marko dem 22-jährigen Heppenheimer Sonderrechte ein. "Vettel hat bei uns insofern eine Ausnahmestellung, als er sich nach seinem eigenen Gutdünken auf die Rennen vorbereiten kann", erklärte der frühere Formel-1-Pilot und ergänzte: "Er ist dann zwei Tage für niemanden erreichbar. Wir wissen das. Auch ich kann ihn da nicht erreichen." Auch Medienauftritte seien "auf ausdrücklichen Wunsch Vettels" reduziert worden.
Den neuen Dienstwagen fuhr am Mittwoch zunächst Vettels Teamkollege Mark Webber. Der Australier hatte allerdings zwischenzeitlich mit Hydraulikproblemen zu kämpfen und wurde nur Vorletzter, während Nico Rosberg (Wiesbaden) dem neuen Mercedes-Werksteam die erste Bestzeit bescherte. Vettel, der schon bei der Präsentation mit tief ins Gesicht gezogener Mütze sehr konzentriert wirkte, steigt am Freitag ins Auto. Am Samstag wird dann zum ersten Duell mit Schumacher kommen.
Um den RB6 optimal entwickeln zu können, hatte Red Bull auf die ersten Tests in Valencia verzichtet und stieg erst am Mittwoch in Jerez in die sportliche Saisonvorbereitung ein. "Die drei Topteams haben eine ganz andere Zahl von Leuten und auch ein deutlich höheres Budget. Wir müssen mit unseren Mitteln cleverer sein", meinte Marko mit Blick auf die vermeintlichen Haupt-Konkurrenten Ferrari, McLaren und Mercedes.
So präsentierte das Vettel-Team auch als letzter Titelanwärter sein neues Auto. Die beiden Piloten enthüllten den Wagen um kurz nach halb 9, und Vettel konnte sich sofort mit ihm anfreunden. "Es sieht besser aus und sollte schnell sein", meinte er: "Ob es dann wirklich so schnell ist, wird man erst auf der Strecke sehen, auch wenn sich alle Zahlen, die der Computer ausspuckt, gut anhören. Ich denke, es wird schon passen."
Durch den kalkulierten Verzicht auf Valencia bleiben dem Team bis zum Saisonauftakt am 14. März in Bahrain insgesamt nur zwölf Testtage. Dennoch herrscht nicht nur bei Vettel Optimismus vor. "Das Gesamtpaket wird glaube ich sehr, sehr gut sein. Wir blicken optimistisch auf diese Saison", sagte Marko und hält das Potenzial seines deutschen Fahrers für noch lange nicht ausgeschöpft: "Ich glaube nicht, dass wir bald schon das Limit des Sebastian Vettel sehen werden." Schumacher, bisher eher väterlicher Freund des Hessen, sollte auf der Hut sein.
Der 41-Jährige plant unabhängig von seiner Rückkehr in die Formel 1 aber offenbar schon eine zweite Karriere - als Designer. "Ich weiß, dass ich nicht noch 20 Jahre in der Formel 1 fahren kann. Deshalb entwickelt sich hier etwas, was man auch danach weiter ausbauen kann", sagte Schumacher in München: "Die Designer werden sich mit mir treffen, damit ich einen Input geben kann. Geplant ist es, Produkte gemeinsam zu entwickeln, die ich sowohl privat als auch beruflich nutzen kann." Sein hohes technisches Verständnis und seine analytischen Fähigkeiten würden Schumacher für gemeinsame Entwicklungen auf Produktebene prädestinieren, hieß es von Unternehmensseite.
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